Full text : Europäischer Geschichtskalender. Fünfundzwanzigster Jahrgang. 1884. (25)

273  Tranbreich.  (Olt.  8.)

reichs  mit  Deutschland  bez.  der  Kongofrage  bis  zur  Ausstellung
eines  gemeinsamen  Programms  und  bis  zu  einer  gemeinsamen  Einladung
  der  Mächte  zu  einer  Konferenz  darüber,  und  zwar  in  Berlin.
Die  Mitteilung  ist  in  ein  Telegramm  aus  Brüssel  gekleidet,  stammt
aber  ganz  ersichtlich  aus  dem  französischen  Auswärtigen  Amte.
Die  Mitteilung  besagt  über  die  Vorgeschichte  der  Einigung:  „die
Idee  dieser  Konferenz  greift  hinauf  bis  zur  GCpoche  des  englisch-portugiesischen
Vertrages.  Man  weiß,  daß  angesichts  der  kommerziellen  Bedentung,  welche
der  Kongo  infolge  neuer  Entdeckungen  plötzlich  gewann,  England  auf  die
Politikl,  wonach  es  bis  dahin  die  Nechte  der  Mortugiefen  oberhalb  von  Ambriz
  bestritt,  verzichtete  und  deren  Nechte  bis  zum  57  12  füdl.  Breite  anerkannte.
  Dagegen  erlangte  England  die  Herställung  von  Zollkarifen,  welche
seine  Waren  zum  Nachteile  der  übrigen  Nationen  begünstigten  und  ihm  die
Mündung  der  Kongo  kommerziell  ausgeliefert  haben  würden.  Frankreich,  sich
auf  den  Madrider  Vertrag  von  1780  zwischen  Portugal  und  Frankreich
stützend,  welcher  für  letzteres  die  Handelsfreiheit  in  jener  Gegend  stipulierte,
ertlärte,  daß  es  den  neuen  Vertrag  nicht  auerkennen  würde,  und  die  übrigen
Mächte.  welche  durch  jenes  Arrangement  ebenfalls  geschädigt  wurden,  manifestierten
  dieselben  Intenkionen.  Da  machte  die  deutsche  Regierung  die  ersten
Eröffnungen  zur  Vereinigung  einer  Konferenz,  welche  das  Prinzip  der  Handels=
  und  Schifffahrtsfreiheit  auf  dem  Kongo  feierlichst  bestätigen  sollte.
Die  französische  Regierung  zeigte  sich  geneigt,  darauf  einzugehen,  um  die
Interessen,  welche  die  Mission  Brazza  uns  am  Kongo  geschaffen  hat,  zu
schützen.  Das  englische  Ministerium,  vor  diesen  Reklamationen  von  außen
wie  im  Innern,  denn  auch  ein  Teil  der  englischen  Handelswelt  protestierte,
sich  bengend,  legle  den  Vertrag  dem  Parlamente  nicht  vor.  Die  internationale
afrikaniiche  Assoziation,  ebenfalls  durch  die  Projekte  Englande  und  Portugals
  bedroht,  trat  in  Unterhandlungen  mit  Frankreich  ein  und  schloß  mit
diesen  ein  Arrangement,  welches  Frankreich  das  Vorkaufs  rrecht  im  Falle  einer
Auflösung  der  Assoziation  einräumte.  Allein  es  liegt  auf  der  Hand,  daß
die  Ausübung  dieses  Rechtes  immerhin  eine  prekäre  ist.  Andrerseits  bleiben
die  Prätensionen  Poriugals  bestehen  und  England  kann  seinen  einmal  gescheilerten
  Versuch  wieder  aufnehmen.  Somit,  als  die  deutsche  Regierung
die  Pourparlers  über  die  Konferen)  wieder  begann,  begrüßte  die  frangösische
Negierung  dieselben  günstig.  Das  Programm  wurde  zwischen  Hrn.  Jules
Ferry  und  dem  Fürsten  Hohenlohe  diskutiert,  und  man  kam  überein.  daß
jolgenh.  drei  Punkte  der  Konferenz  unterbreilet  werden  sollen:  1)  Freiheit
*  Handels  und  freier  Zugang  für  alle  Flaggen  auf  dem  Kongo;  2)  Hersellene
  eines  ähnlichen  Regimes  d.  D.  Handelefreiheit  und  freier  Jugang
für  albe  Flaggen  auf  dem  Niger;  3)  Definierung  des  Ollkupalionsrechts  von
Territorien,  die  noch  nicht  der  Flagge  einer  zivilisierten  Nation  unterworfen
sind.  Der  erste  Punkt  bezweckt,  in  Zukunft  jeden  neuen  Versuch  zur  Errichiung
  von  Zöllen  am  Rongo  zu  verhindern.  Der  Handel  wird  nur
solchen  Abgaben  unterworfen  sein  können,  die  zur  Bestreitung  allgemein  nützlicher
  Aus-  egaben.  als  für  Leuchttürme  und  Qnais,  dienen.  Wahrscheinlich
wird  man  für  die  Regnlierung  dieser  lokalen  Fragen  die  Einsehung  einer
internationalen  Kommission,  ähulich  der  Donankommission,  vorschlagen.  Die
Herstellung  eines  gleichen  Regimes  auf  dem  Niger  wird  den  französischen
und  fremden  Hänsern,  die  dort  mit  den  englischen  in  Konkurrenz  Handel
treiben,  die  nölige  Sicherheit  für  die  Handelsfreiheit  auf  diesem  großen  afrilauischen
  Strom,  dessen  Della  durch  englische  Besihungen  eingeschlossen  ist,
geben.  Was  die  Definierung  des  Okkupationsrechts  anbelangl,  so  bekrachtet