52 Beutsches Keich. (Januar 18.—19.)
hat unsere Bundesgenossen nur noch fester an uns geschmiedet, denn jetzt
wissen sie, was ihnen droht, aber jetzt weiß auch das ganze deutsche Volk,
daß wir Opfer bringen müssen. Wir unterschreiben es durchaus, was Herr
v. Heydebrand über die Landwirte und über die Städter gesagt hat. Jetzt
muß jeder alles tun, was in seinen Kräften steht. Die Feinde sollen sehen,
daß sie sich getäuscht haben, wenn sie sich auf unsere Erschöpfung verlassen.
Auf Stahl sollen sie stoßen. Kampf, bis das Ziel erreicht ist! Dieses Ziel
ist eine Sühnung für das Verbrochene, und eine Bürgschaft dafür, daß
sich das Ungeheure nicht wiederholt, was wir erlebt haben. Dazu brauchen
wir eine Sicherung unserer Grenzen, damit wir für die Zukunft nicht
wieder überfallen werden können. Wir wollen uns mit diesen allgemeinen
Andentungen begnügen, und wir begrüßen die Zurückhaltung bei Herrn
v. Heydebrand. Er hat durchaus recht, daß jetzt nur an den Sieg gedacht
werden darf, und daß erst nach dem Siege der Zeitpunkt zur Kriegszielerörterung
gekommen ist. Es ist auch unsere Meinung, daß nur die
Oberste Heeresleitung entscheiden kann über das, was über die Grenze des
Erreichbaren hinausgeht. Daß wir den Krieg zu einem glücklichen Ende
führen, dafür spricht der Heldenmut unserer Truppen. Unsere Flotte und
unsere Tauchboote werden immer größere Erfolge erzielen. Das zeigt auch,
daß wir richtig gehandelt haben, als wir im Reichstag für den Ausbau
dieser Waffe eintraten, als andere den Wert noch nicht erkannten. Für die
Anwendung der Kampfmittel, auch des Tauchbootes, ist, soweit die
militärische Seite in Betracht kommt, die militärische Leitung, und soweit
sich politische Folgen daran knüpfen können, die politische Leitung zuständig.
Mit dieser Entscheidung ist Verantwortung verbunden und eine Verschiebung
der Verantwortlichkeit wäre nach keiner Seite hin nützlich. Wir
haben nun einmal kein parlamentarisches System. Wir bedauern es, aber
es ist so. Der einzelne Parlamentarier kennt kaum die Akten. Nur das,
was er sich aus Zeitungen und gesellschaftlichen Verbindungen verschaffen
kann, ist die Unterlage für sein Urteil. In interne Vorgänge wird er nicht
eingeweiht. Sämtliche Informationsquellen erschließen sich uns erst spät.
Wir erfahren nur die Ergebnisse, nicht aber die Motive. Deshalb kann
eine einzelne Partei unmöglich für sich eine Verantwortung übernehmen,
noch weniger eine Volksversammlung. Gemütsstimmungen genügen nicht.
Es muß die volle Sachkenntnis herrschen, und der entscheidende Entschluß
kann deshalb nur von den berufenen Stellen gefaßt werden, die alles übersehen
können. Wir vertrauen darauf, daß die führenden Männer diese Entscheidung
mit vollem Bewußtsein ihrer Tragweite treffen. Damit bleiben
wir auf der Linie, die wir von jeher eingenommen haben. Wir haben
stets erklärt: Entwinden lassen wir uns diese Waffe nicht, ob und wann
sie anzuwenden ist, bestimmen die, welche die ganze Lage übersehen. Erfolgt
ein sorgfältiges Erwägen militärischer, politischer und wirtschaftlicher
Momente, dann tritt das Volk hinter die Regierung, und dann ist Volk
und Regierung eins. Dazu brauchen wir Vertrauen zur Regierung.
Wir hätten gewünscht, daß andere die gleiche Zurückhaltung übten. Die
Tauchbootagitation hat vielfach das sachliche Gebiet verlassen. Sie
wurde zu einem Kampf gegen den Kanzler. Wir selbst sind nicht eingeschworen
auf Personen. Für uns ist die politische Grundauffassung maßgebend.
Was uns genehm ist, unterstützen wir, was uns zuwiderläuft, bekämpfen
wir. Solange dem leitenden Staatsmann unsere Grundanschauung
als die richtige erscheint, solange stehen wir an seiner Seite. (Zuruf
rechts: Das ist Ihr Patriotismus!) Es ist vorhin von der Seite der
Rechten gesagt worden, man soll dem Gegner Achtung entgegenbringen.
Kaum ist das gesagt, da kommen Sie auf der Rechten schon und greifen