Full text : Geschichte des Elsasses von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart.

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gabenfreiheit  für  drei  Jahre  und  durfte  während  dieser  Zeit  auch
durch  Schuldklagen  nicht  verfolgt  werden;  gemischte  Ehen  wurden
verboten,  bei  Uebertritten  folgten  die  Kinder  dem  katholischen  Theile  der
Gatten  in  der  Religion.  Sobald  endlich  in  einem  Orte  des  Elsasses
sieben  katholische  Familien  ansässig  waren,  mußte  ihnen  der  Chor  der
Kirche  eingeräumt,  die  katholische  Pfarre  und  Schule  von  der  ganzen
Gemeinde  erhalten  werden;  wogegen  an  Orten,  deren  protestantische
Bevölkerung  unter  ein  Drittel  herabgefunken  war,  Schule  und  Kirche
ausschließlich  den  Katholiken  eingeräumt  wurden.

Wie  man  sieht,  war  es  eine  radicale  Veränderung,  welche  die
Franzosen  mit  den  rohesten  Gewaltmitteln  im  Elsaß  und  besonders
in  Straßburg  durchführten.  Die  Folge  davon  war,  daß  die  Stadt
ihre  großartige  Bedeutung  verlor,  die  Berölkerung  ihren  Glauben
wechseln  mußte,  und  vorherrschend  katholisch  wurde.

Die  Zunahme  der  Stadtbevölkerung,  so  viel  man  aus  den
trefflich  erhaltenen  Angaben  dieser  merkwürdigen  Stadt  erkennt,  war
im  16.  Jahrhundert  wesentlich  durch  Einwanderung  vom  Lande  bestimmt,
  was  man  immer  als  den  vorzüglichsten  Beweis  für  das  Gedeihen
  der  Städte  ansehn  darf.  Dem  entsprechend  ist  auch  der
Fremdenverkehr  in  den  früheren  Jahrhunderten  ein  ganz  außerordentlicher
  gewesen.  Im  Jahre  1581  wurden  99748  Gäste  auf  der  Elenden
  Herberge  gespeist.  Wenn  man  von  den  Jahren,  wo  Epidemicen
herrschten  absieht,  so  betrug  die  Zahl  der  im  16.  Jahrhundert  jährlich
Verstorbenen  durchschnittlich  1500  Menschen.  Die  Zahl  der  Geburten
  ist  erheblich  geringer  und  hält  sich  in  einem  halben  Jahrhundert
  vor  Ausbruch  des  dreißigjährigen  Krieges  zwischen  800  und
1000  Menschen.  Daraus  ergibt  sich,  daß  jährlich  eine  bedeutende
Zahl  von  Fremden  in  den  Stadtverband  eintrat.  Bis  1632  hebt
sich  die  Zahl  der  Geburten  auf  1200,  hierauf  tritt  ein  Rückgang  in
der  Anzahl  der  Geburten,  und  ein  noch  stärkerer  in  der  der  Todesfälle
  ein.  Die  Bevölkerung  von  Straßburg  berechnete  man  im
Jahre  1697  auf  26311  Menschen.  Unter  diesen  waren  168  katholische
  Familien.  Der  Feuereifer  der  französischen  Gesetze  vermochte

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