Der 12. August 1845. 543
Schritt zum Bruch mit dem Rationalismus, seine unmittelbare
Wirkung eine außerordentliche Aufregung, ja Bestürzung
durch das ganze Land. Die liberalen Parteien sahen darin ein
Attentat auf die durch die Verfassung gewährleistete Gewissensfreiheit,
eine indirecte Zurückweisung des Gesuchs um eine freiere
Kirchenverfassung, in der Berufung auf die Symbole einen der
Aufklärung der Gegenwart hohnsprechenden Glaubenszwang.
Daß die Regierung zugleich die deutschkatholischen Gemeinden
schärfer zu überwachen begann, öffentliche Versammlungen und
die Zulassung von Nichtmitgliedern bei ihren Gottesdiensten
ihnen untersagte, ihren Reisepredigern Hindernisse in den Weg
legte, goß Ol ins Feuer.
Auch von dieser Bewegung liefen die Strahlen in Leipzig
als ihrem Brennpunkte zusammen und hier erfolgte daher die
erste Explosion. Wie alljährlich kam am 12. August 1845
Prinz Johann als Obercommandant sämtlicher Communalgarden
nach Leipzig um Revue über die dortige Communalgarde
abzuhalten. Der Prinz galt im Volke allgemein nicht
bloß überhaupt für die Seele der politischen wie der kirchlichen
Reaction und die Hauptstütze des Ultramontanismus sondern
auch für den speciellen Urheber der gegen die Deutschkatholiken
ergriffenen Maßregeln. Als ein Mann von ausgeprägtem und
darum auch in confessionellen Dingen entschiedenem Charakter
büßte er für das confessionelle Mißverhältniß des Hofes zum
Lande durch die Leichtigkeit, mit der diese Gerüchte, ohne daß
man es der Mühe werth hielt ihren Grund oder Ungrund zu
untersuchen, Eingang fanden, und es fehlte nicht an demagogischen
Hetzereien, welche die unklare Erbitterung der Massen
absichtlich auf seine Person hinlenkten. Schon bei der Revue
machte sich die Stimmung des Publikums gegen den Prinzen
in mancherlei Ungebührlichkeiten Luft; von den Gardisten stimmten
nur wenige in das dem Obercommandanten gebrachte Hoch
ein. Abends, als die Communalgarde dem Prinzen den üblichen
Zapfenstreich brachte, erneuerte sich der Unfug in verstärktem
Maße. Eine zischende, pfeifende, tobende Menschenmenge bedeckte
den Platz vor dem Hötel de Prusse, in dessen Gartensaal