II. Die Crwerbung des Kaisertums. 443
lich zugelassen. Das konnte in Paris als ein Erfolg gedeutet
werden, der sich zur Befriedigung der Eitelkeit des gereizten
französischen Volkes aufbauschen ließ. Seine Friedensliebe hatte
den edlen Fürsten zu einem Schritt bestimmt, der eine De—
mütigung Preußens befürchten ließ, da er Napoleon zu behaupten
berechtigte, erst auf den geforderten unbeschränkten
Verzicht auf die Hohenzollernkandidatur habe er die Waffen
ruhen lassen. Dieser Ausgang, den herbeizuführen des arglosen
Königs Ehrgefühl absolut fern lag, hätte Preußens Ansehen
unheilvoll geschädigt und die volle Einigung Deutschlands in
weite Ferne gerückt. Endgültig abgewandt aber wäre der
Krieg mit Frankreich auch so nicht, sondern hätte nur später
und vielleicht unter minder günstigen Umständen geführt werden
müssen und ohne daß Preußen die moralischen Momente fördernd
zur Seite standen, die in dem deutschen Volke zu vollster
Wirksamkeit zu entfesseln, Frankreichs Anmaßung jetzt erwünschte
Gelegenheit bot.
Diese Erwägungen bestimmten Bismarck bei der Art, wie
er die Emser Vorgänge in die Oeffentlichkeit brachte: er wollte
das deutsche Nationalgefühl entfesseln, um Frankreich entweder
zum Einlenken oder zur Aufnahme des Kampfes mit dem durch
die Herausforderung vollends geeinigten Deutschland zu nötigen.
Entschlossen, eher zurückzutreten, als einen als Zurückweichen
Preußens deutbaren Schritt zu thun, gab er daher der Depesche,
in der ihm der Geheime Legationsrat Abeken das in Ems
Geschehene berichtete, zum Zweck der ihm vom König frei—
gestellten Veröffentlichung auf Grund einer mit Roon und
Moltke gepflogenen Besprechung der Lage durch Kürzung, aber
ohne sonstige Aenderung, eine Fassung, die das Verletzende
in dem Verfahren Frankreichs scharf hervortreten ließ und jede
Nachgiebigkeit ausschloß, also auch Verhandlungen, auf die der
König Benedetti zuletzt verwiesen hatte. Sehr mit Unrecht
hat man ihn deshalb beschuldigt, er habe eine Art von Fälschung
begangen, um den Krieg, den er wollte, des Königs Versöhnlichkeit
aber in Frage stellte, zu erzwingen. Vielmehr hat er
sich darin nur als den berufenen Sprecher der deutschen Nation
bewährt und, was deren Millionen voll Unmut und Sorge