Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

948  Die  Akademie  Frienricn  Wirnerm's  IV.  (1540  —  1859).

ten  und  Untersuchungen  anregt  und  solche  Unternehmungen  fördert,  welche
olıne  einsichtige  und  kräftige  Hülfe  schwerlich  für  die  Wissenschaft  zu
Stande  kommen.

Auch  die  Wissenschaft  ist  sich  ihres  einseitigen  Blicks  bewusst,  wenn
sie  an  Staatserösse  und  Waffenehre  schweigend  vorbeigeht  und  nur  der
Wissenschaft  und  Kunst  gedenkt  und  der  anregenden  Liebe  und  des  fördernden
  Schutzes,  welche  sie  finden,  wenn  sie  in  der  königlichen  Thätigkeit
  des  Wahren  und  Schönen  gedenkt,  das  im  Guten  zu  wurzeln  strebt,
der  edlen  Fürsorge  für  das  Grosse  und  Echte  in  der  menschlichen  Bildung.
Heil  Preussens  edlem  Könige!  Heil  seineın  Königshause!  Heil  dem  Geschlechte
  der  Hohenzollern,  dem  Stolz  und  der  Hofinung  Preussens  und
—  dürfen  wir  vertrauen  —  der  Hoffnung  Deutschlands!«

Aın  tiefsten  aber  hat  Jaxog  GrıinMm  die  Sache  erfasst.  Er  ging
hinter  die  Zufälligkeiten,  welche  die  herrschende  Ungunst:  bestimmten,
  zurück  und  suchte  zu  ermitteln,  ob  Unvollkommenheiten  der
verwirklichten  Idee  den  Akademieen  noch  anhaften.  In  einer  Untersuchung
  »Über  Schule,  Universität,  Akademie  «!  stellte  er  den  Begriff
  dieser  grossen  Institutionen  fest  und  maass  an  demselben  ihre
Erscheinung.  Der  Abschnitt  über  die  Akademie  beginnt  mit  den
Worten:  »Das  Wesen  der  Akademie,  glaube  ich,  hat  sich,  und
man  begreift  warum,  erst  viel  unvollständiger  entfaltet  als  das  der
andern  wissenschaftlichen  Anstalten.  Es  wird  sich,  trügen  die  Zeichen
  nicht,  in  der  Zukunft  mehr  Luft  machen«.  Hierauf  folgt  die
Darlegung  der  wesentlichen  Aufgaben  der  Akademie  man  muss
sie  selbst  bei  ihm  nachlesen,  kein  Referat  kann  sie  ersetzen  —,  dann

fuhr  der  Redner  fort:

»Mit  Recht  sind  die  Festtage  der  Akademie  öffentlich;  denn  ausserdem
  soll  und  kann  sie  nicht  populär  werden  in  dem  Sinn,  dass  sie  die
feinsten  Spitzen  ihrer  Untersuchung  abzubrechen  hätte  einem  gemischten
und  mittleren  Verständniss  zu  Gefallen,  das  ohne  inneren  Beruf  vorlaut
sich  gern  herandrängt.  Die  Wissenschaft  hat  kein  Geheimniss  und  doch
ihre  Heimlichkeit:  sie  mag  nicht  oft  auf  der  grossen  Heerstrasse  weilen,
sondern  lieber  sich  in  alle  Wege,  Pfade  und  Steige  ausdehnen,  die  ihr
nene  Aussichten  öffnen,  wo  ihr  jedes  Geleit  zur  Last  wird.  In  der  Ebene
treibt  sich  das  Gewühl  der  Menge,  Anhöhen  und  Berge  werden  immer
nur  von  Wenigen  erklonmmen.  Erfolglos  haben  wir  darum,  wie  mich  bedünkt,
  einem  unbefugten  Verlangen  stattgegeben  und  Stühle  gestellt,  auf
welche  der  Staub  sich  niedersetzen  kann,  weil  sie  von  Niemanden  eingenommen
  werden?.«...

»Es  bleibt  mir  übrig,  die  wichtigste,  ich  gestehe  auch  schwierigste
Angelegenheit  der  Akademie,  ohne  Rückhalt,  zur  Sprache  zu  bringen,  die
der  Erneuerung  und  Ergänzung  ihrer  Abgänge...  ..  Ist  es  unleugbar,

dass  die  Akadeinieen  im  Stand  ihrer  gegenwärtigen  Entfaltung  noch  nicht

ı  Abhandlungen  1849  S.  153fl.,  gelesen  am  8.  November.

?  Hieraus  folgt,  dass  die  Akademie  dem  Drängen  der  Unbefugten  zeitweilig
doch  so  weit  nachgegeben  hat.  dass  sie  Stühle  für  freie  Zuhörer  in  ihren  Sitzungen
  aufstellen  liess.