Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ist der russische Vormarsch gegen Ostpreußen im Gouvernement
Suwalki zum Stehen gebracht. Bei Suwalki wird der Feind seit gestern erfolgreich angegriffen. In Russisch-Polen
vertrieben deutsche Truppen am 4. Oltober die russische Gardeschützenbrigade aus einer befestigten
Stellung zwischen Opatow und Ostrowiece und nahmen ihr etwa 3000 Gefangene, mehrere Geschütze und
Maschinengewehrr ab. Am 5. Oktober wurden 2½ russische Kavallerie-Divisionen, und Teile der Hauptreserve
von Iwangorod bei Radom angegriffen und auf Jwangorod zurückgeworfen.
Amtlich wird ferner aus Wien gemeldet: Das plötzliche Vordringen der deutschen und ösüierreichischungarischen
Streitkräfte in Russisch-Polen scheint die Russen vollsiändig überrascht zu haben. Sie verschoben
zwar starke Kräfte aus Galizien nach Norden, wurden jedoch bei ihrem Versuche, die Weichsel in der
Richtung nach Opatow zu überschreiten, von den Verbündeten über den Fluß zurückgeworfen. Unsere Truppen
eroberten den russischen Brückenkopf bei Sandomir. In Galizien rücken wir planmäßig vor. Bei Tarnobrzeg
wurde eine russische Infanteriedivision unsererseits geworfen.
Nach einer Petersburger Meldung erfolgte die Abreise des Zaren nach dem Kriegsschauplatze in Galizien
in aller Stille, nur mit einem kleinen Gefolge ohne Hofbeamten. Der Zar will die Truppen nur ermuntern
und anfeuern. — Der Krakauer Czas meldet aus Warschau, daß dort eine ungeheure Teuerung herrscht.
Wegen Kohlenmangels wurde die elektrische Beleuchtung eingestellt. Die russische Staatsbank übersiedelte
neuerlich nach Moskau.
Die russenfeindliche Bewegung in Persien gewinnt immer mehr an Umfang. Auf der russischen Gesandtschaft
in Teheran wurden Drohbriefe gefunden. Bedroblich gestaltet sich die Lage für die Russen in Ardebil
das ziemlich befestigt ist, um den Russen Ungelegenheiten zu bereiten. In Täbris, Kaswin und Serab
sind Befreiungskomitees gebildet worden, die großen Zuspruch erhalten.
Beim Unargebirge kam es zu heftigen Kämpfen mit russischen Grenztruppen. Die Schachsewennen
erhielten die Oberhand. In Südpersien ist die Lage für die Engländer sehr bedenklich.
Der englische Dampfer Arbmount, der am Montag abend mit einer Ladung Getreide von Dover
nach Zerbrügge abging, ist auf eine Mine gestoßen und gesunken.
Dem königlichen Prinzen Max von Sachsen, zurzeit Feldgeistlicher bei der 23. Infanterie-Division,
wurde vom Kaiser das Eiserne Kreuz zweiter Klasse und vom König von Sachsen das Ritterkreuz erster Klasse
des Albrechtordens mit Schwertern verliehen.
Nach einem Erlaß des Großberzogs von Weimar wird die Regierung des Großherzogs bis auf weiteres
der Großherzogin übertragen.
Eine amtliche belgische Mitteilung gibt bekannt, daß Verstärkungen in Antwerpen eingetroffen seien,
wohurch die Streitkraft der belgischen Truppen erhöht würde. Die Bevölkerung müsse aber wissen, daß das
Schicksal des Landes und Antwerpens in diesem Augenblick an der Aisne entschieden wird und daß die Verbündeten
unter diesen Umständen eine Schwächung ihrer Kräfte vermeiden müssen. Die Antwerpener Garnison
sei überdies stark. Ferner gibt der Kommandant von Antwerpen bekannt, daß es jedem Bürger freisteht, die
Stadt zu verlassen, daß er aber, so lange die Belagerung dauert, nicht dorthin zurückkehren darf. Die Stadt
ist schon seit einer Woche ohne Trinkwasser, wodurch eine Gefahr einer Epidemie in den ärmeren Stadttellen
nahe liegt. Sonnabend drang die deutsche Kavallerie von Duffel, das zuerst durch die Artillerie zerstört wurde,
bis Linth durch, aber Sonntag sahen die Deutschen von weiteren Versuchen, die Rethe zu forcieren, ab. Sie
zerstörten die Forte zwischen Senne und Schelde. Die Deutschen legten zwischen die verzweifelt kämpfenden
Truppen Breschen. Die deutschen Schrapnells richteten große Verheerungen an. Der Kampf um Antwerpen
ist heftig. Deutsche Bomben sind gestern schon in die Dörfer Linth und Hove gefallen und deutsche Krieger
warfen Handgranaten. Das Kriegsministerium ist nach Ostende verlegt worden. Gerüchte, daß auch die belgische
Regierung bereits in Ostende sei, sind noch nicht bestätigt. Ein englisches zwischen Linth und Lierre befindliches
Hilfskorps mußte rückwärtige Bewegungen machen.
Aus Kalkutta wird gemeldet, daß infolge des Auftauchens des deutschen Kreuzers Emden Birma
ganz vom Verkehr abgeschnitten ist. Die Handelsschiffahrt ist gänglich eingestellt.
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