Full text : Sozialdemokratie, Christentum, Materialismus und der Krieg.

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möglich.  Die  kritische  Auflösung  ist  insofern  gewiß,  als  sie  die  Frage
nicht  objektiv  betrachtet,  sondern  nach  dem  Fundament  der  Erkenntnis,
auf  dem  sie  gegründet  ist.

Kant  löst  die  Antinomien  durch  die  Subjektivität  der  Erscheinung,
  d.  h.  durch  Unterscheidung  zwischen  Erscheinung  und  dem  Ding
an  sich,  die  er  umgekehrt  damit  beweist  und  erklärt.  Nach  dem  transzendentalen
  Idealismus  ist  alles  in  Raum  und  Zeit  Angeschaute  nur
Erscheinung,  das  als  bloße  Vorstellung  einer  Reihe  von  Veränderungen
außer  unseren  Gedanken  keine  an  sich  gegründete  Existenz  hat.  Die
Gegenstände  der  Erfahrung  sind  nur  in  dieser  gegeben  und  nicht  an
sich  selbst,  sie  existieren  also  außer  derselben  nicht.

In  den  ersten  beiden  Antinomien  widersprechen  die  Behauptungen
  der  Antithesis  nicht  nur  denjenigen  der  Thesis,  sondern  sie  sagen
darüber  hinaus  noch  etwas  Synthetisches  aus.  Dieses  nennt  Kant  die
dialektische  Opposition  im  Gegensatz  zur  analhtischen,  bei  der  der  Gegensatz
  nur  den  Widerspruch  enthält.  In  zwei  dialektisch  einander  entgegengesetzten
  Urteilen  können  aber  alle  beide  falsch  sein,  und  dieses  ist
der  Fall  bei  den  ersten  beiden  Antinomien.  Da  in  den  ersten  beiden
Antinomien  die  Behauptungen  auf  Raum  und  Zeit  basieren,  diese  aber
subjektive  Formen  der  Anschauung  sind,  so  ist  die  Welt  in  bezug  auf
diese  ein  Noumenon,  d.  h.  intelligibel  und  als  solches  selbst  die  Grenze
unserer  Erkenntnis.  Dasselbe  gilt  für  das  unendlich  Kleine.  Die
unendliche  Größe  der  Welt  und  das  unendlich  Kleine  der  Teile  ist  als
Grenzbegriff  unserer  Vernunft  nichts  weiter  als  ein  regulatives  Prinzip
derselben.  .

In  den  beiden  ersten  Antinomien  hat  man  es  mit  einer  Syn—
thefis  von  Gleichartigem  inbezug  auf  sinnliche  und  übersinnliche  Gegenstände
  zu  tun,  in  den  letzten  beiden,  in  den  dynamischen,  liegt  dagegen
eine  von  Ungleichartigem  vor.  Während  jene  es  mit  der  Größe  zu  tun
baben,  befassen  sich  diese  mit  dem  Dasein  und  mit  dem  Verhältnis  der

jekte.

Da  an  einem  Gegenstand  der  Sinne  dasjenige  intelligibel  ist,
was  nicht  selbst  Erscheinung  ist.  so  kann  letzteres,  wenn  es  Substrat  der
Erscheinung  ist,  von  zwei  Seiten  betrachtet  werden  und  zwar  als  intelligibel
  nach  der  Handlung  des  Ding  an  sich  und  sensibel  nach  der  Wirkung
als  Erscheinung  der  Sinnenwelt.  Da  die  intelligible  Seite  unter
keinem  Zeitverhältnis  steht  und  letzteres  das  Kriterium  für  die  Notwendigkeit
  der  Kausalität  ist,  so  fällt  die  Kategorie  der  Notwendigkeit
fort  und  man  kann  auf  Unabhängigkeit  und  Freiheit  schließen,  die  aber
inbezug  auf  den  intelligiblen  Charakter  nicht  erkannt,  sondern  nur
gedacht  werden  kann,  d.  h.  man  kann  wohl  die  Möglichkeit  aber  nicht  die
Wirklichkeit  der  Freiheit  nachweisen.  Inbezug  auf  den  phänomenalen