Die letzten Verständigungsversuche
während sie bei Frankreich und Rußland auf Mißtrauen und
Gegnerschaft stießen. Frankreich betrachtete damals die
Türkei finanziell und wirtschaftlich als seine Domäne; das
Auftaucheneines neuen Wettbewerbers, undgerade Deutschlands
als des neuen Wettbewerbers, wurde deshalb nicht gern
gesehen. Rußland, das auf den Zerfall der Türkei wartete
und für sich den Löwenanteil an der Erbschaft des kranken
Mannes erhoffte, war von vornherein jeder Entwicklung
abhold, die neue Interessen an der Erhaltung der Türkei
zu schaffen und das Osmanische Reich innerlich zu kräftigen
geeignet war. England dagegen, das im Jahre 1878
die Türkei vor der Zertrümmerung gerettet hatte, betrachtete
auch damals noch die Türkei als ein wichtiges Bollwerk
gegen die russischen Ausdehnungsbestrebungen, das
weder von Rußland zerstört, noch von Frankreich unter
seine ausschließliche finanzielle und wirtschaftliche Kontrolle
gebracht werden dürfe. Da der britische Unternehmungsgeist
und das britische Kapital durch die großen
Aufgaben innerhalb des britischen Weltreichs selbst in
jenen Jahren vollauf in Anspruch genommen waren und
wenig Neigung zu einer verstärkten Betätigung in der
Türkei zeigten, ja sogar an das französische Kapital sichtlich
Boden verloren, war der britischen Regierung das neue
deutsche Interesse für die Türkei durchaus erwünscht.
Seine Förderung paßte angesichts des damaligen freundschaftlichen
Verhältnisses Englands zum Dreibund in den
Rahmen der britischen Gesamtpolitik.
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