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ureigenen Volkslieder neben den Bereinsliedern nicht verachtet werden
dürften, hatte ich vollauf erreicht.“
Für ähnliche Versuche kann wohl die unten genannte Lewaltersche
Sammlung als praktisches Hilfsmittel empfohlen werden. Die
treffliche Anregung möge aber unsere jungen Dirigenten
nicht zu der Annahme verleiten, als müßten nun womöglich alle
zu singenden Volkslieder in vierstimmigen Satz gebracht werden.
Natur des echten Volksliedes würde ein solches Uebermaß
von Pflege durchaus widerstreben; man soll sich in der Regel auf
einen leichten zwei- und dreistimmigen Satz, wie ihn das Landvolk
ohne Noten zu finden weiß, beschränken: ja, man sollte die
Lieder ganz unbekümmert um die zweite Stimme üben. Es muß
mehr eine Erholung und Abwechselung zwischen und nach den
anstrengenden Uebungen des Kunstgesanges sein.
Sache der Dorfgesangvereine oder vielmehr ihrer Leiter, vor
allem der Landlehrer, wäre es sodann, etwas für die Reinigung
und Wiederherstellung der verderbten Bolksliedertexte und ihrer
Weisen zu tun. Wie schon angedeutet wurde, trisst man die
Lieder heute vielfach in einem völlig verwahrlosten Zustande an,
so daß es geradezu Vorbedingung der Volksliederpflege sein muß,
dem Ursprunge ihres Textes und ihrer Weise nachzugehen. Bei
dem heutigen Stande unserer Volksliederforschung und ihrer Literatur
ist das auch gar nicht so schwer; sicher sindet man in den
meisten Hällen auf den rechten Weg führende Lesarten im „Deut
schen Liederhort“ (siehe Literatur). Dieser großartige
nationale Schatz sollte jedem Dorfgesangverein leicht erreichbar
sein: jedenfalls dürste er in den Kreisbibliotheken nicht fehlen.
Kleinere Provinzialsammlungen, wie z. B. die Hessischen Volksliederheste
von Lewalter, wird man natürlich bei diesem Wiederberstellungswerke
in erster Linie zu Rate ziehen.
An den Gemeindeabenden darf ein Vortrag über das Volkslied
nicht fehlen, aber es soll dann nicht nur gesprochen, sondern es muß
vor allem auch gesungen werden.
Danneil im „Land“ (1900, Nr. 2): „Auch auß unseren Familienabenden
im Winter sorge ich stets dafür, daß die Volkslieder zu ihrem
Rechte kommen. Da singen sie alle mit Begeisterung mit, und wer die
meisten Volkslieder kennt, steht in gutem Ruf. Es sollte kein Familienabend
im deutschen Land begangen werden, an dem nicht das deutsche
Volkslied seinen festen Platz hat.“
Der Dorsgesangverein, die Gesamtheit, sowie einzelne Solisten
müssen die Lieder aus den verschiedenen Perioden und Richtungen
zu Gehör bringen; es muß den Leuten in dieser praktischen Weise
auch zugleich der Unterschied zwischen einem Gassenhauer und
einem echten Volksliede zu Gemüte geführt werden. Ein höchst
interessantes Beispiel dieser Art lernte der Herausgeber in Berlin
in einem von der Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrich.
tungen veranstalteten Volksunterhaltungsabend kennen: Der