Metadata : Kriegführung und Politik.

110  VI.  A.  Innere  Politik  und  Kriegführung  bis  zur  Revolution  von  oben.

Kräfte  am  Feinde  mußte  folgerichtig  zu  einer  hohen  Anspannung
der  Heimat  führen.  Mittellinien  mögen  in  der  Gedankenwelt  leicht
zu  finden  sein,  nicht  aber  in  der  rauhen  Wirklichkeit,  wo  auch  der
Feind  ein  gewichtiges  Wort  spricht.  In  ihr  schlägt  eine  solche  Strategie
  nur  zu  leicht  in  eine  Strategie  um,  die  die  eigene  Kraft  ermattet.


Für  die  neue  O.  H.  L.  war  das  Ergebnis  der  bisherigen  Gesamtkriegführung:
  eine  stark  gefährdete  Kriegslage  mit  ungenügendem
  Stellungsbau  namentlich  im  Westen;  der  Nichteinsatz  eines
Teiles  der,  deutschen  Streitmacht,  der  schwimmenden  Streitmittel,
in  den  Lebenskampf  des  Volkes;  die  Rückständigkeit  des  Kampfes
gegen  den  Geist  der  feindlichen  Völker;  endlich,  worauf  es  hier
ankommt,  eine  überaus  starke  Beanspruchung  der  Truppe,
Menschen-,  Munitions=  und  Kriegsgerätmangel  und  eine  verhältniosmäßig
  geringe  Inanspruchnahme  der  Heimat  durch  Arbeit  für
den  Krieg,  obschon  auch  sie  naturgemäß  schwer  durch  ihn  litt.  Das
Wirtschaftsleben  war  schwer  krank,  die  Not  groß  und  der  Volksgeist
ins  Wanken  geraten.

Die  Kriegführung  stand  am  29.  August  1916  nicht  vor  der
Wahl,  „Ermattungsstrategie“,  „Vernichtungsstrategie“  oder  sonst
eine  irgendwie  bestimmte  „Strategie“  zu  treiben  oder  nach  Belieben
kleinere  oder  größere  Anforderungen  an  das  Volk  zu  stellen.  Der
Feind  und  die  Rücksicht  auf  die  eigene  Wirtschaftslage  allein  bestimmte
  zwangsläufig  die  Strategie,  die  sie  zu  treiben  hatte,  und
die  auch  weiterhin  für  die  neuen  Männer  nichts  anderes  als  ein
System  der  Aughilfen  war.  Der  Feind  bestimmte  auch  das  Maß  der
Anforderungen,  die  die  neue  O.  H.  L.  dem  Lande  aufzuerlegen  hatte,
wenn  sie  es  vor  den  Zerstörungen  des  Krieges  bewahren  und  ihm
an  der  Front  den  Sieg  erringen  sollte.

Nicht  die  O.  H.  L.,  sondern  die  Feinde  stellten  an  das  deutsche
Volk  wie  schon  vor  dem  Kriege,  ja  wie  in  jedem  Augenblick  seines
Daseins,  nun  nochmals  eindringlich  und  für  lange  Zeit  hinaus  die
Schicksalsforderung,  endlich  alle  Kraft  zusammenzufassen,  um  unter
Aufbietung  aller  Mittel  des  Staates  und  des  einzelnen,  des  Leibes
und  der  Seele  in  verzweiflungsvollem  Ringen  seine  Ehre  und  sein