Full text : Verfassungsgesetze des Königreichs Sachsen mit Anlagen und einem Anhang.

6.  Preußens  Fall  und  Wiederaufrichtung  unter  Friedrich  Wilhelm  III.  163

wegen,  gegen  die  Beschränkung  ihrer  Rechte  zu  protestieren  und  die  Hilfe  der
Russen  anzurufen,  die  auch  sofort  erschienen.  Preußen  hatte  für  die  von
ihm  erbetene  Hilfe  auf  die  Abtretung  von  Danzig  und  Thorn  gerechnet;  da
die  Polen  aber  hiervon  nichts  wissen  wollten  und  selber  die  Feinde  ins  Land
riefen,  versagte  es  seine  Hilfe.  Die  polnischen  Vaterlandsfreunde  brachten
zwar  ein  Heer  zusammen,  das  unter  Kosciuskos  Führung  tapfer  focht,  aber
der  Ubermacht  erlag.  König  Stanislaus  selber  ging  zu  den  Russen  über,
und  der  polnische  Reichstag  führte  die  alte  Verfassung  wieder  ein.  Um  den
Russen  das  Land  nicht  allein  zu  lassen,  ließ  auch  Friedrich  Wilhelm  seine
Truppen  in  Polen  einrücken  und  einigte  sich  dann  mit  Katharina  (ohne  Osterreich)
  zu  einer  zweiten  Teilung  Polens  (1793).  Preußen  erhielt  außer
Danzig  und  Thorn  Großpolen  oder  Südpreußen,  etwa  die  heutige  Provinz
Posen,  ungefähr  1000  Quadratmeilen  mit  1,1  Millionen  Einwohnern.  Voll
Ingrimm  erhoben  sich  die  Polen  unter  Kosciuskos  Führung  abermals.  Die
Preußen  rückten  in  Polen  ein,  schlugen  Kosciusko,  eroberten  Krakau  und
belagerten  Warschan,  das  dann  von  den  Russen  erstürmt  wurde.  Darauf
ließ  Rußland  seinen  bisherigen  Bundesgenossen  plötzlich  im  Stich  und  schloß
mit  Osterreich,  das  für  die  Unterwerfung  des  Landes  nichts  gethan  hatte,
1795  einen  Vertrag  zur  dritten  Teilung  Polens,  wonach  Rußland  wieder
den  Löwenanteil,  Osterreich  Westgalizien  mit  Krakau,  Preußen  den  Rest  mit
Warschau  erhalten  sollte.  Gezwungen  gab  Friedrich  Wilhelm  sich  endlich  mit
dem  ihm  überlassenen  Anteil  zufrieden.  Die  neue  Erwerbung  erhielt  den
Namen  Neuostpreußen  und  Neuschlesien.  «

Preußen  war  unter  Friedrich  Wilhelm  II.  um  2000  Quadratmeilen
und  drei  Millionen  Einwohner  gewachsen;  aber  der  Zuwachs  war,  von  Ansbach-Baireuth,
  Danzig  und  Thorn  abgesehen,  ein  ungesunder  und  gereichte
dem  preußischen  Staate  nicht  zum  Vorteil.  Dazu  war  der  Staat  mit  Schulden
belastet,  sein  Ansehen  gesunken.  Friedrich  Wilhelm  II.  starb  schon  im  Alter
von  53  Jahren.  Ihm  folgte  sein  Sohn  Friedrich  Wilhelm  III.

6.  Dreußens  Fall  und  Wiederaufrichtung  unter  Friedrich
Wilhelm  III.)
1797  -  1840.
1.  Friedric  Wilhelm  III.  und  Tuise  in  den  Tagen  des  Glücka.

Die  Jugend  Friedrich  Wilhelms  (geb.  am  3.  August  1770)  fällt  noch
in  die  Tage  Friedrichs  des  Großen,  der  den  Großneffen  wie  einen  Sohn

 

*)  Man  vergleiche  hierzu:  Oskar  Höcker,  Deutsche  Treue,  welsche  Tücke,
kulturgeschichtliche  Erzählung  aus  der  Zeit  der  großen  Revolution,  der  Knechtschaft
und  der  Befreiung.  4.  Auflage.  Oskar  Höcker,  Mit  Gott  für  König  und
Vaterland!  Aus  den  Tagen  der  Unterdrückung  und  der  Befreiung.  5.  Auflage.
M.  Hübner,  Unter  der  Geißel  des  Korsen-.  Bilder  aus  der  Zeit  der  Erniedrigung
  und  der  Erhebung  Deutschlands  Nach  den  Erinnerungen  seines  Großvaters
erzählt.  2.  Auflage.  Leipzig,  Ferdinand  -  Hirt  &  Sohn.  —  Alle  drei  Werke  sind
reich  illustriert.  „  .  —  ..

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