Metadata : Quellensammlung zur Entwicklungsgeschichte des modernen Staates. Zweiter Band. (2)

II.

Don  der  Revolution  zur  Reichsgründung.
M

ähnlich  wie  nach  1815  folgte  dem  leidenschaftlichen  Kusbruch
  und  dem  Mißerfolg  eine  Resignation.  Wie  damals
der  Glaube  an  die  Macht  der  Dernunft  und  der  Dersönlichkeit
  in  Trümmer  ging,  so  erhielt  nun  der  Glaube,  daß
Ideen  sich  mit  mathematischer  Gesetzmäßigkeit  durchsetzten,
einen  Stoß.  Kber  man  verlor  nicht  mehr  den  Boden  unter
den  Füßen.  Der  Bürgerstand,  der  in  der  DHolitik  unterlag,
errang  auf  wirtschaftlichem  Gebiet  immer  größere  Erfolge.
Sie  bewahrten  ihm  trotz  allem  sein  Selbstbewußtsein.  Wenn
auch  die  Leidenschaft  verflogen  war,  mit  stillerer  Liebe  und
unter  Berüchsichtigung  der  bestehenden  Derhältnisse  lebte  er
seinen  Idealen.  In  ruhiger  Uberlegung  konnte  man  sich
nun  nach  den  Gründen  des  SFehlschlages  von  1848  fragen.
Es  fehlte  an  der  Organisation  des  Bürgertums;  Hrbeiter
und  Bauern  waren  in  ihren  wirtschaftlichen  Interessen  nicht
berüchsichtigt  worden;  der  Gegensatz  von  Dolk  und  Fürsten,
auf  deren  Seite  das  heer  und  das  Kusland  standen,  hatte
schließlich  die  Einigung  Deutschlands  vereitelt.  In  stiller,
langsamer  Arbeit  ging  man  daran,  das  Dersäumte  nachnachzuholen.
  In  Derbänden  mit  wiirtschaftlich-praktischen
Swecken  bahnte  Schulze-Delitzsch  die  Organisation  der  handwerker
  an,  was  in  ähnlicher  Weise  später  Lassalle  und  hirsch-Duncher
  bezüglich  der  Krbeiter  unternahmen.  Schiller-,  Turner--und
  Schützenfeste  suchten  die  nationalen  Ideale  in  lebendigem
Bewußtsein  zu  erhalten,  und  der  von  Bennigsen  gegründete

87