Full text : Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913.

Anhang.  Anlage  Nr.  4.  187

Dienstesverbande,  so  haben  die  Ehefrau  und  die  Kinder  dieser  Ehe
sowie  die  durch  die  Ehe  legitimierten  Kinder  den  oben  unter  lit.  b  erwähnten
  Anspruch  an  jene  politische  Gemeinde,  in  welcher  der  Mann
heimatberechtigt  ist  oder  zuletzt  heimatberechtigt  war.

Art.  15.  Die  Heimat  geht  verloren:

1.  durch  Erwerbung  der  Heimat  in  einer  anderen  bayerischen  Gemeinde;

2.  mit  dem  Verluste  des  bayerischen  Indigenats.

Art.  16.  Kann  die  Heimat  einer  in  Bayern  betretenen  Person
nicht  ermittelt  werden,  so  ist  diese  Person  durch  die  zuständige  Behörde
vorläufig  einer  Gemeinde  zuzuweisen,  welche  dann  so  lange  als  Heimatbehörde
  gilt,  bis  die  wirkliche  Heimat  festgestellt  oder  eine  neue  erworben
worden  ist.

Hierbei  ist  nach  folgenden  Grundsätzen  zu  verfahren:

à)  Findelkinder  sollen  ihre  vorläufige  Heimat  in  jener  Gemeinde
haben,  in  deren  Gemarkung  sie  gefunden  wurden;

b)  andere  heimatlose  Personen  sind  derjenigen  Gemeinde  zuzuweisen,
  in  welcher  sie  sich  während  der  den  Heimatrecherchen  unmittelbar
  vorausgehenden  fünf  Jahre  zuletzt  mindestens  6  Monate
freiwillig  und  ununterbrochen  aufgehalten  haben;

c)  wenn  die  unter  a  und  b  erwähnten  Voraussetzungen  nicht  gegeben
  sind,  insbesondere  auch  dann,  wenn  der  Platz,  wo  ein
Findelkind  gefunden  wurde,  keiner  Gemeindemarkung  angehört,
so  ist  eine  Gemeinde  des  Verwaltungsbezirkes,  in  welchem  das
Kind  gefunden  oder  der  Heimatlose  zuletzt  betreten  wurde,  als
vorläufige  Heimat  zu  bestimmen.

Bundesangehörige,  welche  in  den  bayerischen  Staatsverband  aufgenommen
  worden  sind,  besitzen,  so  lange  sie  nicht  eine  wirkliche  Heimat
nach  Maßgabe  des  Gesetzes  erworben  haben,  die  vorläufige  Heimat  in
jener  Gemeinde,  in  welcher  sie  sich  zur  Zeit  ihrer  Aufnahme  niedergelassen
  hatten.

Beamte  und  öffentliche  Diener,  welche  gemäß  §  9  des  Gesetzes
über  die  Erwerbung  und  den  Verlust  der  Bundes=  und  Staatsangehörigkeit
  vom  1.  Juni  1870  (jetzt  §§  14,  15  des  Reichs=  und  Staatsangehörigkeitsgesetzes
  vom  22.  Juni  1913)  die  bayerische  Staatsangehörigkeit
  erlangten,  besitzen,  so  lange  sie  nicht  eine  wirkliche  Heimat  erworben
haben,  die  vorläufige  Heimat  in  der  Gemeinde  ihrer  Anstellung  und,
wenn  der  Ort  der  Anstellung  nicht  in  Bayern  gelegen  ist,  in  derjenigen
Gemeinde,  in  welcher  die  nächsthöhere,  in  Bayern  befindliche  Dienstbehörde
  des  Angestellten  ihren  Sitz  hat.