Full text : Bismarck und das päpstliche Rom.

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begünstigte,  einen  Riegel  vorzuschieben.  Bismarck  war  und
blieb  deswegen  nach  wie  vor  ein  entschiedener  Anhänger  der
konfessionellen  Volksschule.  Es  sollte  indes  kein  Zweifel  darüber
bestehen,  daß  die  Schule  vom  Staate  und  nicht  von  der  Kirche
ressortiere.

Dies  genügte  indes  der  römischen  Phalanx,  um  Sturm  zu
läuten.  Nimmt  das  römische  Kirchenrecht  doch  die  Schule  ein
für  allemal,  und  dies  zwar  in  ihrem  vollen  Umfange,  auf  allen
Stufen,  mit  Einschluß  der  Hochschulen,  für  die  römische  Papstkirche
  in  Anspruch!  Indem  Jesus,  der  Gekreuzigte,  in  Gemäßheit
  der  Evangelien,  das  „Lehramt“  seinen  Jüngern,  insbesondere
dem  Apostelfürsten  Petrus,  übertragen  hätte,  habe  er  dieses
seinem  Stellvertreter  auf  dem  Stuhle  Petri,  dem  Dreifachgekrönten
im  Vatikan,  für  immer  zugesprochen.  Vor  diesem  ‚Gottes-Gesetz‘
und  ‚Recht‘  hat  der  Staat  einfach  die  Segel  zu  streichen.  Er  ist
höchstens  dazu  da,  der  ‚Kirche‘,  und  es  gibt  nur  die  eine,  die
römische  Kirche,  das  ihr  zustehende  Recht  zu  sichern  und
erforderlichenfalls  die  Geldmittel  zur  Verfügung  zu  stellen.  Dies
wagten  die  parlamentarischen  Vorkämpfer  der  Ecclesia  militans
nicht  direkt  auszusprechen.  Dafür  hieß  es  einmal  wieder:  die
„Religion‘‘  ist  in  Gefahr,  das  ‚‚Christentum‘‘  steht  in  Frage,
der  Staat  will  nur  noch  Heiden  und  Ungläubige,  Gottlose  heranziehen,
  die  Schule  den  Atheisten  und  Materialisten,  dem  ‚,‚Liberalismus‘‘
  ausliefern!

Die  ‚„katholische‘‘  Volksseele  wurde  so  prompt  ins  Kochen
gebracht,  daß  der  Abgeordnete  Dr.  Peters  alleinnur  ausSchlesien
  gegen  500  Protestpetitionen  gegen  den  ‚‚gottlosen‘‘  Gesetzentwurf
  mit  über  80  000  Unterschriften  erhielt  und  August
Reichensperger  unterm  ı.  Februar  1872  die  geehrten  Einsender
von  Petitionen  an  seine  Adresse  bitten  mußte,  ihn  zu  entschuldigen,
  wenn  er  den  Empfang  ihrer  Einsendungen  infolge  ihrer
Unzahl  nicht  bestätigen  könne.  Jeder  einzelne  der  römischen
Bischöfe  in  deutschen  Landen  richtete  eine  gleichlautende  Vorstellung
  an  das  Herren-  und  Abgeordnetenhaus,  in  welcher
insbesondere  betont  wurde,  daß  die  von  Staatswegen  mit  der
Schulaufsicht  beauftragten  Priester  möglicherweise  mit  der
Kirche  und  ihrem  Gewissen  in  Konflikt  versetzt  werden  könnten.
Der  vorliegende  Gesetzentwurf  sei  ein  wesentlicher  Schritt  auf
dem  Wege  zur  konfessionslosen  Schule  und  für  die  christliche
Erziehung  und  Bildung  der  Jugend  in  hohem  Grade  gefährlich.