Full text : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

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suige  Gebiet  von  Weimar  teils  der  erneinischen,
  teils  der  albertinischen  Linie
überwiesen.  Durch  die  Wittenberger  Kaitulation
  1547  ward  Weimar  Hauptadt
  der  ernestinischen  Lande,  aber  bereits
  1564  verlegte  Herzog  Johann  Friedrich
  II.  seinen  Sitz  n“  Gotha.  Sein
Bruder  Johann  Wilhelm  begründete  durch
die  Teilung  von  1572  die  ältere  weimaris
  2  Linie.  Sein  Sohn  Johann  (1573
bis  1605)  ist  der  Stammvater  der  spätern
Ernestiner,  dessen  Sohn  Wilhelm  der
Ahnherr  der  heutigen  Großherzöge  von
Sachsen-Weimar.  Nach  Wilhelms  Tod
(105  )  entstanden  bei  der  Teilung  von
672  die  Linien  Sachsen-Weimar,
Sachsen-Eisenach  und  Sachsen-Jena.
  Nachdem  die  beiden  letztern
1741  und  1690  erloschen  waren,  vereinigte
  Ernst  August  von  Sachsen-Weimar
  (1728—48)  alle  Besitzungen  dieses
Zweigs  der  Ernestiner.  Weitern  Teilungen
  war  durch  die  Einführung  des
Erstgeburtsrechts  1719  vorgebeugt  worden.
  Nach  der  kurzen  Regierung  ves  Herzogs
  Ernst  August  Konstantin  (1748—58
so  gte  sein  unmündiger  Sohn  Karl  Augu
(1758—1828,  s.  Karl17),  bis  1775  unter
Vormundschaft  seiner  Mutter  Anna  Amalia.
  Unter  Karl  August,  an  dessen  Hof
Goethe,  Schiller,  Herder  und  Wieland
weilten,  erlangte  Weimar  als  Mittelpunkt
der  litterarischen  Bewegung  in  Deutschland
  eine  welthistorische  Bedeutung.  Durch
die  Teilnahme  am  Kriege  gegen  Frankreich
1806  war  der  Fortbestand  des  Herzogtums
in  Frage  gestellt,  und  nur  schwer  ließ  sich
der  Zorn  Napoleons  beschwichtigen;  natürlich
  mußte  der  Jhos  dem  Rheinbund  beitreten.
  Der  Wiener  Kongreß  1815  gewährte
  dem  Herzog  eine  bedeutende  Gebietserweiterung
  und  die  Würde  eines
Großhherzo
Schon  1816  verlieh  Karl  August,  treu
dem  gegebenen  Versprechen,  seinem  Land
eine  freisinnige  Verfassung;  die  damals  gewährte
  Preffreiheit  miufte  er  jedoch  infolge
der  Karlsbader  Beschlüsse  1819  aufheben.
Sein  Nachfolger  Karl  Friedrich  (1828—
1805)  führte  ein  neues  Strafgesetzbuch
(13  und  eine  Landgemeindeordnung
1840)0  ein,  konnte  jedoch  nicht  hindern,

Sächsische  Kaiser  —  Sächfischer  Prinzenraub.

daß  sich  1848  die  von  der  Februarrevolution
  ausgehende  Bewegung  auch  seinem
Land  mitteilte.  Er  berief  den  Führer
der  Opposition,  v.  denbugg,  ins  Minierium

  und  willigte  in  die  Vereinigung
er  Domänen  mit  dem  landschaftlichen
Vermögen  gegen  Gewährung  einer  Zivilliste.
  Ein  neues  Wohl  esetz  mit  direktem
Wahlsystem  wurde  17.  Nov.  1848  erlassen
und  1850  indie  Verfassung  aufgenommen.
Nachdem  der  Landtag  eine  Reihe  von  Reformen,
  namentlich  in  der  Rechtspflege,
angenommen,  trat  seit  1852  eine  Reaktion
ein,  welche  zunächst  zur  Abänderung  des
Wahlgesetzes  führte.  Als  Karl  Friedrich  8.
Juli  1853  starb,  folgte  ihm  sein  Sohn  Karl
Alerander  (s.  Karl  18).  Dieser  entließ
war  den  Märzminister  v.  Wydenbrugk,
füyrte  aber  die  Regierung  in  gemäßigt  liberaler
  Weise  fort.  dem  Konflikt  zwischen
  Osterreich  und  Preußen  schloß  sich  S.
dem  letztern  Staat  an,  schied  5.  Juli  1866
aus  dem  Deutschen  Bund  aus  und  trat
in  den  Norddeutschen  Bund  und  1871  ins
Deutsche  Reich  ein.  Die  Militärkonvention
  zwischen  S.  und  Preußen  vom  22.
Febr.  1867  wurde  maßgebend  für  die  übrigen
  thüringischen  Staaten.  1872  wurde
ie  Trennung  der  Schule  von  der  Kirche
bewirkt,  1874  ein  neues  Wahlgesetz  erlassen
  und  eine  Landessynode  berufen.

Sächfische  Kaiser,  die  deutschen  Könige,
welche  außer  Heinrich  I.  auch  römische  Kaiser
  waren:  Heinrich  I.,  Otto  I.,  Otto  II.,
Otto  III.  und  Heinrich  II.  (919—1024),
aus  sächsischem  Fürstengeschlecht,  Nachkommen
  eines  Grafen  Ludolf  (daher  auch
Ludolfinger);  s.  die  einzelnen  Artikel
und  Deutsces  Reich.

Sächfischer  Prinzenraub,  die  Entführung
  der  sächsischen  Prinzen  Ernst  und
Albrecht,  der  beiden  Söhne  des  Kurfürsten
Friedrich  des  Sanftmütigen,  durch  Kunz
v.  Kaufungen  mit  einigen  Rittern  aus
dem  Schlot  zu  Altenburg  in  der  Nacht
vom  7.  auf  8.  Juli  1455.  Zu  dieser  That
wurde  der  Ritter  Kunz  aus  Rache  bewogen,
  weil  ihm  der  Kurfürst  einige
Güter  im  Meißnischen  eatzogen.  hatte.
Die  Entführer  hatten  sich  alsbald  g8
trennt;  Prinz  Albert,  welcher  sich  bei
Kunz  befand,  entdeckte  sich  unterwegs