thumbs : Bismarck und das päpstliche Rom.

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„katholische  Abteilung‘‘,  die  man  seiner  Zeit  im  preußischen
Kultusministerium  errichtet  hatte,  um  im  Kontfliktsfalle  die
Rechte  des  Staates  den  maßlosen  Ansprüchen  des  römischen
Stuhles  gegenüber  wirksam  wahrzunehmen,  habe  allgemach  ihre
Aufgabe  umgekehrt  darin  gesehen,  die  Ansprüche  der  römischen
Papstkirche  dem  preußischen  Staate  gegenüber  zu  verfechten,  habe
nicht  einmal  beanstandet  in  den  halbpolnischen  Gebieten  der
östlichen  Provinzen  das  Polentum  auf  Kosten  des  Deutschtums
zu  fördern!  In  seiner  Abneigung  gegen  jeden  inneren  Kampf
und  gegen  jeden  Streit  der  Art  (will  heißen:  mit  der  Kirche)
habe  er  diesen  (mißlichen)  Frieden  mit  allen  seinen  Nachteilen  dem
Kampfe  vorgezogen,  sich  diesem  seinerseits  versagt  zu  einer
Zeit,  da  er  von  anderen  Seiten  vielfach  dazu  gedrängt  wurde.
Es  habe  sogar,  infolge  der  Haltung  Italiens  während  des  französischen
  Krieges,  da  Garibaldi  mit  seinen  Freischaren  auf  französischem
  Boden  gegen  Deutschland  kämpfte,  einen  Augenblick
gegeben,  da  er  eine  Verständigung  mit  dem  römischen  Stuhle
angestrebt  habe.  Er  wäre  damals  persönlich  sogar  nicht  unbedingt
abgeneigt  gewesen,  die  Paragraphen  der  preußischen  Verfassung,
welche  den  Kirchen  eine  so  weitgehende  Selbständigkeit  einräumten,
  in  die  Reichsverfassung  zu  übernehmen.  Sogar  die  Gründung
der  Zentrumsfraktion  hätte  ihm,  da  der  frühere  Bundestagsgesandte
  v.  Savigny  dabei  war,  keine  allzu  große  Besorgnis  eingeflößt.
  Erst  als  er  gewahr  wurde,  welche  Fortschritte  das  Polentum
  mit  Hilfe  der  römischen  Kirche  gemacht  hatte,  daß  selbst
in  Oberschlesien  eine  polnische  Partei  erstand,  wie  das  Zentrum
sich  mit  Hilfe  der  priesterlichen  Agitation  und  einer  ‚„hetzenden
Kaplanpresse‘'‘,  wie  sie  über  ganz  Deutschland  sich  zu  verbreiten
anfing,  zu  einer  römischen  Phalanx  ausgestaltete,  einem  römischen
  Generalstabe  gleichkam,  der  darauf  aus  war,  sämtliche
Römisch-Katholische  unter  dem  päpstlichen  Banner  zu  vereinigen,
so  daß  die  Weisungen  aus  dem  Vatikan  ihnen  auch  für  ihr
politisches  Verhalten  maßgebend  wurden,  im-  preußischen
Staate  ein  staatlicher  Dualismus  zur  Geltung  zu  kommen  drohte,
der  einem  Staate  im  Staate  gleichkam,  hatte  er  gemeint,  mit
Abwehrmaßregeln  nicht  länger  zögern  zu  dürfen.  Stand  doch
geradezu  die  Existenz  des  Staates  auf  dem  Spiele!

Unter  dem  Eindruck  dieser  seiner  fulminanten  Reden
stimmte  schließlich  auch  das  preußische  Herrenhaus  unterm
24.  April  1873  für  die  Verfassungsänderung  und  am  ı.  Mai  1873