1237 quieksen — quitt.
Quitte — Quittung. 1238
quiekend sprechen: gott grüsz euch, quiekte der kleine morgen macht dein leben quitt (nimmt es) Körner
Hauffg9, 25.— guieksen, verstärkt, wiederholt quieken,
Iterativbildung zu diesem Adelung; ebenso quietschen,
aus quickizen hervorgegangen (wie blitz aus blikize,
blicze, s. d.): ich quitsche, pipo, pipio Steinbach;
das quietschen eines ferkels; die thür quietscht; reichthum
an kreischenden, quietschenden, lispelnden und
schnarrenden naturlauten Heyse 5, 80.
Quillen, s. quellen.
Quirl, m. Gerät, bestehend aus Stab und Seitenhölzern
im Kranze darum gesetzt, um eine flüssige Masse
in kreisende Bewegung zu setzen; ahd. dwiril, mhd. twirel,
twir!l; zu dem alten Verbum dweran, twern herum
drehen, rühren gehörig, mit einer Umformung des An-Toni?,
7.
Quitte, f. apfel= oder birnenförmige Frucht des
Quittenbaumes, malum oder p'r##m egdonium, ahd.
kutina, chutina, chotin, spät auch quidden, mhd. küten,
kütten, kitten, und quitene, quiten, verkürzt zu quice,
quidde, Lehnwort aus dem griech. kydönia (Frucht aus
Kydon), volksmäßig verschieden entstellt: cydomn#sc, kutten,
kuten, kute, kutte, küttin, kütten, küten, kittin, kitte,
quedeme, quedten, quetde, quitdam, quittem, quitten
u. a. Dief.; wovon die Form kutten dem alemannischen
Sprachgebiet angehört und sich mundartlich bis
heute erhält: weintrauben, mandeln, kütten Fischart
podagr. Trostb. CGs; küttenapkel Herold Ee 1094
lautes, die schon spät mhd. beginnt: manubium, pan (neben quittenaplel 108 b); quitte hat sich in der Schriftkrum,
pila spagutas twirl, twirel, twierel, tuirl, quirrel, 3 sprache festgesetzt; Name der Frucht: quitte cdo###
querrel Dief.; quirl, rudscnta, rührstock Schottel;
die Form querl geht daneben lange her: spillbäumene
löstel, und wachholderne querl' Voß Luise 1, 228; im
malum Schottel; ich habe doch so viel vernunft,
dasz ich weisz, dasz holzäpfel keine quitten sind Wieland
Sylv. 3, 3; werden in apfel- und birnquitten
Vergleiche: hager, wie ein quer! Lessing der Eremit unterschieden (nach ihrer Gestalt) oecon. Lex. 1950; im
113; jetzt ist nur quirl schriftgemäß. Im Forstwesen Vergleich: gelb wie eine quitte, vgl. quittengelb; für
der Jahresschoß am Nadelholze; in der Pflanzenkunde
Kranz von Zweigen oder Blüten, die einen Stamm
oder Stengel umstehen. — gquirlen, mit dem Quirl
arbeiten, sich wie ein Quirl bewegen; als Küchenwort
transitiv, mit dem Quirl einrühren, ältere Nebenform
qduerlen: eyer qduerlen, eyer in die brühe querlen Abelung;
frei: es keucht der ruderknecht und quirlt zu
schaum die wogen Schiller Dido 105; — intransitiv
und allgemein, in kreisender Bewegung sein: das zischt
und quirlt! Goethe Faust I; dasz ernst und scherz
in éinem topfe quirlt Grillparzer 7, 57; im hause
herum querlen Adelung; sie quirlt den ganzen tag
auf der strasze umher Freytag Handschr. 1, 38.
OQnitschern, für zwitschern (s. d. : wie die alten sungen,
so duitschern auch die jungen Stein bach; — anderes
quitschern, wohl als Iterativbildung zu quietschen gehörig:
oft glaubt die kutsche er zu hören, ihr quitschern
in des weges kies Droste 211.
Quitt, frei, ledig, los; mhd. quit und auit, Lehnwort
aus gleichbed. franz. quitte, das aus lat. quietus
im Sinne von befriedigt, zufrieden stammen soll; quit,
solutus, liberatus Schottel, nur als prädicatives Adj.
entwickelt; in Rechtsformeln mit verwandten Begriffen
verbunden, quitt und frei, los, ledig; ich zehle dich
nunmchr aqvitt. frei, lelig und los Stieler; auch in
Zusammensetzung: 2el ich dich quitledig gar HSachs
Fastn. Sp. 2, 79; in der älteren Rechtsspr. quitt machen,
zählen, sagen, erklären, schelten Frisch, als schon zu
Gunsten von quittieren veraltend, später nicht mehr;
allgemein, bis auf heute, guitt sein mit Genitiv, ledig,
frei von einer Verbindlichkeit: so bistu dieses eides quit
1. Mos. 24, 8; scines eides quitt und ledig zu sein
Schiller 6, 250; nun bin ich dieses handels quitt
Lenau 119; dafür auch von seiner schuld, pflicht
quitt sein Steinbach; ledig von Bedrängendem: bisz
aller sorgen quit Wickram Goldf. Nb; waren sie
aller ihrer leiden quitt Hebel 3, 133; ohne Gen., quitt
sein mit einem, gegenseitig nichts mehr zu fordern haben:
wir sind quitt Schiller Kindsmörderin; jetzt, denk
ich, wären gnädiger herr und hollunke quitt Fiesko
3, 4; mit dem leben bin ich quitt Lenau 18; — in
die Bed. verlustig übergegangen: dann seid ihr eures
schlieszeramtes quitt Schiller Wallenst. Tod 4, 7;
aller hoffnung quitt Goethe Tagesh. 1806; auch quitt
werden cines dinges, frei, los werden: um der last
des aufspeicherns quitt zu werden Immermann
Münchh. 1, 130; da werde ich ja gleich der schusse
quitt 152; quitt machen, lösen: der tod macht quitt
Schiller Fiesko 2, 14; ungewöhnlich: der nächsto
"
l
benBautmaukkargembodenwachsendiequittennicht;
spalier-, 2wergquitten. — Zusammensetzungen: Quittenapfel,
m. apfelförmige Quitte; Name einer gelben Apfelsorte.
— Quittenbaum, m. Baum der Quitten trägt,
mnalus oder pirus eidonia. — Onittenbrot, v. mit
Zucker eingekochtes und getrocknetes Mus von Quitten:
ein stückgen qduittenbrodt. stärkt den magen Gellert
Loos 5, 6. — auittengelb, gelb wie eine Quitte: auittengelbe
butter Opitz 1, 138; der wangen schwärz ist
qwittengeel beloffen Schwieger geharn. Venus 151;
Farbe des Argers: ich will mich ärgern, bis ich
quittengelb werde Kotzebne Pagenstr. 5,3. — Quittenmus,
u., -saft, m. Mus, Saft von Quitten.
Quittieren, gquitt, frei sprechen; seit 15. Ih. an Stelle
von quitt sagen, sprechen u. d. erscheinend: quitare
quitten und quittiern neben quit machen, sagen Dief.;
in älterer Spr. mit persönlichem Acc.: ich qvittire dich
wegen dieser sache, Rac camsa te absokvo, einen uber
eine schuld qvittiren, solm#fam pecunfan prostere
Stieler; in der Bed. des Entlassens, Fortschickens:
ich qvittire dich nicht, du schenkest mir denn was
ebd., qvittire doch nur den menschen ebd.; des Fortgehens:
er hat seinen herren qvittiret ebd.; mit sächlichem
Acc., — verlassen: die arbeit, sein amt quittiren
Stein ach; als ich damals quittirte den krieg
Tieck Octav. 284: wenn ich nicht den geistlichen
stand quittire C F Meyer Jenatsch 72; = als empfangen
bekennen: quittieren, quitanz gäben, ledig und losz
sprächen, accepfo serre, acceptam ferre pecuniom
Maaler, in der neueren Spr. die Hauptbed.: eine
summe quittiren, den Empfang bescheinigen Adelung;
eine rechnung, schuld, forderung quittieren; quittierte
rechnungen, wechsel; frei: ich gab ihm . . noch einen
kaiserdukaten, quittirte in gedanken schon (betrachtete
ihn als verloren) Seume Spaz. 1, 123; ausstreichen
im Kalender: die mittwoch ist quttirt Freytag Soll
2, 377.— Qnittung, k. Handlung des Qunittierens, Bescheinigung
über Empfangenes (Bildung von der kürzeren
Form quitten neben aquittieren s. d.): cpocc, quikaneia,
quittung, quittumb Dief.; quittung vor das
bezahlte geld, eine besiegelte und unterschriebene quittung
Steinbach; dasz er über diesen vorschusz nicht
einmal quittung von mir annehmen wollen Rabener
3, 69; frei: zur beruhigung meines gewissens brauche
ich immer die quittung Ilhrer ablehnung Bismarck
Red. 12, 110; von hochstehenden personen erwartet
man, gleichsam als quittung für die unbegrenzte verehrung,
ein doppelt peinliches innehalten gewisser
etiquettevorschrilten Wildenbruch Nov. 9.
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