Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1889. (23)

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  La  belle  Mlliance.

(18.  Sunt  1815.)

Unerwartet  verließ  Napoleon  Elba  und  Ianbete  am  1.  März  1815
in  Frankreich,  wo  ihn  Heer  und  viel  Volk  mit  Jubel  aufnahmen.  Am
20.  März  zog  er  in  Pari8  ein.  Der  73jährige  Blücher  mit  feinen
treuen  Preußen  war  mieder  woran,  dann  fam  au  Wellington  mit
jeinen  Engländern.  Am  16.  uni  wäre  bei  Ligny  der  alte  Held,  als
fein  Pferd  ftürzte,  bald  gefangen  oder  getöbtet  worden.

Am  18.  Juni  griff  Napoleon  beim  Dorfe  Waterloo  in  der  Nähe
von  Brüffel  mit  feiner  ganzen  Macht  die  Engländer  an,  und  wollte  fie
eben  jo  vernichten,  wie  er  Blüchere  Armee  vernichtet  glaubte,  der  er
den  Marihall  Grouchy  nachfandte,  mit  dem  Befehl:  „fie  in  den  Nheim
zu  jürgen!"  Wellington  hatte  den  vom  Sturz  noch  nicht  hergeftellten
Blücher  um  zwei  Heerhaufen  zur  Unterftübung  gebeten,  und  al3  man
in  der  Nacht  den  Tchlafenden  Feldmarfchall  anfwedte,  antwortete  er:
„Nicht  mit  zwei  Haufen,  fondern  mit  dem  ganzen  KHeere  will  ich  fommen,
  und  wenn  bie  Sranzofen  nicht  angreifen,  jo  wollen  wir  fie  angreifen.”
  Dann  legte  er  fi)  wieder  Hin,  und  al®  er  am  Morgen
früh  gleich  mieber  auf’8  Pferd  wollte,  hielt  ihn  der  Wundarzt  zurüd,
um  ihn  noch  einzyreiben.  „Ach  was,”  rief  er,  „noch  erjt  fchmieren!
Laßt’8  nur  fein!  Db  ich  heute  balfamirt  oder  unbalfamirt  in  die  andere
Welt  gehe,  wird  wohl  auf  eind  berausfommen”  —  und  febte  fi)  troß
jeiner  Schmerzen  wohlgemuth  zu  Pferde.  CS  Hatte  Die  ganze  Nacht
ftarf  geregnet,  und  regnete  noch  immer  fort.  Da  fprach  Der  Brei
heiter  zu  feinen  Kriegern:  „Siehe  da,  unjer  Bundesgenofje  von  Der
Rabbah!  Da  Iparen  wir  dem  König  wieber  viel  Pulver!”  Und  ala
er  fein  „Vorwärts,  Kinder!”  Hören  Tieß,  da  jubelten  Alle:  „E3  geht
wieder  vorwärts!"  Aber  von  Yangem  Regen  war  der  Boden  ganz
durchweicht,  Die  Bäche  angefchwollen,  jede  Vertiefung  mit  Waffer  gefüllt;
  Die  Wege  wurden  immer  jchlechter.  Das  Fußvolf  und  die  Reiterei
fonnten  nur  mit  Mühe  vorwärts;  das  Gefchüß  vollends  machte  unjägliche
  Beichwerde.  Blücher,  in  Iebhafter  Sorge,  fein  gegebene®  Wort
zu  Iöfen,  rief  anfeuernd  fein  „Vorwärts,  Kinder!”  in  Die  Neihen  der
Krieger.  Diefe  erlagen  faft  den  Mühjfeligfeiten.  Gablich  entitand  beim
Eintritt  in  einen  jehlammigen  Hohlmweg.ein  Gemurmel:  „C8  geht  nicht
mehr!  e8  ift  unmöglich!”  Da  rebete  Bücher  die  Schaaren  mit  tiefiter
Bewegung  und  Kraft  an:  „Rinder,  wir  müffen  vorwärts!  63  heißt
wohl,  e8  gehe  nicht;  aber  e8  muß  gehen!  -ic)  hab’  e8  ja  meinem  Bruder
Wellington  veriprochen.  Sch  Hab’  e8  verfprochen;  hört  Ihr  wohl?
hr  wollt  doch  nicht,  Daß  ich  wortbrüchig  werde?”  Diefes  Wort  erregte
und  helebte  Alfe,  und  mit  neuer  Kraft  ging’8  rüftig  vorwärtd,  jo  Daß
man  menigftend  nach  4  Uhr  auf  dem  Schlachtfelde  eintreffen  Eonnte.

Inzwiichen  wurde  Wellington  Hart  bebrängt,  Napoleon  Hatte  e8
Morgens  froh  ausgerufen:  „Ha,  nun  habe  ich  fie,  Diele  Engländer!  *
Sr  oronete  Alle8  auf  der  Anhöhe  von  Belle-Alliance  (Schön-Bund)
zur  Entieheidbungsfählacht.  130,000  Mann  ftürzten  um  Mittag  fie