Metadata : Enzyklopädie der Rechtswissenschaft in systematischer Bearbeitung. Dritter Band. (3)

Zivilprozeß-  und  Konkursrecht.  351

gleichsverfahren  im  Konkursprozeß  sich  als  Teile  des  Vollstreckungs=  und  Konkursverhältnisses
diesem  von  selbst  angliedern.  Die  Form  des  Antrags  ist  schriftliche  Eingabe  oder  Erklärung
zu  Protokoll  des  Gerichtsschreibers  (§#  647,  947  8PO.).

Auch  hier  ist  ein  Fortschreiten  durch  Rechtshandlungen  gegeben,  nur  nicht  durch  Rechtshandlungen
  der  Parteien,  sondern  der  Beteiligten  und  des  Gerichts.  Auch  hier  haben  die  Tatsachen=
  und  Beweisvorträge  eine  Bedeutung,  auch  sie  sind  Rechtshandlungen,  denn  Tatsachen
und  Beweise  werden  dadurch  dem  Richter  zu  Recht  und  zur  Pflicht  unterbreitet  (vgl.  §§  653,
952,  968  B  PO.);  und  im  Aufgebotsverfahren  hat  die  Glaubhaftmachung  eine  besondere
Bedeutung  (§5#5  952,  980,  985,  988,  1007),  insbesondere  auch  die  Versicherung  an  Eides  Statt
(5952  38PO.).  Weitere  Rechtshandlungen  der  Parteien  sind  auch  hier  die  Anträge,  so  der  Antrag
(„Zustimmung"),  den  zu  Entmündigenden  in  eine  Heilanstalt  zu  verbringen  (§  656),  so  die  den
Beteiligten  zustehenden  Beschwerden  (§5  663,  680;  947  mit  567  8  PO.),  so  im  Aufgebotsverfahren
der  Antrag  auf  das  Ausschlußurteil  (§§  952,  954),  auf  Zahlungssperre  (§  1019);  so  der  den  Beteiligten
  zustehende  Widerspruch  im  Verteilungsverfahren  (Is  876  f.  ZPO.,  §+  115  Z  VG.,
*  158  KO.).

Rechtshandlungen  des  Gerichts  sind  auch  hier  vor  allem  Beweiserhebungen  und  Beschlüsse;
Urteile  gibt  es  in  diesem  Verfahren  nicht  (ausgenommen  das  Ausschlußurteil  im  Aufgebotverfahren).

Auch  hier  kommen  Rechtslagen  vor;  so  namentlich  im  Aufgebotsverfahren  durch  Ablauf
der  Aufgebotsfrist,  so  im  Verteilungsverfahren  durch  widerspruchslosen  Ablauf  des  Termins,
im  Konkursprüfungsverfahren  durch  Ablauf  des  Prüfungstermins  und  Eintragung  in  die  Konkurstabelle
  (was  Einfluß  auf  den  Konkurs  wie  auf  die  Verhältnisse  des  Gantschuldners  hat)  usw.

Von  Rechtsnachfolge  in  der  Parteirolle  kann,  da  es  hier  keine  Parteien  gibt,  nicht  die
Rede  sein,  und  eine  Rechtsnachfolge  in  die  Stellung  der  Beteiligten  im  Entmündigungsverfahren
kann  es  nicht  geben;  dagegen  im  Verteilungsverfahren  und  im  Aufgebotsverfahren:  im  Verteilungsverfahren
  gelten  die  Grundsätze  der  Zwangsvollstreckung,  im  Aufgebotsverfahren  aber
tritt  die  Rechtsnachfolge  dann  ein,  wenn  es  sich  um  Vermögensrechte  handelt;  handelt  es  sich
um  Todeserklärung,  dann  kann  an  Stelle  eines  wegfallenden  Antragstellers  ein  anderer  Interessent
  nachfolgen,  ebenso  wie  jeder  andere  Interessent  neben  dem  Antragsteller  eintreten
kann  (8  967  B3PO.).  «

Auch  hier  ist  der  Prozeß  nichtig,  wenn  die  Gerichtsbarkeit  feblt.  Eine  Nichtigkeitsklage
dagegen  gibt  es  hier  nicht;  was  durch  sie  geltend  zu  machen  wäre,  ist  in  der  Weise,  in  welcher
man  die  Beschwerungen  gegen  die  Beschlüsse  vorbringt,  geltend  zu  machen,  wovon  später  noch
die  Rede  ist  (S.  403).  Ebenso  gibt  es  hier  keine  Restitutionsklage,  sondern  auch  hier  muß  auf
die  angegebenen  Mittel  verwiesen  werden;  nur  daß  in  beiden  Fällen,  soferm  es  sich  um  die
sofortige  Beschwerde  handelt  (§  663  Z  PO.),  die  Frist  entsprechend  verlängert  werden  kann

&  577  3O..

Viertes  Buch.
Prozeß  mit  Verfahrensmehrheit.

I.  Allgemeines.

§  7..  Es  gibt  Fälle,  wo  ein  Prozef  besteht,  dieser  aber  in  eine  Mehrheit  von  besonderen
Verfahrenseinheiten  zerfällt;  wovon  jedes  Verfahren  eine  gewisse  Selbständigkeit  hat,  insbesondere
  auch  eines  Parteianstoßes  bedarf.

Der  1.  Fall  ist  der  eines  bedingten  Urteils;  ist  dieses  rechtskräftig,  so  ist  das  Verfahren
zu  Ende,  nicht  der  Prozeß.  Jetzt  muß  noch  das  Eidesverfahren  in  Gang  gesetzt  werden;  der
eine  Teil  muß  den  anderen  zum  Eidestermin  laden,  worauf  der  Eib  geleistet  oder  verweigert
und  darüber  verhandelt  wird;  Folge  der  Verhandlung  ist  das  Läuterungsurteil,  das  das  bedingte
  Urteil  zu  einem  unbedingten  macht.

Hier  handelt  es  sich  darum,  eine  urteilsmäßige  aufschiebende  Bedingung  zum
Austrag  zu  bringen;  dagegen  gibt  es  zwei  andere  Fälle,  wo  eine  gesetzliche  üauflösende
Bedingung  die  Sache  in  Schwebe  hält  und  diese  in  einem  künftigen  Verfahren  bereinigt  wird: