Metadata : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

So  konnte  es  kommen,  daß  die  5.  Armee,  statt  ohne  Schwertstreich  eine
strategische  Aufgabe  von  unerhörter  Bedeutung  zu  lösen,  sich  mit  dreien  ihrer
Korps  auf  zwei  französische  Hivisionen  stürzte,  denen  ihre  ausgezeichnete  Stellung
  eine  hartnäckige  Verteidlgung  gestattete.  Das  Maastal  hat  am  25.  und
24.  August  eine  heroische  Anstrengung  der  Sachsen  gesehen  und  viel  kostbare#s
deutsches  Blut  getrunken.  Die  O.  H.L.  hatte  ihre  tief  ln  Feindesland  vorgedrungenen
  Armeen  sich  selder  und  ihrer  naturgemäß  beschränkten  Kenntnis
der  Lage  überlassen.  So  endete  die  dreiteilige  Riesenschlacht  westlich  und
südlich  Namur  zwar  mit  einem  taktischen  Siege  der  deutschen  Waffen,  aber  mit
einem  bitteren  Fiasko  für  die  deutsche  Strategie.

13.

An  den  glelchen  Tagen,  in  denen  der  deutsche  linke  Flügel  in  den  Vogesen
und  in  Lothringen,  der  Leitung  der  O.  H.  L.  entglitten,  die  französischen  Armeen
des  rechten  Flügels  über  die  Landeegrenzen  zurückwarf,  der  deutsche  rechte
Flügel  aber  die  Engländer  und  Franzosen  nach  belderseite  rühmlich  durchgefochtener
  Schlacht  zwar  geschwächt,  doch  keineswege  vernichtet  in  südwestlicher  Nüchtung
  entweichen  ließ,  tobte  um  Zentrum  noch  eine  deltte  Doppelschlocht.

Die  4.  französische  Armee,  vom  General  de  Langle  de  Cary  geführt,  hatte
auf  breiter  Front  zwischen  Sedan  und  Montmédy  den  Südwestrand  des  Ardennenwaldes
  erstiegen,  das  tief  eingeschnittene  Tal  des  Semole  überschritten
und  bewegte  sich  nun  beschleunigten  Marsches  quer  über  die  Hochfläche  des
Ardennenplateaus  in  ungefähr  nordöstlicher  Richtung  vorwärts.  So  prallte
sie  am  22.  August  auf  der  ganzen  Front  mit  der  gleichfalle  die  Nummer  4  tragenden
  Armee  des  württembergischen  Thronfolgers  zusammen.  Diese  war
durch  ein  von  der  5.  Armee  zur  Verfügung  gestelltes  Korpe  verstärkt  und  umfaßte
  fünf  Armeekorps,  während  die  französische  nur  vier  Korps  enthielt.  Westlich
  und  nordwestlich  Neufchäteau,  auf  einer  geraden  Linie  von  Gedinne  bis
Tintigny,  trafen  die  Angriffsbewegungen  beider  Armeen  frontal  aufeinander.

Zu  gleicher  Zeit  und  Schulter  an  Schulter  mit  der  4.  deutschen  Armee
fechtend,  trat  weiter  füdsstlich  die  Armee  des  Deutschen  Kronprinzen,  die  5.,
ins  Gefecht  mit  der  französischen  3.

Beide  deutsche  Armeen  trafen  im  Dormarsch  auf  starke  feindliche  Kräfte,
überwanden  ihre  hartnäckige  Gegenwehr  und  zwangen  sie  im  Laufe  des  22.  und
23.  August  in  reiner  Frontalschlacht  zum  Rückzug.  Der  Doppelsieg  von  Neufchsteau
  und  Longwy  dedeutet  einen  perrlichen  Erfolg  der  deutschen  Waffen,
genau  wie  die  Schlachten  in  den  Reichslanden  und  westlich  der  Maas.  Hier
aber,  in  den  Ardennen,  wo  ungefähr  gleiche  Kräfte  elnander  gegenüberstanden,
kom  ein  Versuch  der  UÜberflügelung  für  die  beteiligten  Armeen  selder  ũberhaupt
nicht  in  Frage,  um  so  weniger,  als  die  französische  3.  Armee  auf  ihrem  Rückzug
  sofort  zu  ihrer  Rechten  Anlehnung  an  den  starken  Eckpfeller  von  Verdun
fand.  Von  hier  aue  unternahm  sie  auch  bel  ihrem  Rückzug  einen  Flankenstoß
gegen  die  nachdrängende  Kronprinzenarmee,  der  aber  zum  Scheitern  gebracht
wurde.  Oie  in  den  Arbennen  geschlagenen  beiden  französischen  Armeen  fanden
alsbald  an  der  Magslinie  zwischen  Charleville  und  Verdun  einen  starken  Rückbalt,
  in  dessen  Schutze  sie  sich  zu  neuem  Widerstand  ordnen  konnten.

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