Volltext : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Fünfundzwanzigster Jahrgang. 1897. (25)

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Der  Bundesrath  hat  in  seiner  Sitzung  vom  18.  Februar  d.  J.  beschlossen,  der  Ziffer  2  des  im  Central=Blatt
  für  das  Deutsche  Reich  für  1896  Seite  66  veröffentlichten  Bundesrathsbeschlusses  vom  28.  November
  1895,  betreffend  Abänderungen  der  Anweisung  zur  zollamtlichen  Prüfung  von  Mühlenfabrikaten,
folgende  Fassung  zu  geben:
Die  Zollbehörden  entscheiden  bei  der  Abfertigung  von  Kleie  nach  freiem  Ermessen
darüber,  ob  eine  als  „Kleie“  deklarirte  Waare  zollamtlich  als  solche  zu  behandeln  oder  nach
Nr.  25  q  2  des  Tarifs  zu  verzollen  sei.  In  denjenigen  Fällen,  in  welchen  die  Beamten  wegen
des  Mehlgehalts  der  Waare  Zweifel  haben  und  die  Betheiligten  sich  der  Denaturirung  widersetzen,
  hat  die  Untersuchung  der  Waare  durch  einen  vereidigten  Chemiker  auf  ihren  Aschengehalt
mit  der  Maßgabe  stattzufinden,  daß  die  Waare  ohne  vorgängige  Denaturirung  zollfrei  abzulassen
  ist,  wenn  ihr  Aschengehalt  mindestens  3,  Prozent  der  lufttrockenen  Substanz  und
beziehungsweise  41  Prozent  in  der  Trockensubstanz  beträgt.  Ebenso  ist  bei  einer  von  den
Abfertigungsbeamten  der  Nr.  25  q  2  des  Tarifs  zugewiesenen  Waare  die  Ermittelung  des
Aschengehalts  herbeizuführen,  wenn  die  Betheiligten  diese  verlangen  und  für  den  Fall,  daß
das  Ergebniß  zu  ihren  Ungunsten  ausfällt,  also  ein  geringerer  als  der  vorstehend  bezeichnete
Mindestgehalt  festgestellt  wird,  die  Kosten  der  Untersuchung  übernehmen.  In  diesem  Falle  ist
die  zollfreie  Ablassung  der  Waare  auch  nach  vorgängiger  Denaturirung  nicht  zulässig.
Berlin,  den  1.  März  1897.
Der  Reichskanzler.
Im  Auftrage:  v.  Koerner.

Veränderungen  in  dem  Stande  oder  den  Befugnissen  der  Zoll=  und  Steuerstellen.

Im  Königreich  Preußen.

Im  Bezirk  des  Hauptsteueramtes  zu  Landsberg  a.  W.  ist  eine  Zuckersteuerstelle  errichtet  worden,
welche mit  dem  Steueramt  1.  zu  Arnswalde  verbunden  und  für  die  neu  errichtete  Zuckerfabrik  daselbst
zuständig  ist.

Im  Bezirk  des  Hauptzollamtes  zu  Thorn  ist  fortan  die  selbständige  Zuckersteuerstelle  zu  Culmsee
für  die  Zuckerfabriken  zu  Culmsee  und  Unislaw  und  die  mit  dem  Hauptzollamt  verbundene  Zuckersteuerstelle
  für  die  Zuckerfabrik  zu  Neu-Schönsee  zuständig.

Die  bisherige  Königlich  preußische  Post-Steuerreceptur  in  Sondershausen  ist  aufgehoben  (zu
vergl.  Central-Blatt  Seite  37).

Im  Großherzogthum  Luxemburg  sind  die  Uebergangsabgaben-Hebestellen  zu  Ettelbrück  und
Grevenmacher  im  Bezirk  des  Hauptzollamtes  zu  Luxemburg  aufgehoben  worden.

Das  Steueramt  l.  zu  Pinneberg  im  Bezirk  des  Hauptzollamtes  zu  Altona  ist  in  ein  Steueramt  II.
umgewandelt  worden.

Es  ist  ertheilt  worden:

dem  Steueramt  I.  zu  Höhr  im  Bezirk  des  Hauptsteueramtes  zu  Oberlahnstein  die  Befugniß  zur
Ausfertigung  von  Musterpässen  über  Gegenstände  des  freien  Verkehrs,

dem  Steueramt  l.  am  Bahnhof  zu  Bonn  im  Bezirk  des  Hauptsteueramtes  für  inländische  Gegenstände
  zu  Cöln  die  Befugniß  zur  Abfertigung  von  Waaren  der  Nummern  41  d 5  und  41  d 6  des  Zolltarifs
  zu  andern  als  den  höchsten  Zollsätzen  dieser  Tarifnummern,

dem  Steueramt  l.  zu  Grünberg  i.  Schl.  im  Bezirk  des  Hauptsteueramtes  zu  Sagan  die  Befugniß
zur  Erledigung  von  Begleitscheinen  I  über  Wein  und  zur  Ausfertigung  und  Erledigung  von  Begleitscheinen
  I  über  Branntwein  und

dem  Hauptzollamt  zu  Mittelwalde  die  Befugniß  zur  Abfertigung  der  unter  die  Tarifnummern  22 f,
22 g 1  und  2  und  die  Anmerkung  zu  22f  und  g  fallenden  Waaren  zu  andern  als  den  höchsten  Zollsätzen
dieser  Tarifnummern.

Im  Königreich  Bayern.

Der  neuerrichteten  Aufschlag-Einnehmerei  zu  Eschau  im  Bezirk  des  Hauptzollamtes  zu  Würzburg
ist  die  Befugniß  zur  Erledigung  von  Versendungsscheinen  I  über  steuerfreien  undenaturirten  Branntwein
zu  Heilzwecken  und  der  Aufschlag-Einnehmerei  zu  Erbendorf  im  Bezirk  des  Hauptzollamtes  zu  Waldsassen
die  Befugniß  zur  Ausfertigung  von  Uebergangsscheinen  über  Bier  beigelegt  worden.