236 Camphausen verlangt seine Entlassung.
den endgültigen, schwer errungenen Sieg seiner persönlichen Politik gegenüber
derjenigen des Ministeriums.
Für Camphausen war die Nachricht von dieser Erklärung ein Schlag aus
heiterem Himmel. Er sah damit den ganzen Plan, den er vor wenigen Tagen
mit den Ministern so ausführlich besprochen und vereinbart hakte, als umgestoßen
ant; er fühlte sich persönlich bloßgestellt, weil er in Frankfurt immer
wieder gesagt hatte, der König werde sich nicht äußern, bevor es fesistehe, ob
die vier übrigen Königreiche in den Bundesstaat eintreten wollten oder nicht.
Er sah alle seine Bemühungen, Preußen von der Verantworkung für das
Scheitern der Einheit zu entlasten, vernichtet. Er bat sofort telegraphisch
um seine Entlassung: und motivierte sie in einem ausführlichen Bericht an
das Ministeriums, worin er sich besonders darüber beklagte, daß man ihm
die Absicht, eine derartige Erklärung abzugeben, nicht vorher mitgeteilt habe,
da sie doch ohne Jweifel schon einige Zeit vor der Abgabe erwogen und festgestellt
sei. Obwohl sein Freund von der Heydt ihn beschwor, in diesem
Augenblick nicht zurückzutreten und ihm die Versicherung gab, man werde
weiter in seinem Sinne handeln“, konnte er sich nicht entschließen, von seiner
Absicht abzugehen. Mit Bitterkeit kritisierte er in seiner Antworts das Verhalten
des Ministeriums, es „vernichtet alle meine Bestrebungen und enthebt
die Königreiche aller Sorgen. München, Stuttgark, Dresden, Hannover,
besonders aber Wien können illuminieren!“ Die beiden Wege, die jetzk noch
möglich seien — freie Verhandlungen unter den Höfen nach vorheriger
Zersprengung der Nationalversammlung oder Annahme der Verfassung
unter Vorbehalt der Revision — habe er von Anfang an widerratens und
könne auf ihnen nicht mitgehen; er müsse es solchen Leuten, die damit
einverstanden seien, überlassen, die dann erforderlichen neuen Maß-1
Minister v. Arnim berlef sich ihm gegenüber darauf (Erlaß v. 24. April Beil. 90),
daß er selbst in seinem Bericht vom 17. den bisherlgen Weg als nicht mehr gangbar bezeichne
habe. Dies traf insofern zu, als es sich um die Einigung mit den beitretenden Regierungen
über die notwendigen Anderungen der Verfassung handelte; aber Camphausen hatte insofern
recht, als keine Nötigung vorlag, auch den weiteren Teil seines Panes aufengeben, wonach
die widerstrebenden Mittelstaaten gezwungen werden sollten, zuerst zu sprechen und die
Verantwortung für das Scheitern der Einigung, die ihnen von Rechts wegen zufiel, auch
vor der Öffentlichkeit auf sich zu nehmen.
2 22. April Bell. 86.
5* 22. April Bell. 87.
Telegr. v. 23. April Beil. 88.
* à:4. April Bell. 80.
Den ersten verwarf er auch setzt noch, während er den zweiten durch seine Darlegungen
seit dem 17. April selbst empfohlen hatte; er wollte aber auch diese Politik nicht selbst vertreten,
sondern dies den Maunern überkassen, die gleich anfangs dafür eingetreten waren,
während er noch eine andere Lösung erstrebte.