Du wirst siegen, mein innigstgeliebtes Vaterland. — Die Tränen, sie werden nicht alle gestillt werden und
da und dort sehe ich das Bild einer tiefbetrübten Mutter mit ihren Kindern, auch sie wollten die heimkehrenden
Sieger begrüßen, obschon sie wußten, daß ihr lieber Ernährer und Befreier des Vaterlandes sein Leben auf
dem Schlachtfelde lassen mußte. — Doch es ist, als schwebe sein Geist mit seinen Waffenbrüdern auch in sein
geliebtes Vaterland in das Städtchen mit ein, als begrüße er Frau und Kinder aus höheren Sphären. — Das
Bild zieht vorüber. Noch ein Weilchen siebt das tiefbetrübte Frauengesicht ihm nach, ihr Geist aber ist anderswo.
Stille geht sie mit ihren Kindern an der Hand nach Hause. — Wie verschieden ist das andere Bild, wo sie die
Lieben alle mit Hurra begrüßen und ihnen herzend und küssend um den Hals fallen.
Was haben sie alle entbehrt für des Vaterlande Ehre und für die erkämpfte Freiheit.
Diese Freiheit soll unseren Feinden Knechtschaft bringen, die Ketten, die sie mitgebracht, um sie uns anzulegen,
sollen ihnen nun angelegt werden. Keine Schonung! — Kein Pardon! Es war ein Krieg, angezettelt von Mörderbuben
und fortgesetzt von Neidern und Hassern von Bluthunden, die nach deutschem Blute lechzen. — Ja,
Gott gebe es, daß wir unsere Rechte wahren, möge er, der den Krieg zugab, es auch zugeben, daß unsere Feinde
gedemütigt werden.
Mit wehem Herzen schauen unsere Fürsten alle der Zukunft entgegen. Sie alle werden an der Spitze ihrer
Soldaten stehen und sie ermutigen und führen durch Kampf und Not dem Siege entgegen. Kein Standes-,
kein Parteien-, kein Konfessionsunterschied, um Felde fühlen sie sich alle gleich Feldherr und Soldat,
sie alle blicken auf den Feind um ihm mutig entgegenzuziehen. Und bleib Du im ewigen Leben, mein guter Kamerad
— so wird eines manchen Auge brechen und der Mund noch sprechen. — Wir aber wollen allen, die mutig dem
Feinde entgegengezogen sind und nicht wieder kamen, ein Denkmal der Liebe zum ewigen Angedenken errichten.
Möge Gott sie am jüngsten Tage mit Posaunen erwecken und lorbeergeschmückt einführen in sein Reich.
Eine Besserung des Deutschtume ist bereits stark im Gange. Den Anfang hat das frühere Kaffee Belvedere
am Jungfernstieg in Hamburg gemacht. — Es hat eingedenk der ernsten Zeiten die sämtlichen Schilder herabgenommen
und läßt nun statt des französischen Namens Cafe — Deutsches Kaffehaus anbringen. Mit großer
Begeisterung zog gestern das Publikum an das Kaffeehaus.
6. August.
Krieg nach drei Fronten. Die im Mittelmeer befindlichen deutschen Kriegeschiffe beschießen Algier.
Näheres unbekannt.
Deutsche Kavallerie griff das russische Kilbarty an. Der feindliche Grensschutz ist damit durchbrochen.
Die Beschlagnahme der russischen Bankguthaben bei den Berliner Banken ist amtlich angeordnet.
Auf Grund des Reichsgesetzes vom 4. August 1914 betreffend die Festsetzung von Höchstpreisen für
Gegenstände des täglichen Bedarfes und der hierzu erlassenen Bekanntmachung des Senates zu Hamburg
vom gleichen Tage wird von der Deputation für Handel, Schiffahrt und Gewerbe zu Hamburg bestimmt, daß
bie folgenden Gegenstände im Kleinhandel höchstens zu folgenden Preisen verkauft werden dürfen.
Weizenmehl ....................... Pfund 30 Pfg.
Roggenmehl ...................... 〃 27 〃
Weiße Bohnen ................. 〃 40 〃
Grüne geschälte Erbsen ... 〃 30 〃
Reis mittlerer Qualität ....... 〃 40 〃
Salz ................ 〃 27 〃
Gemahlener Zucker ............... 〃 30 〃
Zuwiderhandlungen werden nach § 2 des Reichsgesetzes mit Geidstrafe bis zu 1000 Mark oder im Unvermögensfalle
mit Haft bestraft. Die Festsetzung weiterer Höchstpreise bleibt vorbehalten.
Hamburgische Bank von 1914, Aktiengesellschaft mit Beteiligung des Staates mit einem Beitrage von
Millionen und Aktionären mit derselben Summe soll gegründet werden, um dem Kreditbedarf in wirksamer
Weise Erleichterung zu verschaffen.
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