Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Achtundzwanzigster Jahrgang. 1900. (28)

1867  Süddeutsche  Militärconferenz.  211

führung  ermöglicht,  und  doch  der  innere  Bestand  und  die
Eigenartigkeit  der  bayerischen  Regimenter  der  preußischen  Einwirkung
  entzogen.  Ganz  so  gut  sollte  es  nun  der  bayerischen
Regierung  doch  nicht  werden.  Die  nähere  Verbindung  mit
den  süddeutschen  Nachbarn  wich,  kaum  verabredet,  auf  allen
Seiten  aus  den  Fugen,  und  zwar  nicht  aus  Mißtrauen  gegen
bayerische  Herrschsucht,  sondern  weil  man  auf  diesem  Gebiete
der  bayerischen  Anlehnung  die  preußische  vorzog.

Gerade  acht  Tage  nach  den  Stuttgarter  Vereinbarungen
meldete  trotz  derselben  die  badische  Regierung  an,  daß  sie  das
preußische  Zündnadelgewehr  für  ihre  Division  angenommen,
mithin  auf  eine  besondere,  mit  Bayern  gemeinsame  Bewaffnung
verzichtet  habe.  Der  Beschluß  führte  ohne  Aufenthalt  weiter.
Die  Annahme  des  preußischen  Gewehrs  machte  sofort  die
Einführung  des  preußischen  Exercier-Reglements,  und  diese
für  die  nächste  Zeit  die  Erbittung  preußischer  Instructoren
nöthig.  Es  war  die  offene  Ankündigung,  daß  Baden  ohne
den  Umweg  über  München  in  feste  Waffengemeinschaft  mit
Preußen,  für  den  Frieden  wie  für  den  Krieg,  zu  treten
gedenke.  Es  konnte  dies  die  bayerischen  Staatsmänner  nicht
einmal  Wunder  nehmen.  Denn  in  Baden  fuhren  Regierung
und  Volksvertretung  einmüthig  fort,  bei  jedem  Anlaß  sich  zu
der  Überzeugung  zu  bekennen,  daß  es  für  Deutschland  kein
Heil  gebe,  als  den  einfachen  Eintritt  der  Südstaaten  in  den
Nordbund.

Am  7.  April,  nachdem  die  preußischen  Schutz=  und  Trutzbündnisse
  veröffentlicht  worden  waren,  folgte  ein  zweiter  der
Südstaaten  dem  badischen  Beispiel,  in  noch  weiterem  Umfang,
wenn  auch  mit  sehr  verschiedener  Gesinnung.  Wrr  erinnern

uns  der  vielfachen  Unbequemlichkeiten,  welche  für  Hessen-14°%