Full text : Ratgeber für deutsche Lehrer und Erzieher

Geihichtsunterriht  und  Staatefunde.  10i

und  Beiträge  für  die  Augrüftung  eines  Krieges  maren  die  erjten  Sriegdteuern.


Bog  ein  Adliger  in  den  Krieg,  fo  ließ  er  fi  von  feinen  Lehnsleuten  ausrüften.
  Diefe  Beiträge  der  Lehnöleute  für  die  Ausrüftung  des  Ritters  waren
auch  Kriegsfteuern.  Sie  beitanden  nicht  aus  Geld,  jondern  aus  wirklichen  Ausrüftungsgegenftänden.
  Aber  fpäter  fagte  fid)  der  Ritter,  es  ift  befjer,  wenn
ic)  mir  meine  Ausrüftung  von  meinem  Waffenfchmiede  machen  lalje,  der  hat
mehr  Gefchid  und  bringt  fie  viel  befjer  zuftande.  Dem  gab  er  nun  etma3  von
dem,  mwa3  ihm  feine  LXehnsleute  an  Getreide,  Vieh  ufm.  lieferten.

Die  Krieger  der  Städte  waren  anfangs  ihre  Bürger.  jeder  rüftete  fich
urfprünglic)  felbft  aus.  Dann  lieferte  die  Stadt  den  ärmeren  die  Waffen;
[chließlih  gab  man  ihnen  aud  Sold.  Die  Gtädte  forderten  deshalb  von
allen  Bürgern  eine  Abgabe,  um  den  Gold  für  die  Strieger  zu  bezahlen.  Das
machten  auch  die  Fürlten  nad.  Sie  hielten  Söldner  oder  Landsfnchte.
Marimilian  führte  den  gemeinen  Pfennig  ein,  um  Davon  die  Hecre  zu  unterhalten.
  Anfangs  zahlte  man  den  gemeinen  Pfennig  nur,  menn  ein  Strieg
geführt  werden  mußte.  Nach  und  nad  mußte  diefe  Steuer  öfter  und  [chließfich
  regelmäßig  aezahlt  werden;  denn  Die  Fürften  hatten  ftet3  Truppen  unter
den  Waffen,  und  die  Feftungen  und  Geichütge  fofteten  ftetS  Geld.  Dazu
murde  die  ganze  Negierung  foftfpieliger.  Deshalb  brauchte  der  Staat  immer
mehr  Geld.  Dies  mußte  er  durd;  Steuern  aufbringen.  Da  alle  Bürger
Borteil  von  der  befjeren  Regierung  hatten,  zog  der  Staat  auch  alle  Bürger
zu  den  Steuern  heran.  Er  hob  die  Steuerfreiheit  des  Adel  und  der  Geiltlichfeit
  auf  und  führte  allgemeine  Steuern  ein,  wie  die  Kopfiteuer,  die  }läd:
tiihe  Verbraudyiteuer,  die  Grund-  und  Gebäudefteuer.  Der  Staat  und  bie
Gemeinde  brauchen  Geld;  darum  muß  e3  Steuern  für  den  Staat  und  die  Gemeinde
  geben.  Nennt  mir  nun  Gtaatöfteuern  und  Gemeindefteuern!  Welche
Steuern  zahlen  mir  fofort  und  ohne  irgendwelche  Mittelsperfonen  an  den  Staat?
Welche  Steuern  zahlen  wir  zuerft  an  Händler,  aljo  zuerit  an  Mittel3perfonen?

Neue  Betradhtungen  über  die  Steuern  find  notwendig,  wenn  mir  Das
neue  Deutihe  Neid  behandeln.  Dabei  erörtern  wir  au)  da3  Zolimwefen
wieder  eingehender,  das  ja  fchon  bei  der  Gründung  des  Bollvereins  näher
betrachtet  werden  mußte.  &3  handelt  fi  um  die  Überwindung  des  1873
eingeführten  Freihandeld.  Gerade  diefe  zwingt  ung,  den  Gründen  nadyju>
gehen  und  nicht  bloß  bei  den  äußeren  ZTatfadhen  ftehenzubleiben  jedes
Gefet  wird  nur  verftanden  durch  Den  Bed,  den  es  erfirebt.  Nachdem  die
Tatjachen  mitgeteilt  find,  gehen  wir  an  die  Vertiefung.  Hierbei  holen  mir
weiter  aus,  als  e3  fonit  zu  gejchehen  pfleat.

Hat  e3  immer  Zölle  gegeben?  Urfprünglich  traten  die  fremden  Men-|hen
  und  SHorden  überhaupt  in  feinen  friedlichen  Handelöverfehr  oder
Warenaustaufh.  Begehrte  eine  Horde  die  Güter  der  benachbarten  Horde,
jo  überfiel  fie  diefe  und  beraubte  fie.  Naubfriege  waren  die  eriten  Formen
des  Warenverfehrd.  Das  mar  natürlich  Fein  rechtmäßiger  Güteraustaufc.
Bald  fahen  die  Menfchen  dies  aud)  ein.  Die  überfallene  Horde  fuchte  fich
nämlih  zu  rächen  und  paßte  die  Gelegenheit  ab,  wo  fie  die  erfte  Horde  erfolgreich
  überfallen  und  ausrauben  fonnte.  Da®  haben  mir  in  der  Gefchichte
Abrahams  gefehen.  Er  überfiel  diejenigen,  welche  Lot  ausgeplündert  hattcır,
und  nahm  ihnen  alles  wieder  ab.

_  Deswegen  famen  die  Menfchen  bald  auf  den  Gedanken,  ftatt  de&  räubetischen
  und  Friegerifhen  Warenverfehr3  einen  friedlihen  und  rechtmäßigen