20 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
deshalb stets geneigt, dafür edle Metalle, verarbeitet oder unverarbeitet,
einzutauschen, deren Besitz der Eitelkeit schmeichelt und Ansehen verleiht;
und deshalb konnte man von den Edelmetallen erwarten, daß man
für sie jederzeit die benötigten und anderwärts überflüssigen Waren
würde erhalten können. Die Unentbehrlichkeit der Nahrungsmittel
usw. erstreckt sich für den einzelnen immer nur auf ein begrenztes
Quantum; darüber hinaus sind sie absolut überflüssig, ja wegen der
Mühe und Gefahr der Aufbewahrung sogar lästig. Bei den Edelmetallen
jedoch entspricht gerade ihrer Entbehrlichkeit die ganz allgemein und
quantitativ unbegrenzte Begehrtheit und Verwendbarkeit.
Die Edelmetalle besitzen ferner eine nahezu unbegrenzte Widerstandsfähigkeit
gegen zerstörende Einflüsse. Gold und Silber werden
weder vom Wasser noch von der Luft angegriffen; sie verlieren im
Feuer nur bei ganz hohen Temperaturen von ihrer Substanz; Gold
löst sich nur in Königswasser (3 Teile Salzsäure und 1 Teil Salpetersäure)
und wird nur von Chlor, Brom und wenigen anderen Chemikalien
angegriffen, während Silber in Salpetersäure und konzentrierter
Schwefelsäure löslich ist und von Salzsäure angegriffen wird. Auch
den physikalischen Einflüssen der Reibung gegenüber zeigen sich die
Edelmetalle, namentlich wenn sie einen passenden Zusatz anderer
Metalle erhalten (Legierung), sehr widerstandsfähig. Infolge dieser
Eigenschaften lassen sich die Edelmetalle, ohne sich in ihrer Substanz
zu verändern, beliebig lange aufbewahren. Sie fanden besonders
leicht Annahme als Gegenwert für die übrigen Güter, weil in ihnen
nicht, wie in den dem raschen Verderb ausgesetzten Waren, der Zwang
liegt, sie alsbald zum eigenen Konsum oder zu einem abermaligen
Tausche zu verwenden.
Des weiteren ist die Beschaffenheit der Edelmetalle eine durchaus
gleichartige in jedem einzelnen Stücke, einerlei an welchem Ort
das Metall gewonnen ist. Das trifft zwar streng genommen auch für
die unedlen Metalle, wie das Kupfer, zu, nur daß hier die stets vorhandene
Beimischung anderer Metalle zu Unterschieden führt, deren
Beseitigung im Wege der Affinierung — im Gegensatz zu den Edelmetallen
— die Kosten nicht deckt. Die gleichartige Beschaffenheit
der Edelmetalle bewirkt, daß Unterschiede der Qualität nicht abzuwägen
sind, daß gleiche Gewichtsmengen desselben Metalls stets gleiche
Werte darstellen und sich deshalb restlos gegenseitig ersetzen und vertreten
können.
Eine für die Geldfunktion der Edelmetalle sehr wesentliche Eigenschaft
ist ferner ihre unbegrenzte Teilbarkeit. Man kann die Edelmetalle
sehr exakt in die denkbar kleinsten Teile zerlegen und beliebig
viele kleine Metallstückchen jederzeit und ohne nennenswerte Kosten
wieder zu einem großen Klumpen zusammenschmelzen. Die letztere