Contents : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

relch  und  England  traten  damals  an  die  Seite  der  Pforte,  Rußland  wurde  geschlagen.
  Der  dritte  Pariser  Frlede,  welcher  den  Krieg  beendlgte,  zwang  Rußland,
  dem  Anspruch  auf  ein  aueschlleßliches  Protektorat  über  die  türkischen
Chriften  zu  entsagen  und  auf  dem  Schwarzen  Meer  keine  Kriegeflotte  mehr  zu
unterhalten.  Das  Schwarze  Meer  wurde  neutralisiert,  wogegen  die  Pforte
sich  verpflichten  mußte,  völllge  Religionefrelbeit  und  Gleichderechtigung  aller
ihrer  Untertanen  ohne  Rücksicht  auf  das  Rellglonedekenntule#  einzuführen.

Aber  das  Streden  der  Rajavölker  nach  völliger  Befrelung  vom  türkischen
Soche  ging  weiter.  1861  schlossen  sich  Moldau  und  Walachel  zu  einem  elnzlgen
Staate  zusammen,  der  den  Namen  Rumänlen  annahm,  aber  noch  unter  Vasallenschaft
  der  Türkel  verdlled.

Vorüdergehend  besserten  sich  indessen  die  Bezlehungen  der  Türkei  zu
Rußland.  Dae  Zarenreich  konnte  sich  während  des  Deutsch-Französischen  Krleges
von  der  Bestlmmung  dee  Parlser  Vertrages,  welche  ihm  das  Recht  des  Haltene
von  Krlegsschiffen  im  Schwarzen  Meere  beschränkte,  einseitig  lossagen.  Und
die  Pforte  erklärte  ihr  Einverständnls.  Oie  Aufstände  in  den  von  Slawen  bewohnten
  türkischen  Provrinzen  Bosnien,  Herzegowlna  und  Bulgarlen  gingen
trotzdem  dauernd  weiter;  1876  drach  in  Bulgarien  ein  Aufstand  aue,  und  auch
Serdien  und  Montenegro  erklärten  der  Pforte  den  Krieg.  In  diesen  trat  Rußland
  1877  ale  Bundeegenosse  der  aufständischen  Rajavölker  ein,  Rumänien  schloß
sich  an,  kündigte  der  Pforte  die  Vasallenschaft,  proklamlerte  die  Unadbängigkeit
seines  Staates,  stellte  die  Zahlungen  des  Triduts  ein  und  wählte  zu  selnem
Fürsten  den  Prinzen  Karl  von  Hohenzollern-Sigmaringen,  einen  entfernten
Verwandten  und  naben  Freund  dee  deutschen  Kaiserhauses.  Der  Krieg  endigte
mlt  dem  Frleden  von  San  Stefano,  dessen  Bestimmungen,  wenn  sie  durchgefübrt
worden  wären,  Rußland  zum  Herrn  auf  dem  Balkan  gemacht  hätten.

Das  aber  erregte  die  Besorgnie  der  übrigen  Großmächte,  namentlich  Englande,
  das  gegen  den  Wlderspruch  der  Pforte  eine  Krlegeflotte  durch  die  Dardanellen
  lns  Marmarameer  einlaufen  lleß.  Es  forderte,  daß  Rußland  den
Friedensvertrag  von  San  Stefano  einem  europischen  Kongreß  zur  Durchderatung
  und  Anderung  vorlege.

Oles  lst  der  Augenblick,  in  welchem  das  sieben  Jahre  zuvor  errichtete
deutsche  Kaiserrelch  zum  ersten  Male  handelnd  in  dle  Balkanwlrren
eingriff.  Bismarck  dot  seine  Vermittlung  an,  und  unter  seiner  Leltung  tagte
der  Berliner  Kongreß  von  1878.  Er  endigte  mit  folgendem  Ergednis:

1.  Rumänien,  Serdlen  und  Montenegro  wurden  von  jeder  Verbindung
mit  dem  Oemanischen  Reiche  gelsst  und  für  unadhängig  erklärt.

2.  Rumänlen  erhlelt  die  Dobrudscha,  das  Land  zwischen  dem  süd-nördlich
verlaufenden  Telle  des  Unterlaufs  der  Donau,  dem  Donau-Delta  und  dem
Schwarzen  Meer,  damit  den  wichtigen  Schwarze-Meer-Hafen  Konstanza.

3.  Bulgarlen  wurde  zu  elnem  autonomen,  aber  der  Türkel  tridutpflichtigen
Staat  erklärt.  Im  Süden  von  Bulgarlen  wurde  elne  hauptsächlich  von  Bulgaren
bewohnte  neue  türklsche  Proolnz  Ostrumellen  geblldet,  welche  von  einem  christlichen
  Statthalter  reglert  werden  sollte.

4.  Grlechenland,  das  ebenfalls  mit  Ansprüchen  auf  Gedletserwelterung
bervorgetreten  war,  wurde  vom  Kongreß  auf  freundschaftliche  Derhandlungen

2  ö#leem.  1.  17