Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Es  blieb  nichts  übeig,  als  nun  zu  tun,  was  schon  vor  spätestene  elner  Woche
bätte  geschehen  müssen  und  damals  ohne  stärkeren  Felndesdruck  hätte  geschehen
können:  auch  der  durch  dle  Frühjahraoffensive  erkämpfte  Bogen  mußte  gerdumt
werden.  Schrittwesse,  unter  harten  Kämpfen  und  unvermeldlichen  schweren
Verlusten,  zumal  an  Materlal.  Die  Engländer  allein  haben  am  8.  und  9.  August
24  000  Gefangene  und  300  Geschütze  als  Beute  gemeldet.  Leider  fiel  auch  olel
wertvolles  Aktenmaterial  in  die  Hände  des  Feindes.  Es  gab  lhm  klaren  Einöllck
  in  die  ganze  Schwierigkeit  unserer  Lage,  vor  allem  unserer  Ersatzverhältnsse.

Zunächst  war  es  nötig,  auch  die  nicht  angegrlsfene  Front  südlich  der  Ardre
zurückzunehmen  und  Montdidier  zu  rdumen.  Zum  Glück  schien  auch  die  Angriffökraft
  des  Feindes  für  den  Augenbllck  erschöpft.  Ein  Vorstoß  der  Franzosen
  südlich  Montdidler  traf  nur  noch  Nachhuten.  Bel  den  Rückzugskämpfen
blelten  sich  die  Truppen  besser  als  am  ersten  Tage.  Es  gelang  an  den  beiden
folgenden  Tagen,  eine  dünne,  aber  widerstandeofäbige  durchgebende  Verteldigungelinle
  zu  bilden.  Ludendeff  fand  Zeit  sich  zu  besinnen  —  die  unausweichlichen
  Folgen  des  ungeahnt  furchtbaren  Schlchsalsschlages  durchzudenken.

Schlimm,  weit  schlimmer  noch  als  das  taktische  Ergebnie  der  Niederlage
schmetterten  die  Berichte  in  selne  Scele,  die  er  von  den  zur  Front  entsandten
Generalstabeffizieren  über  die  lnnere  Verfassung  der  Truppe  erbielt:

Ich  hörte  von  *  glänzender  Tapferkeit,  aber  auch  von  Handlun  er.  die  #ch,
ich  2  es  offen  aussprechen,  in  der  de  n  Armee  nicht  für  möglich  gehalten  habe:
#ee  —1  chaften  V—  tn  *  Abteilungen  7  er  ·
aben!  ner  u  und  zog  angr  worde  von  zurüchk
ruppen  -  un  Seosengraifen  zugerufen,  Worte  die  auch  vaia
noch  fallen  seiltene  Die  Offiziere  hateen  5n6  Ilen  e  teinen  Einstuß  mehr,  sie
lleßen  sich  mitrelßen.“

Z.

Das  war  schon  nicht  mehr  der  Anfang  vom  Ende  —  das  war  das  Ende  selbst.
Es  fragte  sich  mur,  ob  noch  genügender  Zeitgewinn  erkämpft  werden  könne,  um
die  endgültige  Katastropbe  so  weit  Hinauszuschieben,  daß  die  unvermeldlichen
Entschlüsse  in  verhältnismäßlger  Ruhe  und  Wücde  in  die  Tat  umgesetzt  werden
könnten.

Blitzartig  war  die  Erkenntnis  über  Ludendorff  gekommen:

Der  Krieg  war  verloren.

Das  gute  deutsche  Schwert?  Nein,  es  war  wirklich  nicht  mehr  gut.  Der
Blindeste  mußte  es  nun  erkennen.  Das  Kampfinstrument  —  Ludendreff  bekannte
  es  nun  sich  selber  —  war  nicht  mehr  vollwertig.  Den  Mahnabhmen  der
Obersten  Heeresleitung  war  „die  sichere  Grundlage  entzogen“.

#lKrriegführen  nahm  damit,  wie  ich  mich  demels  ausdrückte,  den  Charakter
eines  Woeseil.  Hosardspieles  an,  das  ich  lmmer  für  verderblich  ebogen
dabe.  Das  Schicksal  des  deutschen  Volles  war  mir  für-  ein  Glücksspiel  zu  boch.

Krüeg  war  zu  beendigen.“

Der  Heeresberlcht  vom  8.  August  meldete  lakonisch  und  oielsagend,  daß
der  Feind  sadlich  der  Somme  auf  breiter  Front  eingebrochen  sel.  Diese  Schrekkenskunde
  drachte  der  Heimat  die  Panik.  Alcht  minder  den  Verbündeten.  Der
deutsche  Militärbevollmächtigte  im  K.  u.  K.  Hauptquartier  rief  Ludendorff

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