Full text : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Einunddreißigster Jahrgang. 1903. (31)

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rich  wird  bewobnet  und  besessen  Henisch;  in  einer
Formel  diu  vorgenanten  gueter  niessen,  besitzen  und
besetzen  (selbst  bewohnen  oder  verpachten)  Boos  Urk.
B.  v.  Aarau  53  (v.  1338);  daher  besessen  burger  (augesessener)
  Magdeb.  Fr.  2,  5,  3;  taglöner  der  nirgend  besessen
  ist  Sir.  37,  14.  4)  hieraus  erwachsend,  als  Eigentum
  inne  haben,  die  heute  vorwiegende  Bed.  (von  bloßem
haben  unterschicden:  er  besitzt  dich  nicht,  er  hat  dich
nur  Goethe  Künstl.  Erdenw.);  ursprünglich  von  liegenden
Gütern:  haus  oder  stad  das  er  besessen  hat  3.  Mos.  25,
33;  erbteil  besitzen  4.  Mos.  36,  8;  und  so  noch  häuser,
guter,  Lländereien  u.  s.  w.  besitzen;  dann  auch  von  anderem:
  da  er  grozen  hort  besaz  Nib.  453,  4;  (Fremdnge)
  solt  jr  zu  eigen  haben,  und  solt  sie  besitzen
3.  Mos.  25,  46;  vermögen,  geld,  kostbarkeiten,  möbeln,
bueher,  ein  schlagfertiges  heer  (Treitschke  1,  521)  besitzen;
  von  inneren  Gütern,  Eigenschaften  u.  ähnl.:  er
besitzt  kein  herz,  keine  liebe,  keinen  guten  charakter;
leute  die  mein  ganzes  vertrauen  besaszen;  nie  mannes
herze  ein  wip  besaz  s5  rebte  gar  gewalticlich  Lichtenstein
  20,  14;  die  seligkeit  zu  besitzen  1.  Thess.  5,  9;  den
kunsten,  die  er  auf  einen  so  hohen  grad  besasz  Gocthe
Benv.  Cell.,  Vorr.;  man  musz  tief  in  eine  kunst  oder
eine  wissenschaft  gedrungen  sein,  um  die  anfangsgrunde
wohl  zu  besitzen  Ram.  Nefse;  die  die  rechten  eigenschaften
  besitzen  Häusser  d.  G.  37,  155;  wir  besitzen
keine  werke  uber  diesen  zweig  der  wissenschaft;  mit
sächl.  Subji.:  anschlege  die  mein  herz  besessen  haben
Hiob  17,  11;  der  rechte  ring  besitzt  die  wunderkraft

Besitzer  —  besonder.

Lessing  Nath.  3,  7;  refl.  sich  besitzen,  sich  in  der  Gewalt
  haben:  hier  galts,  sich  zu  besitzen  Wieland  Idr.

5,  13;  nicmand  besasz  sich  mehr  als  diese  frau  Goethe
Wahlverw.  1,  10;  Part.  die  besitzende  klasse,  die  Wohlbabenden;
  die  besitzenden  sollen  den  armen  beistehen.
5)  intrans.  besitzen  —  sest  sitzen,  bleiben,  im  Mhd.  häufig,
nur  noch  im  16.  Jh.  blieben  wie  die  tollen  Fritzen
bisz  an  den  abent  da  besitzen  BWaldis  Es.  4,  90.  —
Besitzer,  m.  früher  nach  besitzen  1,  besitzer  des  gerichts,
  jetzt  beisitzer;  sonst  nach  besitzen  4,  Eigentümer,
bossessor  besitzer  Dies.;  besitzer  des  hauses  Henisch;
ihren  rechtmäszigen  besitzern  Schiller  7,  238;  jetzt
auch  er  ist  besitzer  ciner  schönen  tochter.  —  Besiczung,  I.
das  Besitzen:  geben  das  land  zu  ewiger  besitzung  1.  Mos.
17,5,  wofür  heute  besit.  während  besitzung  fast  gänzlich
  auf  die  Bed.  eines  besessenen  Grundstücks  eingeschränkt
ist:  sein  gutchen  war  nach  und  vach  eine  ansehnliche
  besitzung  geworden  Wieland  Danischm.  40;  seine
besitzungen  in  Schlesien  und  andern  provinzen.
Besohlen,  mit  Sohlen  versehen:  strumpfe  und  schuhe
wieder  besolen  Stieler;  neu  beschlte  stiefeln.  —  besolden,
  mit  Sold  versehen,  regelmäßig  bezahlen  (srüher
auch  mit  Umlant  besölden,  den  sold  guben  Maaler##:
truppen,  beamtc,  arbeiter,  spione;  kerl,  wie  viel  teufel
besoldest  du?  Schiller  Fiesko  3,  4:  die  besoldeten  ..
buralisten  Treitschke  1,  272.—  Besoldung,  k.  das  Besolden
  und  das  dazu  gegebene:  besoldung  der  truppen,
beamten;  seine  besoldung  empfüngen;  ein  soldat  der
seine  besoldung  hat  Simpl.  3,  17.—  besonder,  1)  für
ich  bestchend,  vom  Allgemeinen  getrennt;  als  attributives
dj.  erst  im  späteren  Mhd.  aus  einem  vorher  vorhandenen
  Adverb  besunder  gleicher  Bed.  (vgl.  sonder)  heransgebildet:
  besunder  dienesmanne  Elis.  4870;  später  häufig:
ein  besonder  gelubde  3.  Mos.  27,  2;  an  einen  besondern
ort  1.  Macc.  4,  46;  einen  besonderen  haufen  5,  17;  besondere
  wege  wählen  Goethe  nat.  Tocht.  4,  4;  davon.
würe  ein  besonderes  buch  zu  schreiben;  diese  leute
haben  ihre  besonderen  rechte;  Subst.  hier  liegt  noch
ctwas  besonderes  für  dich  u.  a.  2)  vom  allgemeinen
sich  abhebend,  hervorstechend,  die  in  neuerer  Spr.  sast
gewöhnlichere  Bed.:  ein  furnemer  o.  besunüerer
  Dies.;  besondere  wahlthat,  tugend,  licbe,  schönheit
  Steinbach;  namentlich  als  Subst.:  das  ist  etwas

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ganz  besonderes;  es  war  nichts  besonderes  zu  ihm;
schon  bei  Luther  der  herr  wird  ein  besonderes  thun
2.  Mos.  9,  4;  auch  —  ungewöhnlich,  eigenartig:  in  diesem
ganz  besonderen  falle;  hier  liegen  besondere  umstände
var;  ironisch:  das  ist  ja  ein  ganz  besonderer  mensch.
Als  Formel  ins  besondere,  oft  zusammengerückt  geschrichen,
  —  zumal,  vor  anderem:  euch  aber  insbesondere,
  schriftsteller  meines  vaterlands  Schiller  5,2.—
besonders,  Adverb,  in  den  Bedeutungen  von  besonder;
1)  seorsum  besunders  Dief.;  man  irug  jm  besonders
auf  1.  Mos.  43,  32;  hielten  im  felde  besonders  1.  Chron.
20,  9;  füret  sie  auf  einen  hohen  berg  besonders  Mare.
9,2;  einen  besonders  anreden,  nehmen  u.  a.  2)  steigernd,
namentlich  in  neuerer  Spr.  die  weisze  larbe  schickt
sich  besonders  vor  gott  Steinbach;  vor  Adj.:  das  ist
besonders  schön;  gut  ist  er  (der  Kuchen),  besonders  gut
Ifsland  Jäger  4,  4;  veraltet  titelhast  in  Briesen:  meinem
  besonders  hochgechrten  herrn;  als  Bindewort:  ich
freue  mich  uber  dein  wolscin,  besonders  aber  uber
deinen  fleisz  Adelung  (dafür  im  17.  Ih.  besondern
Simpl.  4,  322).—  besonnen,  mit  Sonnenschein  verschen:
besonnen,  an  der  sonnen  tröchnen  Maaler;  später
nur  Dichterwort:  bahn,  die  nie  ein  strahl  besonnte
Blumaner:,  123;  die  besonnten  hugel  Schiller
Kl.  d.  Ceres;  ihrer  mild  besonnten  finr  Uhland  14.
—  besonnen,  Part.,  vgl.  unter  besinnen.  —  beforgen,
mit  Sorge  umgeben,  abd.  bisorgen,  mhd.  bosorgen,  in
zwiesachem  Sinne,  1)  Fürsorge  tragen,  Erforderliches
anordnen  und  ins  Werk  setzen:  curore  Pisorgen  ahd.
Gloss.  2,  631;  dispensare  besorghen  Dief.;  procrare
besorgen  ebd.;  in  der  hochd.  Schriftspr.  im  16.  17.  Ih.
(nicht  im  Niederdentschen)  vor  der  folgenden  Bed.  zurückgetreten,
  im  18.  wicder  vorkommend:  ein  geschöfte,
das  hauswesen  besorgen,  das  frauenzimmer  besorgt  das
essen  Steinbach;  wirtschaft,  kuche,  stall,  vieh,  landbau
  besorgen;  stille  das  feld  zu  besorgen  Goethe
Herm.  u.  Dor.;  wölfe  besorgten  die  finanzen  Schiller
Fiesko  2,  8;  ferner  aufträge;  eines  geschüfte  Treitschke
,  363;  einem  einen  briel  zur  post;  „haben  Sie  besorgt,
was  ich  auftrug?“  es  ist  alles  besorgt;  kranke,  die
kinder,  güste  besorgen;  dasz  man  ihn  auskleide,  trockne,
besorge  Goethe  Wanderj.  2,  5;  spottend:  der  ist  besorgt
  und  aufgehoben  Schiller  Eisenh.;  mit  abhäng.
Satze:  sogleich  besorgte  man,  dasz  die  wunde  verbunden
  wurde  Werke  4,  220;  besorgt  sein,  in  älterer
Spr.  mit  jemand  oder  etwas  (Elis.  3530),  jetzt  kur  einen
oder  etwas;  fur  die  wirtschaft,  für  sein  glück  besorgt
sein  Adelung.  2)  Sorge,  Angst  um  etwas  Kommendes
haben,  ahd.  noch  nicht  bezeugt,  mhd.  vielfach  vorhanden;
refl.,  sich  eines  dinges:  besorgen  sie  sieh  keines  schadens
Weish.  14,  29;  der  hunger  des  jr  euch  besorget  Jer.
42,  16;  müsz  sich  allzeit  seins  lebens  und  göts  vor
straszenreubern  besorgen  Wickram  Nachb.  39°;  noch
bei  Lefsing:  der  sich  des  schlimmsten  besorgte  Dram.
29;  mit  kur  oder  abhäng.  Satz:  weil  er  sich  fur  des
Antiochi  son  besorget  2.  Macc.  9,  29;  darfestu  dich
nicht  besorgen,  das  er  dich  tödte  Sir.  9,  18;  besorgte
ich  mich,  er  sei  etwan  auf  eine  rache  bedacht  Simpl.
2,  207;  absolut:  er  besorget  sich  Luc.  9,  7;  trans.,  etwas
besorgen:  besorgt  das  lombardisch  gist  Garg.  78;  das
war  das  schlimmste,  was  ich  besorgte  Lessing  Gal.  2,6;
verrat,  ein  ungluck,  hindernisse,  krankheiten  u.  a.  besorgen;
  ein  rüekfall  ist  zu  besorgen;  die  nichts  besorgenden
  herzen  Wieland  Amad.  14,5;  dafür  abhäng.
Satz:  dieweil  er  aber  besorget,  Jonathas  würde  es  wehren
I.  Macc.  12,  40;  ich  besorge  sehr,  dast  Lessing
Litt.  Brief  332;  mit  für:  man  besorgte  fur  sein  leben
Schiller  2,  390;  absolut:  das  es  nicht  geschehen  ist,
wie  wir  besorgten  Tob.  8,17;  besorgt  sein:  dar  umbe
Aftirding  nicht  ein  wenig  besorgit  was  Ködiz  10,  22;
wir  waren  wegen  deiner  gesundheit  sehr  besorgt;  einen
besorgt  machen  Lessing  Samps.  4,  3;  Part.  adjectivisch:

besonders  —  beforgen.