Metadata : Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Fünfter Teil. Bis zur März-Revolution. (28)

Vorwort.

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Durch  ein  langes  Augenleiden  ist  die  Fortsetzung  dieses  Buches  ver—
zögert  worden,  und  ich  will  nur  wünschen,  daß  man  dem  Bande  nicht
anmerke,  wie  schwer  mir  zuweilen  die  Arbeit  fiel.

Noch  weit  mehr  als  seine  Vorgänger  verdankt  der  vorliegende  Band
den  Beiträgen  freundlicher  Leser.  Ohne  diesen  gütigen  Beistand,  aus
amtlichen  Quellen  allein  hätte  ich  manche  Ereignisse  nicht  verstehen  können,
und  ich  bitte  auch  für  die  Schilderung  der  Revolutionsjahre  herzlich  um
solche  Mitteilungen.  Die  Aufgabe  wird  immer  schwieriger,  je  mehr  die
Erzählung  sich  der  Gegenwart  nähert.

Ein  Mangel  läßt  sich  bei  allem  Fleiße  nicht  ganz  beseitigen.  Das
Leben  der  breiten  Massen  des  Volks  bleibt  in  einem  Zeitalter  reflektierter
Bildung  immer  geheimnisvoll,  und  wieviel  der  Historiker  auch  an  wirtschaftlichen,
  politischen,  religiösen  Erklärungsgründen  vorbringen  mag,  zuletzt
  kann  er  doch  nur  einfach  die  Tatsache  feststellen,  daß  die  Stimmung
der  Zeit  reif  wurde  für  eine  Revolution.

Die  Geschichte  dieser  acht  Jahre  wirkt  wie  ein  erschütterndes  Trauerspiel.
  Zuerst  hohe  Entwürfe,  glänzende  Hoffnungen,  überschwengliche
Träume,  nachher  fast  überall  ein  klägliches  Mißlingen,  ein  unvermeidlicher
Zusammenbruch.  Den  tragischen  Ernst,  der  im  Stoffe  selber  liegt,  darf
der  Darsteller  nicht  durch  vornehmen  Gleichmut  künstlich  zu  verwischen

suchen.
Welchen  Mißbrauch  treibt  man  doch  heute  mit  dem  Ausspruch:  sine
ira  et  studio  —  einem  Worte,  das  niemand  weniger  befolgt  hat  als

sein  Urheber.  Gerecht  soll  der  Historiker  reden,  freimütig,  unbekümmert