1024 Schwaben u. Nenburg.
Urkundlich finden wir die Benennung Lindau zuerst bei Neugart Nr.
532, I, S. 435 zum Jahre 882, wo Cunzo sein Besitzthum in Tettnang
und Haßlach dem Kloster St. Gallen mit Ausnahme zweier Huben vermachte,
die er ad Lintonam wahrscheinlich zur Pfarrkirche daselbst vergabte. Im
Jahre 948 brannte Lindau, das damals jedenfalls noch keine Stadt war, ab und
die Einwohner zogen zum größern Theil nach dem nahe gelegenen Burgorte
Aeschach. Nach Zerstörung der Burg in den Investitur-Kriegen ließen sie
sich wieder auf ihrer Bodensee-Insel Lindau nieder. In einer Urkunde vom
Jahr 1368 wird der von den Gaugrafen des Argengaues verwaltete Ort
L#ndau „civitas“ und 1278 „oppidum“ genannt. An der Spitze der Gemeinde
standen 1268 Minister (Ammann) und Consuln (Bürgermeister). Im
Jahre 1264 finden wir Scultetus (Schultheiß) consules ac tota universitas,
auch hatte die Stadt damals schon einen monetarius (Münzmeister).
Die Reichsunmittelbarkeit der Stadt läßt sich aber seit den Jahren 1274 und
1275 nachweisen, wo König Rurolf I. die Bürger (cives nostros“ unsere Bürger)
und „nostri fldeles et Imperü cives“ unsere getreuen und des Reiches
Bürger nannte. Sie erhielten auch einen Ammann, den der jeweilige Landvogt
von Schwaben einzusetzen berechtigt war; auch wurden Bestimmungen
für den Bürgermeister, die Räthe und die Bürgerschaft gegeben.
Alle nachfolgenden Kaiser bestätigten die Reichsunmittelbarkeit L#ndaus.
Im Jahre 1336 löste die Stadt die Reichsvogtei mit dem Ammannamte ein.
Kaiser Karl IV. verpfändete die Kastenvogtei daselbst und die über die Kellenhöfe
um 3000 Pfd. Heller an den Grafen Ulrich von Helfenstein, der dieselbe
1382 an die Stadt Ulm abtrat. In den Jahren 1394 und 1397 gelangte
diese Pfandschaft von König Wenzel um 300 fl. an Marquard von
Schellenberg, die auch König Ruprecht um weitere 200 fl. bestätigte. Im
Jahre 1430 löste die Stadt diese Pfandschaft aus, dem Könige Sigismund
hiefür noch 700 fl. bezahlend, und erhielt dann später von König Max. I.
das Privilegium der Nichtwiederauslösung (de non reluendo). Nach einem
Lindauer Chronikauszug hat König Max I. 1496 einen Reichstag zu Lindau
gehalten und „allhie die Reichskammergerichts-Ordnung zu Faden g'’schlagen."
Diese Kammergerichte sollten dem Unwesen des Faustrechtes ein Ende machen,
dagegen sträubten sich die Schweizer und rüsteten zum Widerstand.
Nach derselben Chronik war Maximilian 1499 wieder zu Lindau — „erhielt
allhie die Nachricht von dem unglücklichen Treffen am Bruderholz; 4000 Schwaben
waren von den Schweizern erschlagen worden; auf diese leidige Botschaft
hin wurden die Gemache der kaiserlichen Burg geschlossen; am Abend
that sich des Kaisers Pfalz wieder auf, er speiste im Freien und war nit
traurig, kunt es wol an sich halten.“" —
Auch Lindau trat dem schmalkaldischen Bunde bei und huldigte der Reformation,
nur waren die Bürger lange schwankend, ja geriethen sogar gegenseitig
in Kampf, ob sie sich an Luthers oder Zwinglis Lehre anschließen soll-