Full text : Zentralblatt für das Deutsche Reich. Vierunddreißigster Jahrgang. 1906. (34)

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stoffauszugs  und  der  jedesmal  frisch  zu  bereitenden  Chromalaun-Jodlösung  in  Probierröhrchen  von
gleicher  Weite  über  einer  weißen  Unterlage  betrachtet.  Andere  Gerbstoffauszüge  geben  tiefbraune  oder
dunkelrot  gefärbte  Lösungen.

Ergeben  sich  bei  der  Beurteilung  der  Farbentiefe  Zweifel  oder  ist  der  verdünnte  Gerbstoffauszug
dunkler  als  die  Vergleichsflüssigkeit,  so  ist  die  Prüfung  nach  2  vorzunehmen.

2.  Prüfung  durch  Ausfärbung  auf  chromierter  Wolle.

Von  dem  zu  untersuchenden  Auszuge  wird  so  viel,  als  2  g  Trockenstoffen  entspricht"),  in  einem
hohen  Becherglas  in  250  cem  Wasser  gelöst.  In  diese,  in  ein  siedendes  Wasserbad  gestellte  Lösung  wird
ein  Strang  von  3·g  Wolle  gehängt,  der  um  einen  auf  dem  Becherglase  liegenden  Glasstab  geknotet  ist,
und  darin  4  Stunden  lang  erhitzt;  hierauf  läßt  man  das  Becherglas  über  Nacht  stehen.  Nach  12  bis
18  Stunden  wird  die  Wolle  ausgedrückt  und  in  150  cem  einer  auf  70°  C.  erwärmten  1  v.  H.  haltenden
wässerigen  Kaliumbichromatlösung  mit  Hilfe  eines  Glasstabs  eine  Viertelstunde  lang  umhergezogen.
Danach  wird  die  Wolle  ausgewaschen  und  getrocknet.  Mit  Sumach=  oder  Galläpfelauszug  wird  in  dieser
Weise  eine  ziemlich  helle,  grünlichbraune  Färbung  erzielt,  deren  richtige  Beschaffenheit  durch  eine  entsprechend
  hergestellte  Vergleichsfärbung  mit  unzweifelhaft  echtem  Gerbstoffauszuge  der  gleichen  Art  und
von  annähernd  gleichem  Gehalt  an  Trockenstoffen  sicherzustellen  ist.  Die  übrigen  wichtigeren  Gerbstoffe
  liefern  bei  gleicher  Behandlung  wesentlich  dunklere,  reiner  braune  oder  rotbraune  Farbentöne.

II.  Eichenholzauszüge,  Fichtenholzauszüge  und  Kastanienholzauszüge.

Liegt  nach  den  unter  1  1  und  2  angeführten  Prüfungen  weder  Galläpfel=  noch  Sumachauszug
vor-  so  wird  reiner  Eichenholz=  oder  Kastanienholzauszug  weiter  nach  den  folgenden  Vorschriften
erkannt.

1.  Verhalten  gegen  Bromwasser.

Werden  10  cm  eines  mit  der  zehnfachen  Menge  Wasser  verdünnten  flüssigen  oder  in  der  zehnfachen
  Wassermenge  gelösten  festen  Auszugs  durch  Stehenlassen  oder  durch  Filtrierung  über  Asbest  oder
Glaswolle  geklärt  und  mit  der  gleichen  Menge  Bromwasser  versetzt,  so  entsteht  kein  Niederschlag,  wenn
reine  Eichenholzauszüge  oder  reine  Kastanienholzauszüge  vorliegen.

·  2.  Verhalten  gegen  konzentrierte  Schwefelsäure.

Werden  etwa  2  g  Auszug  bei  nicht  mehr  als  100°  C.  getrocknet  und  von  dem  Rückstand  etwa
0,05  g  mit  5  Tropfen  konzentrierter  Schwefelsäure  in  einem  Porzellanschälchen  vermischt,  so  entsteht  mit
keinen  Eichenholt=  oder  Kastanienholzauszügen  eine  grünlichbraune,  nicht  aber  eine  rotbraune  oder  purpurrote
  Färbung.

3.  Verhalten  gegen  Zinnchlorür-Salzsäure.

Wird  1  cem  eines  flüssigen  Auszugs  oder  1  cem  einer  Lösung  eines  festen  Auszugs  in  der
dreifachen  Wassermenge  mit  10  cem  einer  Lösung  von  50  8  Zinnchlorür  in  100  g  Salzsäure  von  der
Dichte  1,19  vermischt,  so  entsteht  bei  reinen  Eichenholz=  oder  Kastanienholzauszügen  nach  einigen  Minuten
  eine  gelbe  oder  gelbbraune  —  nicht  eine  rote  oder  violette  —  Färbung.

4.  Prüfung  durch  Ausfärbung  auf  chromierter  Wolle.

Falls  die  zu  1  bis  3  aufgeführten  Prüfungen  ein  zweifelhaftes  Ergebnis  haben,  so  ist  nach  dem
unter  1  2  beschriebenen  Verfahren  die  Ausfärbung  auf  Wolle  vorzunehmen  und  die  erhaltene  Färbung
mit  gleichzeitig  dargestellten  Proben  aus  reinen  Eichenholz=  oder  Kastanienholzauszügen  zu  vergleichen.
Es  empfiehlt  sich,  zu  dieser  Vergleichung  auch  Ausfärbungen  mit  Fichtenrindenauszug  und  Quebrachoauszug

  herzustellen.
Schlußbemerkung.

Läßt  sich  auf  Grund  der  unter  1  und  II  aufgeführten  Prüfungen  keine  sichere  Entscheidung  über
die  Natur  des  Gerbstoffauszugs  treffen,  oder  ist  die  zollbegünstigte  Einfuhr  eines  Gerbstoffauszugs  als
Fichtenholzauszug  beantragt,  so  ist  eine  eingehende  Untersuchung  durch  einen  der  bestellten  Fachchemiker
  vorzunehmen.

*)  Diese  Menge  wird  nach  dem  Ergebnisse  der  nach  1  à  ausgeführten  Bestimmung  des  Trockenstoffgehalts  berechnet.
3,9  —  2
1,8

Berlin,  Carl  Heymanns  Verlag.  —Gedruckt  bei  Julius  Sittenfeld  in  Berlin.

In  dem  vorher  angeführten  Beispiele  wären  =  1,3  g  des  Auszugs  anzuwenden.