Full text : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Dreiundvierzigster Jahrgang. 1882. (43)

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Zumeffung  der  Strafen  nach  der  Schädlichkeit  und  Gefährlichkeit  des
Verbrechens.

Art.  42.

Die  Strafbarkeit  eines  Verbrechens  steigt  und  füllt:

1)  nach  der  Größe  der  bei  dem  Verbrechen  beabsichtigten  oder  zugefügten
Beschadigung;

2)  nach  dem  Umfange  der  Beschädigung  oder  Gefahr,  je  nachdem  diese
sich  nur  auf  Einzelne,  Mehre,  eine  unbestimmte  Menge,  eine  ganze  Gemeinde
  oder  den  Staat  erstreckt.

Bei  Verbrechen,  wobei  verschiedene  Strafsätze  vorkommen,  welche  sich
nach  der  Größe  des  Werthes  der  Sache,  die  Gegenstand  des  Verbrechens  gewesen
  ist,  richten,  ist  die  Strafzumessung  innerhalb  des  einzelnen  Strafsatzes
nach  den  überhaupt  für  die  Zumessung  geltenden  Rücksichten  vorzunehmen.

Art.  43.

Bedarf  es  zur  Beurtheilung  der  Strafbarkeit  eines  Verbrechens  der  Ermittelung
  des  Werthes  einer  Sache,  so  ist  der  gemeine  Werth  derselben  zur
Zeit  der  Verübung  des  Verbrechens  zu  berücksichtigen  und  dieser  Werth,  wenn
die  Sache  in  unverändertem  Zustande  vorhanden,  Gerichtswegen,  nöthigen  Falles
durch  Sachverständige  auszumitteln.  Ist  die  Sache  aber  nicht  mehr,  oder  nicht
in  unverändertem  Zustande  vorhanden,  so  kann  der  Richter  den  Eigentbümer
der  Sache,  oder  denjenigen,  dem  sie  zur  Verwahrung  oder  Beaufsichtigung  anvertrauet
  war,  den  Werth  angeben  oder  schätzen  und  mittelst  Eides  oder  an
Eidesstatt  versichern  lassen,  daß  die  Angabe  oder  Schätzung  seiner  Ueberzeugung
  gemäß  sey.

Wo  es  sich  um  Ermittelung  eines  zugefügten  Vermögensnachtheiles  handelt,
  der  nicht  in  der  Entziehung  einer  Sache  besteht,  soll  gleichfalls  Ermittelung
  durch  Sachverständige  und  aushülfsweise  durch  Eid  des  Beschäadigten  oder
dessen  Versicherung  an  Eidesstatt  eintreten.

Ist  in  den  vorgedachten  Fällen  eine  Ermittelung  auf  die  eine  oder  andere
Art  nicht  herzustellen,  so  tritt  das  freie,  die  vorliegenden  Umstände  berücksichtigende
  Ermessen  des  Richters  ein,  mit  der  Beschränkung,  daß  derselbe  keine
Strafe  erkennen  kann,  welche  über  die  Hälfte  derjenigen  Strafe  hinausgeht,
die  bei  Annahme  des  höchsten  Werths=  oder  Schadens-Betrages  möglicher
Weise  hätte  erkannt  werden  können.