Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

202  Buch  II.  Kap.  4.

scheidet  zwischen,  Weib“  (wip)  und,  Frau“  (frou,  frouwe,
vrou,  vrouwe).  Das  Wort  Weib  gibt  den  allgemeinen
Begriff  des  Geschlechts,  es  bedeutet  soviel  wie  Eheweib,
drückt  aber  außerdem  noch  das  Standesverhältniß  aus.
In  ersterer  Beziehung  wird  dem  Weibe  die  Magd  (maget,
junkfrou)  entgegengesetzt  —  die  Magd,  d.  i.  das  Mädchen,
  die  Jungfrau,  wird  zum  Weibe,  sagen  die  mittelhochdeutschen
  Dichter,  wo  sie  vom  Vollzug  der  Ehe  sprechen
—  in  letzterer  ist  durch  die  Gegenüberstellung  von  Weib
und  Frau  der  Gegensatz  der  Unterordnung  und  der  Ueberordnung
  ausgeprägt.  Denn  Frau  war  in  der  Blüthezeit
  des  Mittelalters  gleichbedeutend  mit  „Herrin“  und
kam  nur  Weibern  höheren  Standes  zu,  gleichviel  ob  sie
verheiratet  oder  ledig  waren  38).  Daher  nannte  man  eine
ledige  Dame,  um  sie  als  solche  zu  bezeichnen,  auch  häufig
Frau-Magd.  Uebrigens  stritten  die  Minnesänger  unter
einander,  ob  Weib  oder  Frau  der  schönere  Titel  sei,  und
der  erstere  hat  sogar  die  Autorität  Walthers  von  der

halb  in  dem  eines  Räubers.  Wie  hätten  da  Bildung  und  Gebaren
seiner  Frau  und  seiner  Töchter  „höfisch“  sein  können?  Die  Stätten,
wo  die  ritterlich-romantische  Gesellschaft  ihren  Glanz  entfaltete,
waren  die  Pfalzen  und  Burgen  fürstlicher,  gräflicher  und  reichsfreiherrlicher
  Häuser,  Bischofssitze  und  Abteien,  später  auch  die
Edelhöfe  des  reichen  städtischen  Patriziats.

52)  „Meine  Frau  Kriemhild“,  redet  Sigfrid  im  Nibelungenlied
  (Str.  303,  Lachm.  Ausg.)  die  burgundische  Prinzessin  an,  lange
bevor  sie  seine  Ehefrau  ist.