Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

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Sinnengenuß,  m.  Genuß  den  die  erregten  Sinne  gewähren.
  —  Sinneulust,  k.  Lust  von  den  erregten  Sinnen
ausgehend.  —  Sinnenrausch,  zreiz,  m.  Rausch,  Reiz
durch  erregte  Sinne.  —  Sinnentäuschung,  k.  Täuschung
durch  Sinne  hervorgerufen.  —  Sinnenwahn,  m.  Wahn
der  Sinne:  sinnenwahn  band  meinen  sinn  Müllner
Schuld  4,  3.  —  Sinnenwelt,  k.  Welt  soweit  sie  in  die
Sinne  fällt,  Erscheinungswelt.  —  Sinnesänderung,  k.
Auderung  des  Sinnes,  Wollens.  —  Sinnesart,  (.  Art
zu  denken,  zu  wollen  und  zu  streben:  das  gleichgewicht
ibrer  durchaus  friedfertigen  sinnesart  CF  Meyer
Jenatsch  2600.  —  Sinnesgenosse,  m.  Gleichgesinnter:
der  herr  vorredner  und  seine  sinnesgenossen  Bismarck
Ned.  4,  11.  —  Sinneswechsel,  m.  Wechsel  des  Sinnes,
Wollens,  Anschauens.  —  Sinnesweise,  f.  Weise  des
Sinnes,  Wollens,  Anschauens:  die  strenge  sinnesweise
Leinrichs  II1.  Ranke  Werke  1,  17.  —  Einneswerkzeng,
  n.  deutscher  Ausdruck  für  Organ  (in  Bezug  auf
den  Körper),  von  Campe  in  der  Form  sinnwerkzeug
vorgeschlagen.  —  sinnfällig,  neuer  Ausdruck  für  in  die
sinne  kallend,  oben  sinn  3.  —  Siungedicht,  u.  Verdeutschung
  von  Epigramm  durch  Zesen.  —  sinnlos,
ohne  Sinn,  Besinnung,  Verstand;  von  Menschen:  sinnlos,
  cmens  Stieler;  bin  wie  sioplosz,  stumm  und
taub  Königsb.  Dichterkr.  102;  in  verschiedener  Einschränkung
  der  Bed.:  sie  ist  sinnlos  (ohnmächtig)
Hv  Kleist  Schroffenst.  5,  1:  ich  war  sinnlos,  wenn
ich  das  gesagt  Müllner  Schuld  4,  3;  habe  sich  der
sinnlose  mit  blinder  wuth  in  die  vwalle  des  andern
geworken  C  F  Meyer  Jenatsch  161;  angst  [licsz  mich
so  sinnlos  schwatzen  Grabbe  1,  200;  von  Dingen:
sinnlose  wörter,  ein  sinnloser  ausdruck,  satz  Adelung;
lösung  cines  sinnlosen  räthsels  Freytag  Erinn.  92.
Dazu:  Sinnlosigleit,  s.  —  sinnreich,  reich  an  Sinn,
Verstand,  mhd.  sinveriche;  von  Personen,  klug,  verständig:
  swelch  sinne  richer  man  Hartmann  2.  Büchl.
21;  das  ja  die  alten  sinnreicher  sein  denn  die  jungen
Luther  4,  1915;  eines  gesitteten  und  sinnreichen
volkes  Wieland  Ag.  3,  2;  auf  den  besondern  Fall  bezogen:
  wir  sind  sinnreich,  uns  zu  quälen  Brockes
2,  372;  so  sind  viele  (Herren)  so  sinnrcich,  dasz  sie
von  ihm  (dem  Hofmeister)  alle  wissenschaften.  fordern
Rabener  3,  11;  eios  war  zu  dem  vergnugen  des
andern  sinnreich  Gellert  4,  428;  gott  als  der  kunstund
  sinnreiche  schöpfer  ull  der  wunderbaren  dinge
Keller  Werke  1,  64;  von  Dingen,  Klugbeit,  Verstand
erweckend  oder  anzeigend:  Lyäus  lehret  bessre  lieder:
nichts  ist  so  sinnreich,  als  der  wein  lUz  1,  60;  sinnreiche
  reden,  sprüchc,  einfülle;  sinnreich!  .  sehr
sinnreich  Schiller  5,  166.  —  Einnspruch,  m.  besonderen,
  nachdrücklichen  oder  tieseren  Sinn  gewährender
Spruch;  Spruch  als  Aufschrift  eines  Sinnbildes.  —
sinnverwandt,  dem  Sinn,  der  Bedeutung  nach  verwandt:
sinnverwandte  ausdrucke,  wörter.  —  sinnverwirrt,  im
Sinn,  Bewußtsein,  Denken  verwirrt.  —  finnvoll,  voll
Emn,  bedeutungsvoll,  zuerst  bei  Campe  als  neues
Wort:  mit  sinnvoller  hingebung  Ranke  Werke  1,  274;
durch  festes  ceremaniell,  sinnvollen  brauch  eingehegt
  Freytag  Bild.  1,  18.

Siunen,  1)  Gedanken  anhaltend  auf  etwas  richten,
nachdenken,  erdenken;  hoch=  und  niederd.  Wort,  abd.
als  sinnan  noch  in  der  sinnlichen  Bed.  des  Gebens,  sich
wohin  Wendens  (vgl.  einn),  mhd.  mud.  als  einnen.
fries.  als  sinna  in  den  abgeleiteten  heutigen  Begriff
übergegangen,  entstanden  wohl  aus  vorgeschichtlichem
sindnan,  (iner  Wurzel  mit  ahd.  sind,  gals-  sins,  altsächs.
  altengl.  si5,  altnord.  sinnr.  Weg,  Gang;  urverwandt
  zu  irisch  sct  Weg  und  zu  dem  schon  abstract  gewordenen
  lat.  scutire  fühlen;  starkes  Verbum,  mit  dem
Prät.  mhd.  zann,  sunnen,  Part.  gesunnen.  Formen  die
sich  im  17.Sb.  zu  er  sann  und  sonne,  Part.  gesonnen
(Stieler)],  seit  dem  18.  zu  sann,  Plur.  sannen,  Part.

Sinnengenuß  —  sinnen.

sinnen.  622
gesonnen  veräudert  haben;  Conj.  älter  sönne:  söonen  dic
magnatcn  auf  edte,  grosze  thaten  Göckingk  3,  125;
später  sä#une:  uls  sänne  sie  darüber  nach  Heyse  Par.
1,  3;  dazu  seit  dem  Mhd.  schwache  Formen,  Prät.
sinnete,  die  sich  auch  im  älteren  Nhd.  halten:  ich  sinnte,
du  sinntest,  er  sinntc  Stieler;  sioneten  sie  im  nach
Schild  ürger  A  4,  und  im  Part.  geeinnt  bis  jetzt  dauern.
Fügung  absolut:  scharf  sinnen,  ecerrim  cogita--cione
  versare  Stieler;  wer  nicht  schürfer  sinnt  als
siebt  Günther  123;  zu  brüten  und  zu  sinnco  Schiller
Wallenst.  Tod  1,  1;  mit  einsachem  Acc.,  besonders  in
dichterischer  Spr.:  wenn  der  pock  was  sinnt  nod  tieht
Sandrub  3;  nun  aber  hatt  ich  was  zu  sinnen  Eichendorff
  Taugen.  25;  sinnt  ihr  bünder  nur  und  fesseln?
Arndt  419;  sinnst  du  auch  nichts  gefäbrliches?
Schiller  Tell  3,  1;  was  er  sinnt,  ist  schrecken  Uhland
400;  wano  wird  man  rwieder  susze  lieder  sinnen?
Strachwitz  Ged.  70;  mit  dem  Nebenbegriff  der  Hofsnung:
  wir  .  sinnen  ach!  ein  frohes  wicderschn
Voß  6,  14;  in  erweiterter  Fügung,  mit  Angabe  der
Wirkung:  sich  bhalbtot  sinnen;  ich  wurde  mich  zu
schanden  sinnen  Lessing  ant.  Briese  3;  unpersönlich:
es  sinnt  sich  gut  im  kahne  Geibel  2,  56;  mit  abhängigem
  Satze:  er  sinnt,  wic  er  das  erreichen  könne;
vgl.  mhd.,  hier  zugleich  mit  Gen.:  des  wurdin  si
sinnen,  wi  si  mit  listin  herbin  si  mochtin  vorterbin
Jeroschin  11654;  mit  Präpositionen,  gewöhnlich  auf:
nuf  eine  list,  was  neues,  seine  erhaltung,  mittel,  der
stadt  verderben  sinnen  Steinbach;  sinnt  er  still  aul
unerhörte  that  Goethe  Iphig.  1,  3;  doch  auch:  swer
näch  éren  sinne  Wigal.  1,  20;  (wie  ich)  um  mich  her
nach  einer  gattin  sann  Goethe  nat.  Tocht.  4,2;  uber
die  innerlichkeiten  des  menschen  .  .  fortwährend  zu
sinnen  und  zu  spinnea  ital.  Reife  III;  wolten  si  ze
#röuden  sionen  Walther  98,  4;  schweizerisch  an  einen.
etwas,  in  der  Bed.  von  denken  le:  ich  sinne  noch
immer  daran,  wie  du  gesagt  hast,  auf  kleinen  gutehen
schlage  man  den  zins  nicht  heraus  JGotthelf  Uli
d.  Kn.  236;  (er)  sann  —  wahrlich  nicht  an  das  hardarische
  müdchen,  sondern  an  den  römischen  classiker
CF  Meyer  Nov.  1,  238;  Inf.  als  Subst.:  umsonst,
dasz  trocknes  sinnen  hier  dic  heilgen  zeichen  dir  erklärt
  Goethe  Faust  I;  ihr  stand  indesz  all  ihr  sinnen
und  trachten  nach  der  fremde  Ranke  Päpste  3,  97;
mein  sinnen  schwand  Geibel  1,  177;  im  Part.  der
Gegenwart:  ein  sinnender  wandersmann  Arndt  112;
von  Körperteilen,  die  ein  Sinnen  erkennen  lassen:
sinnende  stirne,  augen;  mit  sinnendem  haupt  sasz  der
kaiser  da  Schiller  Graf  v.  Habsburg;  Part.  der  Vergangenheit,
  in  starker  Form,  namentlich  in  der  Verbindung
  gesonnen  sein:  (Strick)  womit  er  den  dieb.
aufzuhüngen  gesonnen  ist  Schiller  Fiesko  4,  13;  ich
bin  nicht  gesonnen,  in  meiner  dicner  schuld  zu  stehn.
Karl.  3,  10;  in  schwacher  Form,  die  sich  ost  geradezu
als  partizipiale  Ableitung  vom  Subst.  sinn  (mhd.  gesinnet
  —  mit  Sinn,  Geist,  Gedanken  begabt)  erweist:
so  ist  er  gesinnet,  eic  animatus  esk  Stieler;  gut,
wohl,  friedlich,  freundlich,  feindlich,  schlecht.  böse  gesinnt,
  bisweilen  auch  zusammengerückt  geschrieken;  er
ist  liberal,  con:crvativ,  rachkal  gesinnt;  mit  präpositionaler
  Bestimmung:  llephaistos,  auf  die  erbeit  gesinnt
  Goetbe  Achill.  94;  mit  persönlichem  Dat.  oder
entsprechendem  Ersatz:  lange  war  er  feindlich  mir  gesinnt
  Schiller  Wallenst.  Tod  1,  1;  wie  ich  ru  dir
gesinnt  bin,  fuhlst  du  nicht  Goethe  Tasso  2,  4;  wio
bist  noch  gegen  mich  gesiont?  Bürger  venorc;  vio
ich  für  ihn  gesinnt  bin,  weisz  der  fürs“  Schiller
Picc.  4,  7;  mit  Inf.,  durch  2#u  vermittelt:  wie  er  nicht
gesinnt  sei,  ihm  vachzugeben  Goethe  W.  Meister  1,  19.
2)  reflerives  schwaches  sinnen,  in  älterer  Spr.,  feinen
Sinn  gestalten,  einrichten:  so  hiesz  es  doch:  viel  köpte,
vich  sinne,  weil  sich  jeder  kopf  nach  seinem  glucke