Full text : Bilder aus der letzten Kaiserzeit.

Bilder  aus  der  letzten  Kaiserzeit.

inhalt,  die  gleichzeitige  Regelung  der  ägyptischen  und  der
marokkanische  Frage,  lieferte  einen  deutlichen  Beweis  für
die  wirklich  unter  den  Westmächten  bestehende  entente
cordiale.  In  dem  französischen  Protektorat  über  Marokko,
wie  es  die  englische  Erklärung  umschrieb,  war  man  über
deutsche  wirtschaftliche  Interessen  und  Rechte  glatt  hinweggegangen.
  Der  alte  russische  Freund  war  durch  einen
Krieg,  der  sehr  unglücklich  begonnen  hatte,  im  Fernen
Osten  festgelegt.  Ein  Besuch  des  Präsidenten  der  Französischen
  Republik,  Loubet,  in  Rom  und  Neapel  stand  unmittelbar
  bevor.  Kein  Wunder,  daß  sich  in  der  deutschen
Offentlichkeit,  namentlich  der  alldeutschen,  ein  Gefühl  der
Vereinsamung  ausbreitete,  das  auch  schon  im  Deutschen
Reichstag  (12.  und  14.  April)  zu  starkem  Ausdruck  gekommen
  war.  In  der  Presse  wünschte  Bülow  die  Lage  wie
folgt  behandelt  zu  sehen:

„20.  April  1904.

Es  muß  immer  wieder  darauf  hbingewiesen  werden,  daß  dieselben
Ulkrachauvinisten,  welche  jetzt  ein  Stückh  von  Marokko  verlangen,  und
überhaupt  überall  annektieren  wollen,  durch  ihr  sostematisches  Hetzen  gegen
England  und  ihre  fanatisch-bornierte  Burenschwärmerei  die  Annäherung
zwischen  England  und  Frankreich  ermöglicht  haben.  Mit  welchem  Unverstand
  wurde  ich  angegriffen,  als  ich  davor  warnte,  sich  den  Inspirationen
einer  kopflosen  Gefühlspolitik  hinzugeben!  In  einer  Zeit,  wo  Presse  und
öffentliche  Meinung  eine  so  große  Nolle  spielen  wie  heute,  krägt  für  die
Exzesse  der  Einen  wie  der  Anderen  schließlich  immer  das  Land  selbst  die
Verankworkung.

Es  wäre  nicht  schlecht,  bei  diesem  Anlaß  der  deutschen  öffenklichen
Meinung  und  Presse  ins  Gewissen  zu  reden,  daß  auswärtige  Fragen  mit
mehr  Ruhe  behandelt  werden  müssen,  ohne  fortgesetztes  Belehren  und  Beschimpfen
  des  Auslandes,  ohne  kindische  Sentimentalitäten,  ohne  Kannegießerei,
  auch  ohne  forkgesehtes  Diskreditieren  der  eignen  Regierung.

Man  hann  von  den  Engländern  lernen,  wie  ein  verständiges  Volk
auch  schwere  und  lange  dauernde  milikärische  Rückschläge  ruhig,  geduldig,
ohne  Rekriminakionen  hinnimmt;  von  den  Franzosen,  wie  man  mit  Vernunfk
  und  Klugheit  über  so  peinliche  Zwischenfälle  wie  Faschoda  wegkommt.
Man  kann  von  beiden  lernen,  daß  man  bei  Abkommen  nicht  bloß  schreien

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