g 198.
Ist bei wechselseitigen iisinen von einem Theile
auf Bestrafung angetragen worden, so ist' der andere Theil bei
Verlust seines Rechts verpflichtet, den Antrag auf Bestrafung
srätestens vor Schluß der Verhandlung in erster Instanz zu
stellen, hierzu aber auch dann berechtigt, wenn zu jenem Zeitpunkte
die dreimonatliche Frist bereits abgelaufen ist.
Der Begriff der wechselseitigen Beleidigungen umfaßt auch die
„auf der Stelle erwiderten“, ist jedoch auf letztere nicht beschränkt.
Die Wechselseitigkeit liegt in der sachlichen Beziehung, in welcher
nach Gestaltung des einzelnen Falles die beiden Beleidigungen zu
einander stehen. Diese Beziehung kann ebensogut eine durch den
Inhalt der Injurie als durch das Verhältniß der Betheiligten bedingte
sein.
Das Gesetz will, daß diese beiden Injurien, dafern jeder der
Beleidigten die ihm widerfahrene Beleidigung zu rügen beabsichtigt,
gleichzeitig verhandelt und abgeurtheilt werden, um bei der Aburtheilung
das Moment der Wechselseitigkeit vollständig würdigen zu können.
Das Gesetz verfügt daher, daß, wenn von einem Beleidigten die ihm
wlderfahrene Beleidigung gerügt wird, der andere Theil verpflichtet
sei, die ihm widerfahrene Injurie bis zu dem Zeitpunkte zu rügen,
bei welchem dem Richter es noch möglich ist, auch die zweite Injurie
zum Gegenstande der gerichtlichen Verhandlung und Entscheidung
zu machen. Um jedoch einen Mißbrauch dieser Bestimmung Seiten
dessen, welcher zuerst Strafantrag gestellt hat, auszuschließen, hat
das Gesetz dem Anderen die Geltendmachung der ihm widerfahrenen
Injurie in dem vorgeschriebenen Maße auch dann gestattet, wenn die
Antragsfrist bezüglich dieser Injuric abgelaufen war. In diesem
Falle wird daher durch das Gesetz die vielleicht erloschene Antragsfrist
gleichsam wieder hergeslellt. Andererseits wird durch diese Vorschrift
des Gesetzes nach Befinden die Antragsfrist des an zweiter
Stelle Beleidigten dann verkürzt werden, wenn bei dem in § 198
bestimmten Präclusivtermine die gesetzliche Antragsfrist noch nicht
abgelaufen war.
Dagegen wird selbstverständlich bei Anwendung des 198
vorausgeseyt, daß die zweite Beleidigung zu einer Zeit verübt