Volltext : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

In  den  germanischen  Wäldern.  15

jener  Wilden  gekommen  und  gegangen  sein,  bevor  sie  sich
aus  thierischem  Vegetiren  auch  nur  zu  dem  Zustande
heraufgebildet  hatten,  in  welchem  Cook  und  seine  Gefährten
  sie  trafen.  Sie  besaßen  doch  schon  eine  ziemlich
entwickelte  Sprache,  eine  gewisse  soziale  Ordnung  und  das
Bedürfniß  der  Erinnerung  an  ihre  Vorfahren.  Wo  aber
das  letztere  als  ein  nothwendiges  Zubehör  der  eigenen
Existenz  von  den  Menschen  einmal  gefühlt  und  gepflegt
wird,  da  hebt  die  Ueberlieferung,  die  Amme  alles  Wissens
von  Geschehenem,  ihre  Thätigkeit  an  und  damit  schreitet
ein  Volk,  welches  überhaupt  bildungsfähig  ist,  aus  dem
bloßen  Naturdasein  mälig  auf  das  Gebiet  des  Geistes
und  der  Geschichte  vor.

Wie  unendlich  langsam  im  Anfange  dieses  Vorschreiten
der  Menschheit  sein  mußte,  ist  Jedem  einleuchtend,  welcher
beobachtet,  was  für  Schwierigkeiten  die  Kraft  der  Trägheit
  und  die  Macht  der  Gewöhnung  den  Forderungen  der
Vernunft  und  Humanität  nicht  allein  in  den  urtheilslosen
Massen,  sondern  in  allen  Gesellschaftskreisen  auch  heutzutage
  noch  entgegenstellen.  Es  müßte  sehr  anziehend  sein,
im  Einzelnen  zu  wisfen,  wie  vieler  Jahrhunderte  es  bedurfte,
  bis  die  Ahnen  der  jetzigen  Kulturvölker  Europa's
auch  nur  die  ersten  Elemente  der  Civilisation,  ja  sogar
nur  die  ersten  Vorbedingungen  eines  über  das  thierische
emvorgehobenen  Daseins  sich  zu  eigen  gemacht.  Alle
geistige  Kultur  hat  schon  einen  gewissen  Grad  von  materieller
  zur  unumgänglichen  Voraussetzung  und  höhere
Bildung  kann  bekanntlich  überhaupt  erst  dann  beginnen,
wann  der  Mensch  aus  einem  Jäger,  Fischer  oder  Hirten