Contents : Tägliche Erinnerungen aus der sächsischen Geschichte.

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die  Infanterie,  und  der  Uebergang  begann  den  27.  November  unter
dem  steten  Feuer  der  russischen  Kanonen.  Eine  starke  Abthellung  der
französischen  Armee  mußte  so  lange  den  Uebergang  über  die  Brücken.
decken  und  dem  feindlichen  Feuer  sich  bloßgeben,  bis  alle  Truppen
mit  Geschütz  und  Gepäck  hinübergelangt  wären.  Dazu  waren  leides
auch  die  Ueberreste  der  Sachsen,  welche  mit  in  Moskau  gewesen,  waren,
  commandirt.  Was  von  den  schönen  Regimentern  Zastrow,  Garde
du  Corps,  Piinz  Johann,  Low  und  Rechten,  so  wie  von  dem  Artillerieparke
  noch  übrig  war,  mußte  an  der  Brücke  ausharren,  den  Glücklichen,
  welche  entkamen,  zusehen,  den  Kugelregen  der  russischen  Geschütze
  ertragen  und  zwei  lange  Tage,  den  27.  und  28.  November,
die  Kälte  von  dreißig  Grad  aushalten.  Auch  das  haben  sächsische
Soldaten  im  Dienste  eines  fremden  Gewalthabers  standhaft  gethan!
—  Der  Räckzug  über  die  Brücken  geschah  übrigens  in  schauderhafter
Unordnung.  Jeder  wollte  zuerst  hinuber;  ein  unbeschreibliches  Gedränge
  entstand;  aller  Gehorsam  hörte  auf;  der  Gemeine  stieß  den
Officier,  der  Bruder  den  Bruder  von  der  Brücke  hinab  ins  Wasser,
um  nur  Maß  für  seine  Rettung  zu  gewinnen.  Artillerie,  Bagage,
Reiterei  —  Alles  ging  durch  einander;  Hunderte  wurden  im  Nu  von
den  Wagen  und  Pfekden  erdrückt,  oder  von  den  schmalen  Brücken  hinabgeworfen.
  Furchtbares  Fluchen,  Hilfeschreien,  Klaggestöhn  und
Getöse!  Grausenvolles  Blutbad,  das  die  russischen  Kanonen  auf  den
Brücken  anrichteten!  Endlich  am  28.  November,  Mittags,  durften
auch  die  Sachsen  ihre  Stellung  verlassen  und  über  die  Brücke  gehen;
aber  die  Brücke  ward  zu  früh  abgetragenz  viele  geriethen  noch  in  die
Gefangenschaft  der  Russen,  oder  fanden  den  traurigsten  Tod.  Ein
ahnliches,  grausenvolles.  Schauspiel  als  diesen  Uebergang  findet  man
kaum  irgendwo  in  der  Kriegsgeschichte.

28.  November.
Sachten  in  geittiger  Knechtlohaft.

Der  traurigste  und  betrübendste  Zustand  eines  Landes  ist  der,
wo  nicht  allein  die  dußeré,  politische,  sondern  auch  die  Geistesfreiheit
in  Fesseln  gehalten  wird;  wo  nicht  frei  gesprochen,  viel  weniger  geschrieben
  oder  gedruckt  werden  darfz  wo  jeder  Brief,  jedes  Buch,  sogar  das
Gespräch  an  öfentlichen  Orten  von  geheimen  Aufpassern  belauscht
und  vor  das  Gericht  einer  tprannischen  Polizei  gestellt  wird.  So
war  es  einst  in  alten  Zeiten  unter  den  römischen  Kaisern,  die  bald
nach  Christi  Tode  regierten,  wo  man  mit  Schmerz  sagen  mußte:
„Schweigend  wandeln  wir  aus  der  Jugend  ins  Alter.“  So  war