202 Friedrich Wilhelm II, König von Preussen und Danton.
konnte die Lage der Armee nicht bessern und es blieb nur der
Rückzug übrig, zu dessen Sicherung die Convents-Commissäre
noch zuletzt in dem Vergleich von Verdun (am 14. October)
mitwirkten. Die Verfolgung durch Kellermann’s Truppen und
durch das Corps des Generals Valence ward zu einer friedlichen
Eseorte.
Der König war für grosse und umfassende Pläne entzündlich
und hatte sich seit dem holländischen Feldzug in die weitaussehendsten
Unternelimungen gestürzt. Dabei versprach die natürliche
Güte, die ihn Jedermann mit gleichem Wohlwollen empfangen
liess, nach dem Druck, welchen Friedrich, der Einsiedler
von Sanssouci, auf Bürgerthum, Beamte und Kriegskameraden
ausübte, eine Zeit der Milde und Menschenfreundlichkeit.
Während er in seiner schwellenden Naturkraft und in einem
feurig rollenden Blutreichthum das Zeug zu einem grossen Mann
und Helden in sich fühlte, wollte er durch und durch Deutscher
sein und mit den Zeichen der Anerkennung, die er einigen
Dichtern und Verherrlichern von Friedrich’s II. Thaten widmete,
der vaterländischen Litteratur eine neue Ära eröffnen. Eine
hünenmässige und doch bewegliche Figur schien ihm seine grosse
Bestimmung zu verbürgen und er [ühlte sich als den rechten
Helden des Tages und Agamenmon Europa’s, als er an der Spitze
seiner Preussen und der verbündeten Österreicher und Hessen
den Heereszug nach Paris antrat.
Dieser heroischen Gestalt fehlte aber die Kraft zur Arbeit.
Die Mühen des Details waren dem Fürsten lästig. Zwischenfälle
schnellten ihn leicht in sein Inneres zurück, dort fand er
aber weder Nachhalt zur Ausdauer, noch Nahrung für sein jähes
und bald wieder zusammensinkendes Feuer. Diese Leere suchte
er mit der Befriedigung sinnlicher und stürmischer Reize auszufüllen
und die Folge war nur grössere Ermattung und Verödung.
Als er noch in der Champagne stand, hatte er sich mit der
Gräfin von Dönhoff, seiner zweiten Nebenfrau, nach dem Tode
der Gräfin von Ingenheim, geborenen von Voss, überworfen und von
ihr getrennt. Briefe aus Berlin meldeten ihm, dass diese Geliebte,
die ihn schon vorher mit Vorwürfen und Klagen’ und nach
wiederholten Wiederversöhnungen mit neuen Stürmen gemartert
hatte, sieh mit Missachtung über ihn aussprach und über die
tödtliche Last und Langeweile beklagte, welche ihr die Beweise