Full text : Wegweiser für Ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege.

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das  vornehmste  Mittel  zur  Hebung  der  wirtschaftlichen
Verhältnisse  durch  Selbsthilfe,  sondern  sie  sind  auch  in
immer  bedeutsamerer  Weise  die  Träger  der  verschiedenartigsten
Wohlfahrtseinrichtungen  im  engeren  Sinne  geworden.
Wir  werden  bei  der  Behandlung  der  einzelnen  Fragen  immer
wieder  auf  die  Arbeit  der  Genossenschasten  hinzuweisen  habe

Wenn  auch  die  Mittel,  deren  sich  die  ländlichen  etnass.
schaften  bedienen,  in  erster  Linie  wirtschaftliche  sind,  so  liegt  es
doch  in  ihrem  Wesen,  daß  sie  ihren  Einsluß  auf  das  gesamte
soziale  und  geistig-  sittliche  Leben  der  Landbeböl.
kerung  geltend  machen.  Daß  eine  wirtschaftliche  Hebung  der
minderbegüterten  Klassen  der  Landbevölkerung,  die  die  Hauptmasse
der  ländlichen  Genossenschafter  ausmachen,  an  sich  schon  gleichzeitig
  ihre  soziale  Hebung  bedeutet,  steht  wohl  außer  Frage.
Darüber  hinaus  aber  ist  die  Arbeit  der  Genossenschaften,  wie  Dr.
Max  Grabein  in  der  unten  angeführten  Schrift  ausführlich  darlegt,
  von  der  weitestgehenden  Bedeutung.  So  wirkt  zunächst  die
Zusammenarbeit  der  verschiedenen  Klassen  der  Landbevölkerung
innerhalb  der  Genossenschasten  in  hohem  Maße  in  der  Richtung
auf  den  sozialen  Ausgleich.  Ferner  werden  sowohl  durch  die
Satzungen,  als  auch  durch  die  Art  und  Weise  der  Geschäftsführung
der  häufig  noch  mangelnde  Gemeinsinn,  die  Sparsamkeit  und
Ordnung  befördert  und  sittliche  Grundsätze  im  geschästlichen  Verkehr,
  wic  im  ganzen  Wirtschaftsleben  hervorgerusen  und  gepflegt.
Sodaun  dienen  die  Genossenschaften  der  allgemeinen  geistigen
Aus-  und  Fortbildung,  sie  geben  nicht  nur  allgemeine  Anregungen,
sondern  beeinslussen  auch  ganz  unmittelbar  das  geistige  Leben
durch  Instruktionskurse  und  Schulen,  durch  irre  Versammlungen,
Fachblätter  und  Bibliotheken.  Daß  sie  die  Wohlfahrtspflege
im  engeren  Sinne  erfolgreich  fördern,  wurde  schon  angedeutet
und  wird  im  Verlaufe  der  Darstellung  noch  eingehend  berücksichtigt
  werden.

Die  Erkenntnis  der  überaus  großen  Bedeutung  der  ländlichen
Genossenschaften  ist  ständig  im  Wachsen  begrissen  und  das  Genossenschaftswesen
  hat  demgemäß  eine  großartige  Ausdehnung  erlangt.
  Die  Statistik  ergab  am  1.  Januar  1908  die  Zahl  von  21  309
ländlichen  Genossenschaften.  Bisher  hat  sich  die  #*  der  Genossenschaften
  alljährlich  um  etwa  900  bis  1000  Genossenschaften
vermehrt  und  immer  weitere  Kreise  been  in  den  Bereich  ihrer
segensreichen  Wirksamkeit  gezogen.  Immerhin  aber  sind  bislang
von  den  2500  000  selbständigen  Landwirten  im  Deutschen  Reiche
erst  etwa  1200  000  genossenschaftlich  organisiert.  Hiernach
steht  noch  die  Hälste  der  deutschen  Landwirte  außerhalb  des
genossenschastlichen  Zusammenschlusses.  Es  ist  also  noch  nicht  Zeit.
die  Hände  in  den  Schoß  zu  legen,  und  Pflicht  eines  jeden  Freundes
ländlicher  Wohlsahrtspflege  bleibt  es,  hinzuwirken  auf  das  von
Miauel  ausgestellte  Ziel:s  daß  jedes  Dorf  in  Deutsch-