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erließen einen Aufruf an die Frauen im preußischen Staate. Sogleich gab
auch das weibliche Geschlecht alles, worauf es doch sonst hohen Wert legt,
jede Art von Schmuck, jedes Kleinod, jedes Ersparte. Witwen gaben
einen Teil ihrer dürftigen Pension hin, die Armsten doch noch irgend etwas,
die meisten ihre Arbeitskräfte. Auch die dienende Klasse blieb nicht zurück.
— Ein glänzendes Beispiel von Vaterlandsliebe gab in Breslau Ferdinande
v. Schmettau, die zwar ganz arm, aber im Besitze eines schönen, reichen
Haares war. Sie opferte dasselbe um das gelöste Geld den Freiwilligen
zukommen zu lassen. Ihr Edelsinn wurde aber in ganz unerwarteter Weise
belohnt. Viele wünschten eine bleibende Erinnerung an ihre hochherzige
Tat zu besitzen. Es fand daher dankbare Anerkennung, als jemand das
verkaufte Haar wieder kaufte und daraus allerlei Zieraten, Ringe, Ketten
u. s. w. anfertigen ließ. Das Verlangen nach einem solchen Stück war so groß,
daß der Verkauf der Schmucksachen nach wenigen Wochen dem Freiwilligenfoolnds
die Summe von 139 Talern eingebracht hatte. — Goldene Trauringe
wurden aus allen Gegenden des Landes zu mehreren Tausenden hingegeben.
Es war die Veranstaltung getroffen, daß man dafür eiserne Ringe
mit der Inschrift: „Gold gab ich für Eisen 1813“ zurückerhielt und diese
Ringe werden in den betreffenden Familien noch jetzt wie ein Heiligtum
betrachtet. Außer diesem Sinn der Frauen das Liebste herzugeben, zeigten
sie sich auch in unausgesetzter Tätigkeit für die gute Sache. Frauen und
Mädchen aus allen Ständen, selbst aus den höchsten, nähten Mäntel, Hosen,
Hemden, zupften Wundfäden und strickten mit Emsigkeit für die Freiwilligen
und nicht wenige waren es, die nicht imstande wie andere Geld und Kleinodien
darzubringen, auf solche Weise durch ihrer Hände Arbeit dem Vaterlande
den innigsten Tribut zollten. Später aber haben sie bei Kranken und Verwundeten
in den Lazaretten und Krankenhäusern eine Aufopferung bewiesen,
die des schönsten Kranzes wert ist. Überhaupt war das weibliche
Geschlecht von einem Feuer für die Sache des Vaterlandes entbrannt,
dem an Glanz und Glut kaum etwas gleichkommt, was irgend die Geschichte
berichtet.
Ohne die patriotischen Beiträge hätte die Bildung der freiwilligen
Jägerabteilungen und anderer freiwilligen Scharen weder den Anfang
gewinnen können, den sie wirklich gewann, noch hätte im Kriege selbst
der Bestand derselben erhalten werden können. Ohne den tatkräftigen
Beistand der Frauen aber hätte alles nicht so schnell ins Werk gesetzt, später
noch verstärkt und in Vollzähligkeit erhalten werden können. Durch ihre
Aufopferung und Pflege sind endlich Tausende verwundeter und kranker
Krieger dem Vaterlande erhalten worden, die in verhältnismäßig kurzer
Zeit in die Reihen der Kämpfer zurückkehren konnten.
So arbeitete denn in Preußen mit Aufbietung aller Kraft jeder auf
das gemeinsame Ziel hin. Gegen ein ganzes Volk aber, welches mit starkem
Willen und nachhaltiger Kraft für seine höchsten Güter, Freiheit und Unabhängigkeit,
mit Freudigkeit und Vertrauen auf seine gerechte Sache in
den Tod gehen will, werden alle Eroberer der Welt auf die Länge nichts
ausrichten können. Naq H. Beitzte.