Full text : Jahrbuch der Preußischen Forst- und Jagdgesetzgebung und Verwaltung. Siebenundzwanzigster Band. (27)

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Der  Antragsteller  zu  1  führte  zur  Begründung  aus,  es  werde  häufig  der  Fall
eintreten,  daß  namentlich  der  Besitzer  eines  sehr  ausgedehnten  Jagdreviers  Jagdschutzpersonal
  werde  halten  müssen,  auf  das  die  Voraussetzungen  der  Befreiung  von
der  Jagdscheinabgabe  nicht  zuträfen.  Es  entspräche  der  Billigkeit,  wenn  für  solches
Jagdschutzpersonal,  das,  um  den  Wilddieben  mit  Erfolg  entgegentreten  zu  können,
mit  Gewehren  ausgerüstet  sein  müsse,  die  Jagdscheinabgabe  ermäßigt  werde.  —  Die
Regierungsvertreter  sprachen  sich  entschieden  gegen  den  Antrag  aus,  welcher  der  Umgehung
  des  Gesetzes  Thür  und  Thor  öffne.  Sie  wiesen  darauf  hin,  daß  der
Besitzer  eines  großen  Jagdreviers  sein  Forst-  und  Jagdpersonal  auf  Grund  des
8  23  des  Forstdiebstahlsgesetzes  vom  15.  April  1878  vereidigen  lassen  und  damit  für
dasselbe  die  unentgeltliche  Ertheilung  des  Jagdscheines  erwirken  könne.  Hierzu  habe
jeder  Privatbesitzer  die  Befugniß,  und  nach  dem  vorliegenden  Gesetzentwurfe  sei  nicht
mehr  die  lebenslängliche  Anstellung  die  nothwendige  Voraussetzung  der  Erlangung
eines  unentgeltlichen  Jagdscheins,  sondern  nur  die  Beeidigung  nach  §  23  l.  c.

Nach  diesem  Paragraphen  könnten  solche  mit  dem  Forstschutz  betraute  Personen,
sofern  sie  eine  Anzeigegebühr  nicht  empfangen,  beeidigt  werden,  wenn  sie

1.  Königliche  Beamte  sind  oder

2.  vom  Waldeigenthümer  auf  Lebenszeit  oder  nach  einer  vom  Landrath
(Amtshauptmann,  Oberamtmann)  bescheinigten  dreijährigen  tadellosen  Forstdienstzeit
  auf  mindestens  3  Jahre  mitttelst  schriftlichen  Vertrages  angestellt
  sind,  oder

3.  zu  den  für  den  Forstdienst  bestimmten  oder  mit  Forstversorgungsschein
entlassenen  Militärpersonen  gehören.

Wenn  es  in  dem  bloßen  Belieben  jedes  Jagdbesitzers  liege,  jede  mögliche
Person  zu  einer  „zum  Jagdschutz  bestellten“  zu  stempeln,  so  fehle  der  Behörde  gegenüber
  jede  Garantie  für  die  Persönlichkeit  und  dafür,  daß  es  sich  lediglich  um  eine
Umgehung  dieses  Jagdscheingesetzes  handele.  Ein  Mißbrauch  könne  gar  nicht  ausgeschlossen
  werden.  —  Auch  aus  der  Kommission  heraus  wurde  mehrfach  hervorgehoben,
daß  im  Falle  der  Annahme  des  Antrags  ein  Jagdbesitzer  ja  nur  seine  Kinder  und
Verwandte  zu  „Jagdschutzbeamten“  zu  machen  brauche,  um  ihnen  auf  diese  einfache
Weise  billige  Jagdscheine  zu  verschaffen.  Namentlich  bei  den  Besitzern  kleinerer
Jagden  sei  diese  Gefahr  sehr  naheliegend.  Auch  würde  durch  den  Antrag,  dem  ja
bezüglich  der  Zahl  und  Auswahl  des  zu  bestellenden  Jagdschutzpersonals  jede
Begrenzung  fehle,  dem  unwaidmännischen  Jagdbetriebe  Vorschub  geleistet  werden.
Von  anderer  Seite  wurde  geltend  gemacht,  daß  es  genüge,  die  mit  dem  Jagdschutz
betrauten  Personen  mit  Säbel  und  Revolver  auszurüsten.

Ein  Mitglied  regte  an,  ob  nicht  durch  Einfügung  der  Worte  „Privatförster
oder  Jäger“  in  den  Antrag  dieser  annehmbarer  gemacht  werden  könne.

Von  anderer  Seite  wurde  jedoch  erwidert,  daß  damit  gar  nichts  gewonnen
werde,  denn  es  stehe  jedem  Jagdbesitzer  frei,  jede  beliebige  Persönlichkeit,  namentlich
auch  seine  Kinder,  zu  seinen  „Jägern“  zu  machen.

Der  Antragsteller  machte  darauf  aufmerksam,  daß  die  Voraussetzung  der  Beeidigung
  das  Nichtempfangen  einer  Anzeigegebühr  sei.  Die  Aussicht  auf  eine  Anzeigegebühr
  sei  aber  für  das  Jagdaufsichtspersonal  gerade  ein  sehr  lebhafter  Ansporn
zur  Bethätigung  von  Eifer  und  Aufmerksamkeit.  Er  kenne  ein  großes  Revier,  wo
über  100  Mark  jährlich  an  Prämien  gezahlt  und  dadurch  die  besten  Erfolge  gegen