Full text : Das Buch von unsern Kolonien.

—  107  —

in  seiner  Stadt  wiederholt  bedroht.  Sie  haben  Bell-Leute  gefangen  ge—
nommen,  haben  Boote  der  Bell-Leute  auf  dem  Fluß  überfallen  und  be—
raubt,  sie  haben  auch  untersagt,  daß  die  Deutschen  mit  König  Bell  Handel
trieben,  und  haben  verschiedene,  den  Faktoreien  gehörige  Kutter,  die  mit
Waren  beladen  waren,  geplündert.  Die  deutsche  Faktorei  gehört  Woermann
in  Hamburg,  und  ein  gewisser  Pantänius  aus  Lübeck  ist  Vorsteher  der
Faktorei.  Dieser  hat  es  verstanden,  sich  bisher  der  Neger,  unter  denen
die  Yoß-Leute  die  schlimmsten  sind,  zu  erwehren.  Sie  sind  wiederholt
bei  ihm  erschienen  und  haben  ihn  mit  dem  Tode  bedroht,  wenn  er  ihnen
nicht  größere  Quantitäten  Rum  ausliefere.  Zweimal  haben  sie  versucht,
ihn  zu  überfallen,  zum  Glück  kam  immer  Hilfe,  das  erstemal  war  es  ein
englisches  Kanonenboot,  ein  anderesmal  befand  sich  auf  der  Faktorei  als
Besuch  ein  Basler  Afrikareisender,  welcher  80  zuverlässige  Neger  aus
Ober-Guinea  bei  sich  hatte.  Auch  gegen  die  anderen  Weißen  haben  sich
die  Yoß-Neger  große  Unverschämtheiten  erlaubt.  Sie  haben  den  Handel
ganz  und  gar  verboten,  sie  haben  auch  einen  englischen  Kaufmann  gefangen
  genommen,  bis  ein  wegen  einer  Schuld  von  einem  anderen  Engländer
  gefangen  genommener  Neger  aus  Dido-Stadt  freigelassen  wurde.
Es  muß  den  Negern  gezeigt  werden,  daß  Deutschland  kräftig  genug  ist,
seine  Kaufleute  zu  schützen.  Wir  werden  deshalb  morgen  eine  Landung
machen,  um  diejenigen  zu  ermitteln,  welche  den  Handel  stören  und
überall  die  Nachricht  verbreiten,  das  Deutsche  Reich  habe  keine  Schiffe,
und  man  brauche  ihm  nicht  zu  gehorchen.  Gewalt  wird  nur  angewendet
werden,  wenn  die  Neger  selbst  Gewalt  gegen  uns  gebrauchen.“

Mit  leicht  begreiflicher  Erwartung  begab  sich  die  Besatzung  der
Kriegsschiffe  „Olga“  und  „Bismarck“  an  jenem  Tage  zur  Ruhe.  Der
nächste  Tag  brachte  vielleicht  ein  Gefecht,  wenn  die  Neger  töricht  genug
waren,  sich  der  Landung  der  Deutschen  zu  widersetzen.  Als  am  nächsten
Morgen  „Reise“  (d.  h.  rise,  aufstehen)  und  „Hängematten  auf“  befohlen
wurde,  eilten  selbst  die  Langschläfer  sogleich  an  Deck,  weil  man  jeden
Augenblick  den  Befehl  zum  Landen  vom  Flaggschiff  erwartete.  Aber  erst
lange  Zeit  nach  dem  Frühstück,  gegen  9  Uhr  morgens,  ging  das  Flaggensignal
  auf  dem  „Bismarck“,  auf  dem  sich  Admiral  Knorr  befand,  in  die
Höhe.  Auf  den  Kriegsschiffen  wurden  die  Boote  ausgesetzt  und  mit
Geschützen,  Handwaffen,  Munition,  Wasser,  Proviant,  Segeln,  Masten,
Verbandzeug,  Tragbahren  usw.  versehen.  Es  waren  330  Mann  mit  vier
Landungsgeschützen,  welche  in  den  Pinassen,  Barkassen  und  Kuttern  an