Full text : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1908. (74)

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Hat  ein  Schüler  auch  nach  zweijährigem  Besuche  einer  Klasse  ihr  Ziel  nicht  erreicht,  so
ist  er  von  der  Anstalt  zu  entlassen,  wenn  er  nicht  durch  unverschuldete  Umstände  längere  Zeit
im  Fortschreiten  gehindert  worden  ist.  Dasselbe  hat  in  der  Regel  auch  dann  zu  geschehen,
wenn  ein  Schüler  zwei  Halbjahre  nacheinander  im  Fleiß,  im  Betragen  oder  in  den  Leistungen
(nach  dem  Durchschnitt  der  Fachzensuren)  die  Zensur  „ungenügend“  erhalten  hat.  Die  Ent—
lassung  darf  aber  in  diesen  Fällen  nur  verfügt  werden,  wenn  zuvor  den  Eltern  unter  Hinweis
auf  die  zu  erwartende  Entlassung  die  freiwillige  Wegnahme  des  Schülers  angeraten  worden,
dieser  Rat  aber  ohne  Erfolg  geblieben  ist.

8  58.  Jede  Oberrealschule  veröffentlicht  vor  Ostern  einen  vom  Rektor  zusammengestellten
Jahresbericht,  der  Mitteilungen  enthält  über  Veränderungen,  die  im  Laufe  des  Schuljahres  an
der  Anstalt  eingetreten  sind,  über  besondere  Vorkommnisse,  wichtige  Verordnungen,  ferner  einen
Bericht  über  den  Unterricht  in  allen  Klassen  und  den  dabei  eingehaltenen  Gang,  sodann  genaue
Angaben  über  die  Ergebnisse  der  im  Schuljahre  abgehaltenen  Reifeprüfungen,  über  Aufnahme
und  Abgang  von  Schülern,  über  die  Stärke  der  einzelnen  Klassen,  die  Ab-  und  Zunahme  der
Gesamtschülerzahl,  endlich  ein  Verzeichnis  der  Lehrer  und  Schüler.  Diesen  Jahresberichten
ist  in  Zwischenräumen,  die  das  Ministerium,  bei  städtischen  Schulen  nach  Vernehmung  mit
der  Gemeindebehörde,  bestimmt,  eine  in  deutscher,  französischer  oder  englischer  Sprache  ver—
faßte  wissenschaftliche  Abhandlung  beizugeben.  Zur  Lieferung  dieser  Abhandlungen  sind  die
ständigen  wissenschaftlichen  Lehrer  der  Reihe  nach  verpflichtet,  doch  kann  der  Rektor  bei  voller
Einhelligkeit  der  Beteiligten  gestatten,  daß  Änderungen  in  der  Reihenfolge  eintreten,  oder  auch,
daß  nichtständige  oder  Fachlehrer  wissenschaftliche  Beigaben  für  die  Jahresberichte  liefern.
Jede  Abhandlung  ist  vor  dem  Drucke  dem  Rektor  vorzulegen.

Von  jedem  Schulprogramme  ist  die  vorgeschriebene  Anzahl  von  Druckstücken  an  die
vorgesetzten  Behörden  und  an  die  buchhändlerische  Zentralstelle  für  den  Programmaustausch
einzusenden.

III.  Reifeprüfung.

8  59.  Die  Reifeprüfung  hat  den  Zweck,  zu  ermitteln,  ob  ein  Schüler  die  Lehrziele  der
Oberprima  einer  Oberrealschule  in  allen  wissenschaftlichen  Fächern  erreicht  hat.  Sie  kann  mit
rechtlicher  Wirkung  nur  an  einer  öffentlichen,  mit  der  Berechtigung  zur  Abnahme  dieser
Prüfung  versehenen  Oberrealschule  abgelegt  werden.

Zur  Erstehung  der  Reifeprüfung  an  einer  öffentlichen  Oberrealschule  eines  anderen
Bundesstaates  bedürfen  Schüler,  deren  Eltern  in  Sachsen  staatsangehörig  sind  und  ihren
Wohnsitz  haben,  der  Genehmigung  des  Königlich  Sächsischen  Ministeriums  des  Kultus  und
öffentlichen  Unterrichts.

Die  Abnahme  der  Reifeprüfung  erfolgt  an  jeder  Oberrealschule  durch  einen  besonderen
Prüfungsausschuß.

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Schulnachrichten.


Allgemeine
Bestim—
mungen.