Volltext : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1908. (74)

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Spätestens  eine  Woche  nach  diesen  Terminen  hat  der  Rektor  die  Schüler,  die  um  Zulassung
  nachgesucht  haben,  in  vorgeschriebener  Weise  bei  dem  Ministerium  anzumelden.  Vor
Feststellung  der  Anmeldeliste  findet  eine  Besprechung  des  Prüfungsausschusses  über  die  wissenschaftliche
  und  sittliche  Reife  der  betreffenden  Schüler  und  eine  vorläufige  Zensierung  derselben
statt.

Auf  Grund  der  letzteren  hat  der  Ausschuß  darüber  Beschluß  zu  fassen,  ob  einzelnen  der
Rücktritt  von  der  Prüfung  angeraten  oder  ein  Antrag  auf  deren  Zurückweisung  bei  dem  Ministerium
  gestellt  werden  soll.  In  die  Anmeldeliste  sind  alle  Schüler  aufzunehmen,  die  bis  zu
deren  Abschluß  ihr  Gesuch  um  Zulassung  aufrecht  erhalten  haben.  In  dem  begleitenden  Berichte
  aber  sind  die  von  dem  Prüfungsausschusse  über  die  Anzumeldenden  gefaßten  Beschlüsse
mitzuteilen,  auch  nach  Befinden  Vorschläge  wegen  der  Prüfungstage  zu  machen.  Anträge  auf
Zurückweisung  eines  der  Angemeldeten  von  der  Prüfung  können  nur  dann  Beachtung  finden,
wenn  sie  von  dem  Ausschusse  einstimmig  beschlossen  und  eingehend  begründet  sind  und  wenn
die  Bedenken  des  Ausschusses  nicht  nur  Schwächen  in  einzelnen  Fächern,  sondern  zugleich  die
allgemeine  geistige  Reife  des  Angemeldeten  betreffen.  Daß  die  in  §  61  gestellten  Bedingungen
von  allen  Angemeldeten  erfüllt  sind,  ist  jedesmal  ausdrücklich  zu  bezeugen,  in  dem  §  49
Absatz  5  erwähnten  Falle  außerdem,  daß  der  dort  gegebenen  Vorschrift  genügt  ist.

8  63.  Jede  Täuschung  durch  Benutzung  fremder  Hilfe  oder  unerlaubter  Hilfsmittel
bei  Fertigung  der  Prüfungsarbeiten  ist  mit  der  sofortigen  Zurückweisung  von  der  ferneren
Teilnahme  an  der  Prüfung,  wenn  aber  die  Täuschung  erst  nach  deren  Beendigung  entdeckt
wird,  mit  der  Verweigerung  oder  nachträglichen  Ungültigerklärung  des  Reifezeugnisses  zu  be—
strafen.  Auch  kann  im  Falle  eines  bloßen  Versuchs,  fremde  Hilfe  oder  unerlaubte  Hilfsmittel
zu  gebrauchen,  die  Zurückweisung  von  der  ferneren  Teilnahme  an  der  Prüfung,  oder  die  Verweigerung
  des  Zeugnisses  verfügt  werden.

Ein  so  Bestrafter  kann,  wenn  er  nicht  wegen  bloßen  Versuchs  bestraft  wurde,  nur  noch
einmal  und  in  der  Regel  nur  nach  Jahresfrist  zu  einer  anderen  Reifeprüfung  zugelassen  werden.

Über  die  hier  bestimmten  Strafen  beschließt  der  Prüfungsausschuß.  Auf  diese  Strafen
hat  der  Rektor  vor  Beginn  jeder  Reifeprüfung  die  Prüflinge  unter  ernster  Vermahnung  hinzuweisen.


8  64.  Die  schriftliche  Prüfung  geht  der  mündlichen  voran.  In  ihr  sind  zu  liefern:
ein  deutscher,  ein  französischer  und  ein  englischer  Aufsatz,
eine  geometrische  Arbeit,  die  wenigstens  eine  Aufgabe  aus  der  analytischen  Geometrie
enthalten  muß,

eine  Arbeit  mit  Aufgaben  aus  der  Arithmetik  und  Algebra,
eine  physikalische  Arbeit,  die  verschiedene  Zweige  der  Physik  berücksichtigt.

Verwarnung
vor  der

Prüfung.

Schriftliche
Prüfung.