Volltext : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1908. (74)

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davon,  die  nach  ihrer  Lage  oder  wegen  ihres  Verkehrs  mit  dem  verseuchten  Orte  besonders
gefährdet  erscheinen,  sind  in  den  Sperrbezirk  einzubeziehen.

Bei  größeren  Orten  kann  der  Sperrbezirk  unter  Umständen  auf  Ortsteile  beschränkt
werden.

Das  Beobachtungsgebiet  hat  mindestens  aus  den  rings  an  den  Sperrbezirk
grenzenden  Gemeinde=  und  Gutsbezirken  zu  bestehen,  gleichgültig  zu  welchem  Verwaltungsbezirk
  sie  gehören,  kann  aber  nach  dem  Ermessen  der  beteiligten  Amtshauptmannschaften
und  Stadträte  auf  Antrag  der  Bezirkstierärzte  auch  weiter  ausgedehnt  werden.

Schlachtviehhöfe  und  Schlachthöfe  fallen  nicht  mit  in  den  Sperrbezirk  und  in  das  Beobachtungsgebiet;
  im  Falle  eigener  Verseuchung  bilden  sie  einen  Sperrbezirk  für  sich.  Der
Bildung  eines  Beobachtungsgebiets  wird  es  bei  der  Verseuchung  von  Schlachtviehhöfen  und
Schlachthöfen  in  der  Regel  nicht  bedürfen.

§  24.  Für  den  Sperrbezirk  ist  über  die  einschlagenden  Bestimmungen  der
Instruktion  zum  Reichs-Viehseuchengesetz  hinaus  folgendes  anzuordnen:

1.  Sämtliche  Wiederkäuer  und  Schweine  der  verseuchten  Gehöfte  unterliegen  der  Stallsperre.
  Dieselbe  Maßregel  ist  in  der  Regel  für  alle  Wiederkäuer  und  Schweine  des  ganzen
Sperrbezirks  auf  so  lange  anzuordnen,  bis  die  Seuche  abgeheilt  ist  oder  die  erkrankten  Tiere
getötet  sind  und  die  vorschriftsmäßige  Entseuchung  erfolgt  ist.

Ausnahmen  hiervon  können  von  der  Amtshauptmannschaft  oder  dem  Stadtrate  unter
Zustimmung  des  Bezirkstierarztes  für  nicht  verseuchte  Gehöfte  des  Sperrbezirks  dann  zugelassen
  werden,  wenn  sie  aus  wirtschaftlichen  Gründen  (Feldbestellung,  Weidegang,  Bedecken
weiblicher  Tiere  usw.)  dringend  geboten  erscheinen  und  die  Verseuchung  sich  nur  auf  einige
Gehöfte  beschränkt.

2.  Die  Einfuhr  und  die  Ausfuhr  von  Klauenvieh  nach  und  aus  dem  Sperrbezirk,  das
Durchtreiben  von  Klauenvieh  durch  ihn  und  das  Aus=  oder  Verladen  von  solchem  auf
Eisenbahnstationen  des  Sperrbezirks  ist  verboten.  Eine  Ausnahme  hiervon  kann  nach  Gehör
des  Bezirkstierarztes  für  größere  Orte  geeignetenfalls  von  der  Amtshauptmannschaft  oder
dem  Stadtrate  zugelassen  werden.

3.  Fremden  unbefugten  Personen  sowie  solchen,  welche  behufs  Ausübung  ihres  Gewerbes
in  Ställen  zu  verkehren  pflegen  —  namentlich  Viehhändlern  und  Fleischern  sowie  deren
Bediensteten,  Viehschneidern  usw.  —,  ist  der  Zutritt  zu  den  verseuchten  Gehöften  nicht  zu
gestatten.  In  besonders  dringlichen  Fällen,  z.  B.  bei  Notschlachtungen,  ist  die  Genehmigung
der  Ortspolizeibehörde  einzuholen.

Das  Betreten  des  verseuchten  Gehöftes  durch  fremde  Wiederkäuer  und  Schweine  ist
unter  allen  Umständen  zu  verhindern.