Full text : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1908. (74)

Zu  §  29  des
Reichsgesetzes.

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1.  Verboten  ist:

a)  die  Abhaltung  von  Viehmärkten  außer  für  Pferde;

b)  der  Auftrieb  von  Klauenvieh  aus  dem  Beobachtungsgebiet  auf  Viehmärkte;

Jc)  die  Ausfuhr  von  Wiederkäuern  und  Schweinen  ohne  schriftliche  ortspolizeiliche
Erlaubnis.  Diese  darf  nur  für  Schlachtvieh  zum  Zwecke  alsbaldiger  Abschlachtung
und  auf  Grund  einer  tierärztlichen  Bescheinigung  erteilt  werden,  aus  der  hervorgeht,
  daß  das  gesamte  Klauenvieh  des  Gehöftes  vom  Tierarzt  untersucht  und
unverdächtig  der  Maul=  und  Klauenseuche  befunden  worden  ist.  Die  tierärztliche
Bescheinigung  gilt  nur  48  Stunden.  Die  Abschlachtung  der  ausgeführten  Tiere
hat  binnen  3  Tagen  zu  erfolgen  und  ist  erforderlichenfalls  polizeilich  zu  überwachen.

2.  Bei  Zunahme  der  Verseuchung  im  Sperrbezirk  kann  von  seiten  der  Amtshauptmannschaften
  und  Stadträte  für  das  Beobachtungsgebiet  verboten  werden:

a)  die  Abhaltung  von  Pferdemärkten:

b)  der  Durchtrieb  von  Wiederkäuern  und

J)  das  Treiben  von  Klauenvieh  auf  öffentlichen  Straßen,  ausgenommen  das  Treiben
von  Gehöft  zu  Gehöft  im  Orte  der  Besitzer.

3.  Für  im  Beobachtungsgebiet  gelegene  Sammelmolkereien  gelten  die  Vorschriften
des  §  24  Absatz  9.

8  26.  Bei  zunehmender  Verseuchung  haben  die  Amtshauptmannschaften  oder  die
Stadträte  die  tierärztliche  Untersuchung  aller  Klauenviehbestände  im  Sperrbezirk  und  Beobachtungsgebiet
  beim  Ministerium  des  Innern  zu  beantragen.

Im  gleichen  Falle  haben  die  Amtshauptmannschaften  Gendarme  nach  dem  Seuchenort
zu  befehligen  und  die  Stadträte  ihre  Polizeimannschaften  zur  dauernden  strengen  Uberwachung
  der  angeordneten  Schutzmaßregeln  besonders  anzuhalten.

827.  Beim  Ausbruch  der  Maul=  und  Klauenseuche  auf  Schlachtviehmärkten,  Schlachtviehhöfen
  und  Schlachthöfen  sind  die  erkrankten  und  seuchenverdächtigen  Tiere  sofort  abzusondern
  und  baldmöglichst  in  abgesonderten  Räumen  (Polizeischlachthaus)  abzuschlachten.

Alle  übrigen  Schlachttiere,  die  ebenfalls  unter  Sperre  zu  nehmen  sind,  dürfen  den
Schlachtviehmarkt,  Schlachtviehhof  oder  den  Schlachthof  nicht  lebend  verlassen  und  sind
baldmöglichst  abzuschlachten.

Der  Verbleib  derjenigen  Schlachttiere,  welche  innerhalb  der  Zeit  von  drei  Tagen  vor
Ausbruch  der  Maul=  und  Klauenseuche  auf  einem  Schlachtviehmarkte,  Schlachtviehhofe  oder
Schlachthofe  aufgestellt  gewesen,  aber  abgetrieben  worden  sind,  ist  von  seiten  der  zuständigen
Polizeibehörde  schnellstens  zu  ermitteln  und  die  sofortige  Abschlachtung  der  Tiere,  sofern
sie  noch  nicht  geschehen  sein  sollte,  von  der  Polizeibehörde  des  Standortes  der  Tiere  anzuordnen.