102 Zweiter Zeitraum.
stiftete er einen Schulfonds (mons pietatis) von 150000 Mark; in Berlin
und Potsdam legte er großartige Waisenhänser an und schenkte für die Schulen
der Salzburger Vertriebenen 450 000 Mark. Durch die Principia Regulativa.
von 1736 gab er Anweisung, wie die Mittel zum Bau und zur Einrichtung
einer Schule, sowie zum Unterhalt des Lehrers aufzubringen seien. Allein
in Ostpreußen wurden unter Friedrich Wilhelm (bis 1738) 1130 neue Schulen
eingerichtet. Wenn es nur irgend die Zeit gestattete, besuchte er auf seinen
vielen Reisen in den Dörfern, durch welche ihn sein Weg führte, auch die
Schulen; ja er wußte um den Unterricht so gut Bescheid, daß er einst an der
Tafel seinen Gästen auseinandersetzte, wie die Kinder nach neuer Methode
das Lesen ohne Buchstabieren lernen könnten. Bei allen Regimentern mußten
die Feldprediger Schule halten und dafür sorgen, daß die Rekruten im Lesen,
Schreiben und im Christentum unterrichtet wurden.
Für Kunst und Wissenschaft hatte der König dagegen nur geringes
Interesse. Von den Wissenschaften schätzte er nur die, welche für das praktische
Leben von handgreiflichem Nutzen waren, die Theologie und die Medizin.
Der Akademie übertrug er die Ausbildung der Militärärzte. An den Universitäten
Halle, Frankfurt a. d. O. und Königsberg errichtete er neue Professnren
für alle Zweige der Verwaltung, für Ingenieurwesen und Mechanik.
Unter den Künsten stand die Malerei bei ihm einigermaßen in Ansehen; wenn
er, von Gichtschmerzen geplagt, daheim sitzen mußte, versuchte er sich sogar selber
in dieser Kunst, und manches von ihm gemalte Bild mit der Unterschrift
„In tormentis pingit F. W.“ (Unter Schmerzen gemalt) ist noch erhalten.
Von den Künstlern ließ er fast nur Bildnisse seiner Familie und seiner
„lieben blauen Kinder“ anfertigen. Er hat auch viel gebaut, aber keine
prunkvollen Schlösser, sondern Festungen, Kasernen, Schulen, Kirchen, Armenund
Krankenhäuser, alles dauerhaft und ohne Schmuck. Während er der
Akademie nur einmal eine kleine Summe schenkte, stiftete er aus Mitleid
mit den Kranken und Armen in Berlin ein großes Krankenhaus, die Charité.
Friedrich Wilhelm war dem Glauben seiner Kirche aufrichtig zugethan.
Er besuchte regelmäßig den Gottesdienst und verlangte dasselbe von seiner
Familie, seinen Beamten und Offizieren; auch für die Soldaten richtete er
einen geordneten Gottesdienst ein und ließ unter sie, wie auch unter Arme,
Erbaunngsschriften verteilen. Alle Kopfhängerei und Zänkerei über Religion
war ihm zuwider; Francke und andere werkthätige Geistliche waren Männer
nach seinem Herzen. Er selbst hat werkthätiges Christentum bewiesen durch
seine unermüdliche Arbeit für alle Stände und als Vorkämpfer des Evangeliums
durch seine mutige und standhafte Beschützung seiner Glaubensbrüder.
Auch er bemühte sich, aber vergebens, die beiden evangelischen Bekenntnisse
zu vereinigen; er hielt die Gegensätze der beiden für Predigergezänk, duldete
nicht das gegenseitige Verketzern und behandelte beide unpartetisch, gestattete
seiner Gemahlin, lutherisch zu bleiben, und ließ seine Kinder von Geistlichen
beider Bekenntnisse prüfen. Die katholischen Unterthanen ließ der König
unbehelligt; doch wollte er die Jesuiten nicht im Lande haben. Wie er sich
der lutherischen Salzburger annahm, legte er auch wiederholt beim Kaiser
Fürsprache für dessen cvangelische Unterthanen in Ungarn und Schlesien ein,